Ulf Berger kann sich vor Reparaturaufträgen kaum noch retten.
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Ulf Berger kann sich vor Reparaturaufträgen kaum noch retten.

Einkaufsmeile

Boom nach Film über Friedberger Kaiserstraße

  • vonHarald Schuchardt
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Was ein Film alles bewirken kann: Das 45-minütige Werk über die Friedberger Kaiserstraße hat zwei dort ansässigen Geschäften eine enorme Nachfrage beschert - und so manche kuriose Begebenheit.

Corona war schon Thema, als am 8. März auf dem City-Parkdeck der Film »Friedbergs Kaiserstraße - Shoppingmeile mit Tradition« Premiere feierte und zwei Tage später im HR-Fernsehen gezeigt wurde. In dem 45-Minuten-Film von Silke Klose-Klatte radelt Ulf Berger, Vorsitzender von »Friedberg hat’s« und Inhaber von »Lederwaren Steck«, mit seinem Lastenrad über die Kaiserstraße und kommt im Verlauf des Films mehrmals zu Wort. Vorgestellt werden familiengeführte Geschäfte, wie »Steinnökel, Fachgeschäft für Jagd und Stahlwaren« oder die Gaststätte »Die Dunkel«.

Der Dackel mit dem exklusiven Halsband

Trotz der Corona-Pandemie mit Shutdown, Maskenpflicht und Abstandsregelungen übertraf die Resonanz auf den Film alle Erwartungen. »Damit habe ich nie und nimmer gerechnet«, sagt Ulf Berger. Sein Lastrad habe inzwischen so etwas wie Kultstatus erreicht. »Wenn ich mal mit dem Auto von Ossenheim in die Stadt fahre und das Rad nicht vor dem Laden steht, denken die Kunden, ich sei nicht da«, sagt der Geschäftsmann, der im Film erläutert, dass er mit einer uralten Nähmaschine auch Reparaturen an Lederwaren aller Art erledigt.

»Ich kann mich vor Reparaturen und Spezialaufträgen kaum mehr retten«, sagt Berger und erzählt von einem Mann aus Aschaffenburg, der gleich nach der Ausstrahlung des Films nach Friedberg gefahren war. Er wollte, dass ich für seine Kompaktkamera eine maßgeschneiderte Kameratasche aus Leder nähe. Das habe ich dann gemacht. Er war hochzufrieden.«

Zufrieden war auch eine ältere Dame aus Bad Homburg, die nicht nur ihren Rauhaardackel dabei hatte, sondern auch eine 900 Euro teure Handtasche von Louis Vuitton. Berger: »Da sie die Tasche nicht mehr nutzte, bat sie mich, aus dem Trageriemen ein Halsband für ihren Hund zu nähen.« So läuft der Dackel wohl nun mit dem exklusivsten Halsband überhaupt durch Bad Homburg.

Immer wieder bekommt Berger Rucksäcke oder Handtaschen, bei denen das Futter gerissen ist oder ersetzt werden soll. Ein Kunde bekannte: »Ich lebe 20 Jahre in Bad Nauheim, habe Sie aber erst durch den Film wahrgenommen.«

Kürzlich fuhr ein Ehepaar aus Frankfurt mit der S-Bahn nach Friedberg »Sie waren fast an allen Orten, die im Film gezeigt wurden. Haben bei mir und bei Steinnökel eingekauft und in der ›Dunkel‹ zu Mittag gegessen«, sagt Berger.

20-jährige Suche nach Schere

Auch Marianne Ulrich, in der dritten Generation Inhaberin von Steinnökel, kann sich an das Ehepaar erinnern. »Viele haben unser Geschäft nur mit Waffen in Verbindung gebracht. Das hat sich geändert« sagt die Geschäftsfrau, die in dem Film ihre große Auswahl an Scheren aller Art präsentiert.

Eine Zuschauerin vom Bodensee entdeckte da eine Zick-Zack-Schere für Stoffarbeiten, die sie schon seit 20 Jahren gesucht hatte. »Ich habe sie ihr geschickt. Inzwischen war sie hier im Geschäft«, erzählt Ulrich, die so viele Messer und Scheren verkauft hat wie schon lange nicht mehr. »Der Renner sind Nasen- und Ohrenscheren, aber auch Ferngläser und Küchenmesser sind gefragt.« Einige Scheren musste sie inzwischen sogar nachbestellen. Aus ganz Hessen, aber auch aus Nordrhein-Westfalen kamen Anfragen.

»Der Film wurde immer wieder gelobt,« sagt Ulrich - und zu Berger meinte ein Kunde: »Die Filmemacherin hat es einfach drauf.«

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