+
Mischen sich ein (v. l.): Dieter Fitsch, Klaus Kissel und Horst Weitzel.

Bahnhofstunnel nach Fauerbach

Bündnis WIR will den Politikern Beine machen

  • schließen

Sie wollen die Stadtentwicklung vorantreiben und dafür sorgen, dass die Friedberger in alle politischen Entscheidungen eingebunden werden. Jetzt ruft die Liste WIR zu einer Demo auf.

Als der ehemalige Grünen-Fraktionsvorsitzende Horst Weitzel als unabhängiger Kandidat bei der Friedberger Bürgermeisterwahl im September 2017 knapp 13 Prozent holte, wollten seine Unterstützer weitermachen. Das Bürgerbündnis WIR wurde aus der Taufe gehoben: heimatlose Alt-Grüne, die im Naturschutz, im Kampf gegen Rechtsextremismus oder in der Anti-AKW-Bewegung aktiv sind, die nicht mehr Teil des (Parteien-)Systems sein wollen, aber weiterhin ihre Stimme erheben. "Es passiert nichts in Friedberg", sagt Weitzel. Klaus Kissel und Dieter Fitsch stimmen zu: Es herrsche Stillstand, Projekte würden verschleppt oder erst gar nicht richtig angegangen.

Ein erstes Projekt war die Forderung, den Fußgängertunnel im Bahnhof im Zuge der Sanierung bis nach Fauerbach zu verlängern. 200 Unterschriften wurden gesammelt, bei der Offenlegung der Pläne durch die Bahn wurde eine entsprechende Einwendung gemacht. Kissel: "Bei der Anhörung waren Vertreter von Lebenshilfe, Blinden- und Gehörlosenschule sowie von uns anwesend. Aber niemand von der Stadt." Und das, obwohl Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) den Bahnhofstunnel bei einer Infoveranstaltung von WIR zur "Chefsache" erklärt hatte. Kissel: "Die Stadt führt angeblich seit Jahren Gespräche mit der Bahn. Laut Bahn wurde ein Durchstich aber nie gefordert - obwohl er seit Jahren im Gespräch ist." Für WIR ein klarer Beleg, dass die Bürger der Politik Beine machen müssen.

Arbeitsgruppe Fauerbacher Tunnel

Weitzel: "Für weitere Aktivitäten gemeinsam mit Fauerbachern Bürgern haben wir jetzt eine Arbeitsgruppe zum Bahnhofsdurchstich gegründet. So stellen wir uns politische Arbeit vor: Wir wollen die Bürger dazu bewegen, sich selbst zu organisieren." Eine Kandidatur fürs Stadtparlament, dies nur nebenbei, habe WIR aber nicht im Sinn.

Nächste Baustelle: das ehemalige Kaufhaus Joh. Die Stadt verlasse sich auf einen Investor, statt selbst tätig zu werden. Das gleich bei der Kaserne. Kissel: "Da herrscht völlige Ahnungslosigkeit. Auch hier soll es ein Investor richten, was die BIMA in einer Ausschusssitzung mit der völligen Kompetenzlosigkeit der Stadtverwaltung begründete, ohne Widerspruch des Magistrats."

Fehlender Wohnraum, fehlende Konzepte zur Zusammenführung der Stadtteile und Defizite bei der Klimapolitik kommen laut Fitsch hinzu. Zum Thema Klimaschutz finde sich auf der Internetseite der Stadt ein Verweis auf eine THM-Homepage: Die Technische Hochschule werde ein Klimaschutzkonzept für Friedberg erstellen. Laufzeit: 1. Januar 2015 bis 31. März 2016. Gibt es ein Ergebnis? Das sei zumindest der Öffentlichkeit nicht bekannt, sagt Fitsch. Genauso schleierhaft sei die von Bürgermeister Antkowiak gepriesene Beteiligung am Projekt "Energiewende PartnerStadt" mit dem portugiesischen Entroncamento. Als "Meilenstein der Partnerschaft" sei das angekündigt worden. Fitsch: "Nicht bekannt sind die Maßnahmen, die sich dahinter verbergen oder ob sich überhaupt etwas dahinter verbirgt." Eine Internetrecherche sei erfolglos geblieben. WIR fordert daher, die Stadt solle wie Konstanz den "Klimanotstand" ausrufen und alle Investitionen unter Klima-Vorbehalt stellen.

Das Bürgerbündnis, dem etwa zehn Aktive angehören sowie weitere 20 Personen per E-Mail-Verteiler folgen, blickt auch über den eigenen Tellerrand hinaus. Für kommenden Samstag, 19. Mai, ruft WIR zur Teilnahme an der Demonstration "Ein Europa für Alle - Deine Stimme gegen Nationalismus" in Frankfurt vor der Alten Oper auf (Beginn: 12 Uhr). Weitzel: "Die Rechtspopulisten, die eigentlich Rechtsaußen sind, werden stärker. Das ist eine konkrete Gefahr für die Demokratie." Flüchtlingsströme gingen Friedberg genauso etwas an wie der Klimaschutz. Wie Kissel berichtet, wird in den Niederlanden offen darüber diskutiert, was die Bevölkerung unternimmt, wenn die Deiche aufgrund der Klimaerwärmung nicht mehr halten: Viele Holländer wollten dann nach Deutschland gehen. Kissel: "Das wären in relativ kurzer Zeit 10 Millionen Menschen. Hoffentlich gibt es dann keine zusätzlichen nationalistischen Anfeindungen gegen unsere Nachbarn."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare