Die Linden auf der Kaiserstraße bieten ein schönes Bild, verdecken aber die Fachwerkhäuser. Eine uralte Diskussion. Noch ohne Lösung. Die Stadt Friedberg sucht Baumpaten, die sich um einen Baum vor ihrer Wohnung kümmern und die Baumscheibe pflegen.
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Die Linden auf der Kaiserstraße bieten ein schönes Bild, verdecken aber die Fachwerkhäuser. Eine uralte Diskussion. Noch ohne Lösung. Die Stadt Friedberg sucht Baumpaten, die sich um einen Baum vor ihrer Wohnung kümmern und die Baumscheibe pflegen.

Neues Projekt

Für eine schönere und grünere Stadt: Friedberg sucht Baumpaten

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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In Friedberg sollen die Bürger dafür sorgen, dass ihre Stadt schöner aussieht. Zum Beispiel durch eine Baumpatenschaft.

Mit Bäumen kommt Leben in die Stadt. Bäume filtern Staub und produzieren Sauerstoff. So sorgen sie in heißen Sommern für ein besseres Stadtklima. Bäume kühlen und befeuchten die Luft, erzeugen ein besseres Mikroklima. Wer bei strahlendem Sonnenschein über die Seewiese geht und am Spielplatz den Weg zum Schulzentrum einschlägt, spürt das sofort; die dortigen Linden duften auch noch ganz besonders.

Dem nicht genug, bremsen Bäume durch die Bindung von CO2 den Treibhauseffekt. Sie fördern das menschliche Wohlbefinden, bieten Lebensraum für viele Lebewesen und machen die Stadt schöner.

Die CDU-Fraktion hatte im Februar ein Konzept für Baumpatenschaften vorgelegt. Im Haupt- und Finanzausschuss wurde es einstimmig begrüßt, die Stadtverordneten wollen es in ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag (18.15 Uhr in der Stadthalle) beschließen.

Baumpaten in Friedberg: Jeder Baumpate kümmert sich um einen Baum und die Baumscheibe 

Das Konzept erläutert alle Fragen rund um Baumpatenschaften. Jeder Baumpate kümmert sich um einen Baum und die dazugehörige Baumscheibe. Das Wichtigste: Viel gießen. In heißen Monaten benötigt ein junger Baum bis zu vier große Garten-Gießkannen voll Wasser am Tag. Werden Bäume älter, trinken sie nicht weniger, können sich dann aber über ihre tiefreichenden Wurzeln selbst versorgen.

Für die Wurzel des Baums ist Bodenluft genauso wichtig wie Wasser. Die Erde in den Baumscheiben sollte daher aufgelockert sein, acht bis zehn Zentimeter tief. Da gibt es in der Stadt viel zu tun. Momentan gleichen manche Baumscheiben in Friedberg einer Betonpiste. Die Baumpaten können »ihre« Baumscheiben auch zu einer Augenweide machen. Sie können Blumen und üppiges Grün anpflanzen. Die Erfahrung zeigt: Je schöner ein Beet gepflegt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass dort kein Müll landet.

Baumpaten in Friedberg: Kletterpflanzen und Pestizide verboten

Kletterpflanzen sind übrigens nicht erlaubt, das erschwert die jährliche Baumkontrolle. Auch sollte auf Pestizide verzichtet werden. Komposterde ist künstlichem Dünger vorzuziehen.

Und der Lohn der Mühe? Der schöne Anblick aus dem Fenster! Ein kleiner Garten vor der Haustüre macht was her, ein bepflanztes Beet zieht Bienen und Schmetterlinge an. Einzäunungen der Baumscheiben sind aus Gründen der Unfallgefahr nicht erlaubt, die Gehweg- und Steineinfassungen dürfen nicht verändert, die sichtbaren Wurzeln nicht mit Erde überdeckt werden. Steine und Pflanzentröge gehören nicht in Baumscheiben.

Die Baumpaten sind bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit über die Stadt Unfall- und Haftpflicht-versichert. Interessenten können sich im Rathaus melden, das Grünamt steht ihnen dann mit Rat und Tat zur Seite und veranlasst, dass der von der Stadt beauftragte Pflegebetrieb den Baum ausspart. Die Stadt kontrolliert weiterhin die Standsicherheit des Baumes und lässt ihn, wenn nötig, beschneiden.

Eine andere Frage, die sich rund um die Pflege der Stadtbäume dreht, wurde jüngst im Ortsbeirat der Kernstadt besprochen. Die Grünen hatten gefordert, statt wertvollem Trinkwasser geklärtes Abwasser von der Kläranlage in Fauerbach zur Bewässerung der Bäume zu verwenden. Durch den Klimawandel und die anhaltende Trockenheit seien viele Bäume regelrecht am verdursten, heißt es in dem Antrag. In der Sitzung wurde darauf hingewiesen, dass der Golfplatz in Ockstadt im letzten Sommer mit geklärtem Abwasser beregnet wurde. Dieses Wasser (das meist eine besserer Qualität hat als das aus Flüssen) kam aus der Kläranlage in Bad Nauheim.

Auch in Friedberg sollen nun die Voraussetzungen geschaffen werden, um Wasser für solche Zwecke abzuzapfen. Dabei müsse aber darauf geachtet werden, dass genügend Abwasser in die Usa eingeleitet wird, um den Fischbestand nicht zu gefährden.

Baumpaten in Friedberg: Wie Autoreifen die Baumscheiben beschädigen

Das Konzeptpapier »Baumpatenschaft« informiert die Bürger, was sie für den Erhalt des Stadtbildes selbst tun können. So heißt es zum Thema Streusalz: »Chemikalien sollten nicht in die Erde gelangen, denn sie schaden dem Baum.« Das gilt besonders für Streusalz, dessen Einsatz in Friedberg aber nicht mehr erlaubt ist. Ein weiteres Problem für die Baumscheiben sind parkende Autos, selbst wenn nur ein Reifen auf der offenen Fläche um den Baum steht. »Das enorme Gewicht des Wagens presst die Erde zusammen, was den Wurzeln buchstäblich die Luft zum Atmen nimmt. Die verdichtete Erde nimmt auch weniger Wasser auf. Zudem kann durch dichtes Anfahren die Rinde schaden nehmen, Wurzeln werden angefahren oder es tropft Motoröl auf die Erde. Das sind alles Dinge, die Ihrem Baum besser erspart bleiben.«

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