Verschwundene Katzen

In Bruchenbrücken verschwinden Katzen spurlos

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Vier Katzen sind bereits wie vom Erdboden verschluckt. Petra Fischborn recherchierte auf Hochtouren und konnte dabei einige mögliche Todesursachen ausschließen. Was bleibt, wäre entsetzlich.

Die Nacht des 3. Februar war eisig. Es war der Tag vor dem Super Bowl – Petra Fischborn erinnert sich, als wäre es gestern gewesen: "Bleib nicht so lange. Es ist kalt draußen", rief sie ihrem schwarz-weißen Kater Kerry scherzhaft hinterher, als er durch die Katzenklappe in die Dunkelheit verschwand. Es sollte das letzte Mal gewesen sein, dass sie ihn sah.

Bereits am Sonntagmorgen des 4. Februar wusste die Bruchenbrückenerin, dass etwas nicht stimmte: "Kerry war kuschelbedürftig, ein richtiger Schmusekater. Er wäre bei der Kälte auf jeden Fall zurückgekommen", erzählt Fischborn. Zwei Tage warteten sie und ihr Mann wie auf glühenden Kohlen sitzend. Den folgenden Dienstag machten sie sich auf die Suche. Gingen seine bekannten Strecken ab, hielten Ausschau nach einem Kadaver. An den Büschen war noch kein Laub, das Gras braun und platt: "Wenn er irgendwo gelegen hätte, hätten wir ihn gefunden."

Streifzüge von mehreren Kilometern

Für einen kastrierten Kater sei der zehnjährige Kerry weit gelaufen, manchmal mehrere Kilometer, und habe die Nacht öfter auch woanders verbracht. "Wir kennen aber jeden Schlafplatz, den Kerry in den letzten zwei Jahren hatte." Fischborn zeigt auf eine Karte. Blaue Linien markieren Kerrys Wege, kleine Kreise seine Schlaf- und Futterplätze. War der Kater zu weit oder zu lange weg, wurde Fischborn von Nachbarn kontaktiert. "Er war hier bekannt wie ein bunter Hund!"

Zwei Wochen ging Fischborn an Straßen entlang, über Felder und Bahngleise. Blickte unter jeden Busch, jedes geparkte Fahrzeug und bat Nachbarn, in Lauben und Garagen nachzusehen. Sie druckte Plakate, hängte sie im Dorf auf und warf sie in nahezu alle Briefkästen. Damit sie ganz sichergehen konnte, rief sie auch bei der Tierkörperbeseitigung an. "Meine Katze Filou wurde vor einigen Jahren überfahren. Doch dieses Mal, war es anders. Kerry wurde nicht überfahren."

Viele Verschwörungstheorien

Fischborn begann mögliche weitere Ursachen für sein Verschwinden zu recherchieren. Dabei stieß sie auch auf zahlreiche Mythen: Katzenfell-Mafia, Tierfänger, schießwütige Jäger. Panik machende Verschwörungstheorien, zu skurril, um wahr zu sein – dachte sie. Doch dann erfuhr sie von zwei weiteren vermissten Katzen in der unmittelbaren Nachbarschaft. Und es kam noch schlimmer: Am 26. März verschwand ihre getigerte Katze Penny.

"Ich will einfach wissen, was mit meinen Tieren passiert ist. Will sie nach Hause holen. Ihnen ihren letzten Frieden geben." Der Verlust der beiden Tiere geht ihr sehr nahe. Während Kerry weite Strecken lief, bewegte sich Penny nur im Umkreis weniger Häuser. War scheu und schreckhaft. "Sie war chronisch krank und brauchte jeden Tag Medikamente." Sie wiederzufinden, hätte um einiges leichter sein müssen. Fischborn informierte mehrere Tierheime, Postboten und Fundbüros. Teilte ihre Suchplakate auch in den sozialen Medien und sprach mit den Abfuhr-Teams für Rest- und Biomüll, um ungewöhnliche Kadaver-Funde zu erfragen. Als letzte Instanz wandte sich die 46-Jährige an die zuständige Jagdpächterin aus Kerrys Revier. Lebendfallen für Waschbären oder den Abschuss von wildernden Katzen kann Fischborn seitdem ausschließen. "Raubtiere wie Füchse, Dachse oder Nutria hätten einer schwachen Katze wie Penny gefährlich werden können. Aber die können nicht die Todesursache von vier Katzen sein", sagt Fischborn.

Die Bruchenbrückenerin hat nur noch eine Erklärung für das Verschwinden der Katzen: "Ich glaube, hier tötet ein Katzenhasser unsere Tiere. Jemand, der abgrundtief schlecht ist", sagt Fischborn, "und wer so etwas tut, ist auch zu anderen Dingen fähig." Fischborn will verhindern, dass noch mehr Katzen verschwinden, fürchtet ein zweites Erlensee-Drama. Dort verschwanden vor einigen Jahren innerhalb von sechs Monaten 13 Katzen spurlos. Gerade darum sei es so wichtig, Katzenbesitzer zu warnen und für derartige Taten zu sensibilisieren. "Für meine Katzen ist es wahrscheinlich zu spät. Auch wenn ich jeden Tag hoffe, sie wiederzusehen. Ich habe angefangen zu trauern."

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