Die Fichte hat unter dem Klimawandel besonders zu leiden. Zunehmende Trockenheit und Schädlinge wie der Borkenkäfer vernichten ganze Bestände. SYMBOLFOTO: DPA
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Die Fichte hat unter dem Klimawandel besonders zu leiden. Zunehmende Trockenheit und Schädlinge wie der Borkenkäfer vernichten ganze Bestände. SYMBOLFOTO: DPA

Vom Brotbaum zum Problemfall

  • vonred Redaktion
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Wetteraukreis(pm). Der Wald - ob in kommunaler oder staatlicher Zuständigkeit - ist gleichzeitig Wirtschaftsfaktor und Freizeitort. Da sind Konflikte zwischen ökonomischen und erholungsorientierten Interessen nicht zu vermeiden. Zum Beispiel Kritik, auch in Leserbriefen, an der Art der Waldbewirtschaftung durch Hessen Forst oder bezüglich des Waldzustands. Dazu äußert sich das Forstamt Weilrod, das auch für Teile der Wetterau zuständig ist.

Beispiel: die Fichte. "Als Baum des Nordens liebt sie ein kühles und feuchtes Klima und ausreichende, über das ganze Jahr verteilte Niederschläge. Leider laufen die schon spürbaren Folgen des Klimawandels in die genau entgegengesetzte Richtung; längere Trockenperioden wechseln sich mit Starkregenereignissen ab, die Durchschnittstemperaturen erhöhen sich laufend und auch Temperaturextreme nehmen zu", erklärt die Forstbehörde.

Überrascht von Umfang und Wucht

In den Jahren 2018 und 2019 sei der Witterungsverlauf besonders ungünstig gewesen: "Solche Trockenperioden waren bisher in diesem Umfang einzigartig. Auch das Jahr 2020 war viel zu trocken. Somit konnten sich auch in diesem Jahr die Bäume nicht von dem Trockenstress erholen."

Die Fichte sei ein ausgeprägter Flachwurzler. Die Wurzeln reichten nur, je nach Alter des Baumes und der Bodenbeschaffenheit, 50 bis 80 Zentimeter in die Tiefe. Dieser Bereich aber sei in den vergangenen Jahren teilweise vollständig ausgetrocknet gewesen.

"Der Umfang und die Wucht des Klimawandels hat alle überrascht. Die Förster haben drei sehr arbeitsreiche und frustrierende Jahre hinter sich und für die Wiederbewaldung noch viele Jahre der Schadensbewältigung vor sich."

Die starke Verbreitung der Fichte ist sozusagen eine "Sünde" früherer Zeiten, als dieser Nadelbaum aufgrund seines schnellen Wuchses sehr gefragt war. Die durch den Borkenkäfer befallenen und abgestorbenen Butzbacher Waldbestände zum Beispiel waren zwischen 120 und 40 Jahre alt, so das zuständige Forstamt. "Der Fokus dieser Zeit lag eindeutig auf der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes für Bau- und Brennholz, gerade auch in den Kriegs- und Nachkriegsjahren. Die Fichte wurde nicht umsonst der Brotbaum des Waldes genannt." Das solle man aber nicht der jetzigen Generation von Förstern vorwerfen, die dieses Erbe übernommen haben. Seit den 1980er Jahren seien keine Fichten mehr als Reinbestand in den betreuten Kommunalwäldern gepflanzt worden. Vorhandene Bestände seien regelmäßig durchforstet worden. So entstandene Räume seien seit etwa 20 Jahren mit Mischbaumarten angereichert worden. Mischwälder gelten als widerstandsfähiger gegen den Klimawandel und Schädlinge wie den Borkenkäfer.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Forstwirtschaft ist der Einsatz großer Machinen und Fahrzeuge bei der Holzernte. Der Einsatz von schweren Harvestern und Rückezügen sei seit gut 25 Jahren eine Standardtechnik, sagen die Forstexperten. "Der Bodendruck wird durch breite Reifen und mehrere Achsen allerdings minimiert. Tatsächlich ist der Druck unterhalb eines solchen Reifens, gemessen auf den Quadratzentimeter, ähnlich dessen eines im Wald stehenden Menschen." Die Fahrzeuge dürften nur auf den langfristig festgelegten und markierten Rückegassen im Wald fahren. Nicht zuletzt deshalb hätten sich auch die schweren und tödlichen Unfälle von Waldarbeitern drastisch reduziert.

Stichwort Verkehrssicherung: Hessen Forst sei als Dienstleister von seinen waldbesitzenden Kunden mit der Bewirtschaftung und damit auch für die Verkehrssicherung zuständig - an öffentlichen Straßen, Waldrändern und innerhalb der Waldbestände.

Das bedeute: die sorgfältige Überprüfung und Beurteilung von Standsicherheit und Kronenschäden der Bäume. "Aufgrund der massiven Trocknisschäden der Buchen, insbesondere bei älteren Bäumen besteht dringender Handlungsbedarf. Es geht um die Sicherheit der Anlieger und Waldbesucher", unterstreicht die Behörde.

Wie sähe ein Szenario ohne Waldbewirtschaftung aus. Dazu das Forstamt: Große Waldbereiche müssten auf Jahre gesperrt werden, Waldwege wären aufgrund umgestürzter Bäume nicht mehr befahrbar oder begehbar, Bejagung nicht mehr möglich. Und: Waldbrände könnten aufgrund des vielen Totholzes "mit großer Wucht weitere Teile der noch intakten Wälder zerstören".

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