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Die Kasernenkonversion ist die größte Aufgabe der Stadt Friedberg. Bürgermeister Antkowiak ist zuversichtlich, dass dies auch mit einem anderen Stadtbauamtsleiter klappt. ARCHIVFOTO: PV

Interview

Bürgermeister Antkowiak zur dünnen Personaldecke im Friedberger Rathaus: Arbeitsmarkt ist leer gefegt

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Der Leiter des Stadtbauamtes verlässt das Friedberger Rathaus, nicht der erste personelle Aderlass. Wie geht’s nun weiter? Antworten gibt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU).

Herr Antkowiak, die Stadt Uelzen möchte Dr. Andreas Stefansky, seit März im Friedberger Rathaus Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen, offenbar zum 1. Januar einstellen. Wie geht es weiter?

Wir haben die Stellenausschreibung bereits vorbereitet. Diese wird noch dieses Wochenende in den üblichen Medien (Presse, Internetportale, Fachzeitungen) veröffentlicht.

Wie lange wird Herr Stefansky noch bei der Stadt Friedberg arbeiten?

Voraussichtlich bis Dezember.

Wie soll gewährleistet werden, dass sich genügend Personen bewerben?

Das ist eine überaus wichtige und zentrale Stelle, wir werden die Stellenausschreibung auf verschiedenen Plattformen veröffentlichen. Neben den üblichen Medien (lokale, überregional, Bundesanzeiger) schreiben wir auch in verschiedenen Fachblättern (z.B. Deutsches Architektenblatt) sowie auf den gängigen Internetportalen aus.

Nach herbem Verlust für Friedberg: Bürgermeister gibt sich optimistisch

Die Vorstellung des ISEK-Berichts im Ausschuss für Stadtentwicklung hat bei vielen Parlamentariern die Hoffnung geweckt, dass es nun mit Weitsicht und offener Kommunikation vorangeht. Wie enttäuscht sind Sie von diesem doch sehr schnellen und überraschenden Abgang?

Diese Hoffnung ist nicht nur mit einer Person verbunden. Gerade mit ISEK ist ein ganzes Team beschäftigt. Der eigentliche ISEK-Prozess war schon vor Dienstantritt von Dr. Stefansky abgeschlossen. Wir werden den von mir eingeschlagenen Weg der offenen Kommunikation weitergehen.

Herr Stefansky ist Spezialist in Sachen Kasernen-Konversion. Sind Sie optimistisch, abermals einen solchen Fachmann für den Job gewinnen zu können?

Ich gehe davon aus, dass wir einen ebenfalls dafür geeigneten Nachfolger bzw. eine Nachfolger finden.

Wie ist die Personalsituation im Rathaus? Man hört immer wieder, die Personaldecke sei sehr dünn. Arbeiten bleiben liegen, etwa der Internetauftritt, der dringend überarbeitet werden müsste. Oder die Gremienarbeit auf Laptop, um Papier zu sparen.

Einige Stellen sind nicht besetzt oder mussten teilweise mehrfach ausgeschrieben werden. Daran arbeiten wir unter Hochdruck. Die Erstellung des neuen Internetauftrittes ist vergeben. Die Umstellung auf papierlose Gremienarbeit ist bereits angelaufen. Die Tablets werden derzeit installiert und anschießend fraktionsweise - selbstverständlich mit Schulung - ausgeliefert.

Wie viele Stellen sind im Rathaus derzeit unbesetzt?

Zum Stand 30. Juni 2021 waren rund 20 Stellen unbesetzt. In keiner Verwaltung sind jederzeit alle Stellen besetzt.

Friedberg: „In Bereichen mehr Arbeit, als wir mit dem Personal stemmen können“

In welchen Abteilungen wird unabhängig vom Stellenplan weiteres Personal benötigt?

Derzeit haben wir in einzelnen Bereichen mehr Arbeit, als wir mit dem vorhandenen Personal stemmen können. Wir haben aus diesem Grund bereits auch für den zukünftigen Stellenplan im Haushalt entsprechende Stellen vorgesehen, um diese zu besetzen.

Wie im Ausschuss zu hören war, schreibt die Stadt Stellen aus, findet aber kein geeignetes Personal; es ging um drei Gärtner und eine Führungskraft für den Bauhof. Andere Mitarbeiter wandern ab, wechseln zu anderen Verwaltungen, weil sie dort besser verdienen. Macht die Stadt etwas falsch? Müssen neue Anreize geschaffen werden?

Die Stadt Friedberg macht hier nichts falsch. Es geht derzeit nicht nur der Stadt Friedberg so, auch in anderen Kommunen macht sich der Fachkräftemangel immer mehr bemerkbar, und dort wird händeringend nach Fachpersonal gesucht. Der Arbeitsmarkt ist schlichtweg leergefegt, dennoch ist es uns in den letzten Jahren gelungen, Fachpersonal für die Tätigkeit im Rathaus zu gewinnen. Öffentliche Arbeitgeber sind tarifgebunden, deshalb sind ihnen bezüglich der Gehaltsforderungen von Bewerbern und Bewerberinnen die Hände gebunden. Wir schaffen ständig neue Anreize - mit dem Angebot des Homeoffice sind wir diesem Ziel bereits einen großen Schritt nähergekommen.

Zusätzlich bereiten wir noch in diesem Jahr die Möglichkeit der Entgeltumwandlung für die private Nutzung eines E-Bikes vor, und wir bieten selbstverständlich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das landesweit gültige Jobticket an.

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