Der Ruhestand machts möglich: Dr. Karl Josef Gruber wird nach dem Ende seiner Tätigkeit als Chirurg wieder Klavierunterricht nehmen.
+
Der Ruhestand machts möglich: Dr. Karl Josef Gruber wird nach dem Ende seiner Tätigkeit als Chirurg wieder Klavierunterricht nehmen.

Bürgerhospital

Bürgerhospital Friedberg: Chirurg Dr. Gruber geht in den Ruhestand

36 Jahre lang war Dr. Karl Josef Gruber als Chirurg tätig, davon fast 24 Jahre am Bürgerhospital in Friedberg. Seit dem 1. August ist er im verdienten Ruhestand.

Ich habe oft drei Generationen einer Familie behandelt. An die Ockstädter Patienten erinnere ich mich natürlich besonders gut«, sagt Dr. Karl Josef Gruber beim WZ-Besuch in seinem Haus in der Sudetenstraße. In Ockstadt ist der Mediziner längst heimisch geworden. Sein Arbeitsschwerpunkt lag in den letzten 13 Jahren in der chirurgischen Praxis des »Centromed Friedberg« im Bürgerhospital. Daran war noch nicht zu denken, als er sich 1996 für die Stelle des Oberarztes in der Chirurgie der damals noch selbstständigen Klinik bewarb.

Vor seinem Wechsel in die Wetterau war er als Chirurg an den städtischen Kliniken Karlsruhe tätig und absolvierte eine Zusatzausbildung zum Unfallchirurgen. Nach dem Abitur hatte Gruber Medizin in Mainz studiert und sich zwei Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, um als Arzt am Bundeswehrkrankenhaus Koblenz arbeiten zu können.

Dr. Gruber Bürgerhospital Friedberg: Seit 1996 Oberarzt in Friedberg

»Da ich mich recht kurzfristig entschieden hatte, war nur ein Platz in der Nuklearmedizin frei«, berichtet Gruber, der nach seiner Militärzeit zunächst in einem Krankenhaus in Worms tätig war. Am 1. Oktober 1996, seinem 42. Geburtstag, trat er seine Stelle als Oberarzt in Friedberg an.

Zu dieser Zeit wohnte er bereits in Ockstadt, zunächst in einer Mietwohnung, da das zuvor gefundene Reihenhaus in der Sudetenstraße noch umgebaut werden musste. »Die ersten Wochen lebte ich alleine hier. Meine mit dem zweiten Kind schwangere Frau Sabine und mein erster Sohn waren noch in Karlsruhe«, erinnert sich der Vater von fünf inzwischen erwachsenen Kindern.

Da das Auto in Karlsruhe blieb, fuhr er mit dem Rad von Ockstadt nach Friedberg zur Arbeit - auch als er eines Nachts zu einem chirurgischen Notfall in die Kerckhoff-Klinik gerufen wurde, die mit dem Bürgerhospital kooperierte. »Ich musste Instrumente in Friedberg holen, dann ging es mit dem Taxi nach Bad Nauheim. Das wäre heute nicht mehr vorstellbar«, sagt Gruber, der aus Eppertshausen in Südhessen stammt.

Dr. Gruber Bürgerhospital Friedberg: Gerüchte über Schließung

Bereits ein Jahr nach seinem Wechsel in die Kreisstadt übernahm Gruber den Posten des stellvertretenden Chefarztes der Klinik. »Schon damals wurde heftig über eine Zusammenlegung des Bürgerhospitals mit dem Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim diskutiert«, erinnert sich Gruber. Nach dem plötzlichen Tod von Chefarzt Dr. Michael Kern musste er 2004 kommissarisch die Klinikleitung übernehmen.

Nach Gründung des Gesundheitszentrums Wetterau (GZW) machten Gerüchte über eine Schließung des Bürgerhospitals die Runde, zumal in Friedberg vorübergehend keine chirurgischen Eingriffe mehr vorgenommen wurden.

2007 übernahm das GZW die chirurgische Praxis von Dr. Burkhard Heussen im Haingraben und schuf damit die Basis für die Gründung des Centromed. Gruber übernahm zusätzlich dessen Leitung. »Früh morgens war ich im Krankenhaus, dann radelte ich in den Haingraben, wieder zurück zum Operieren und erneut in die Praxis, die schließlich 2008 ins Bürgerhospital verlegt wurde. Das war schon heftig.«

Der Mediziner hätte zwar weiterarbeiten können, 36 Jahre in der Chirurgie seien aber genug. Von Kindesbeinen an hat sich Gruber in der katholischen Kirche engagiert, auch dafür hat er jetzt mehr Zeit.

Als Ruheständler hat er sich sogar für ein Theologiestudium im Fernkurs angemeldet. Ferner möchte er - nach jahrzehntelanger Pause - wieder Klavierunterricht nehmen und Französisch lernen. »Die Sprache hat mich schon immer fasziniert«, so Gruber.

Dr. Gruber Bürgerhospital Friedberg: Lebenslang Erdbeeren

Wie bekannt und beliebt Dr. Karl Josef Gruber in Ockstadt war und bis heute ist, zeigt eine Geschichte, die er erzählt. In seiner Praxis habe er über viele Jahre eine ältere Ockstädterin behandelt, mit der er sich sehr gut verstand. »Als sie gestorben war, stand irgendwann deren Sohn vor der Tür und übergab mir eine Steige Erdbeeren.« Auf Nachfrage des Mediziners berichtete der Mann vom Testament seiner Mutter, das eine entsprechende Verfügung enthalte. Seitdem bekommt die Familie Gruber jedes Jahr ihre Steige Erdbeeren. »Diese Geschichte kennt in Ockstadt fast jeder«, fügt Gruber lachend hinzu.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare