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Unten ist Friedel Münch im Jahre 1970 vor der Werkstatt zu sehen, oben der Vorstand des Friedberger Geschichtsvereins um den Vorsitzenden Lothar Kreuzer (2. v. r.) und den Ehrenvorsitzenden Hans Wolf (4. v. r.) vor dem Bogen, der zur Kirchhofsmauer gehört hat. FOTOS: PM/JOACHIM MARQUART

Von Bomben, Bismarck und Braunkohle

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Friedberg-Ossenheim(bf). Der Vorstand des Friedberger Geschichtsvereins ist in die Geschichte Ossenheims eingetaucht. Rainer Hoffmann, Vorsitzender des Kultur- und Traditionsvereins, empfing die Besucher am Bürgerhaus. Auch sein Bruder Volker war eingeladen, um einige Begebenheiten mitzuteilen.

Laut Einigungsvertrag aus dem Jahre 1971 zur Eingemeindung stand Ossenheim ein Bürgerhaus zu, das 1977 realisiert wurde. Aber auf den Kindergarten, auch Bestandteil des Vertrags, musste Ossenheim 44 Jahre warten. Die Wetterbrücke wurde 1802 gebaut. Die Straße zwischen Fauerbach und Ossenheim wurde erst 1926 gepflastert. 1928 erfolgte die Pflasterung durch den gesamten Ort und weiter bis nach Staden. Am 11. September 1944 geriet Ossenheim ins Visier feindlicher Bomber, deren todbringende Fracht sieben Bürger traf. Die Wetterbrücke wurde zerstört und eine Frau zerrissen.

Frostfachanlage als Kühlschrankersatz

Alle Häuser zwischen Wetterbrücke und Pappelweg wurden von Therese und Karl Schudt in den Jahren 1914 bis 1920 gebaut. Sie stellten im großen Backsteingebäude neben Haferflocken weitere Nahrungsmittel her. Nachfolgender Besitzer von 1940 bis 1982 war der Bauhof Karl Loth, und seitdem ist die Galerie Hoffmann Inhaber.

Weiter ging es vorbei an der Rödernstraße, die heute noch "Schlammgass" genannt wird, um einen Halt an der Linkskurve einzulegen, wo früher einige Dorforiginale gewohnt hatten.

Im Saalbau Klein wurde im Wechsel mit dem Saalbau Thomas Kerb gefeiert, außerdem Theater gespielt und Fasching gefeiert. In der Gaststätte gründeten 33 Ossenheimer Bürger 1967 den Sportverein. Rechts neben dem Saalbau wohnte Schreinermeister Richard Dietz. Links war Weißbindermeister August Köhler zu Hause. Zum nächsten Stopp verweilte man kurz an der Ecke Florstädter/Nieder-Wöllstädter Straße. Im Eckhaus versorgte Bäckermeister Karl Hirsch die Ossenheimer mit frischen Erzeugnissen.

Am 9. Mai 1959 wurde im ehemaligen Stall der Florstädter Straße 25 eine Frostfachanlage mit 44 Fächern der Bestimmung übergeben, die von Bürgern gemietet werden konnten. Da es fast noch keine Kühlschränke gab, setzten sich Heinz Küffner und Günther Hoffmann für diese Einrichtung ein. Gegenüber produzierte Friedel Münch Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre das Motorrad "Münch Mammut".

An der Hirtengasse trafen die Geschichtsinteressierten Horst Walther der den Bombenabwurf überlebte und es so schilderte: "Ich befand mich in der Nähe der Dorfwaage, als mich meine Mutter zum Essen rief, und es dort, wo ich stand, krachte, nachdem ich in Sicherheit war, ging kurze Zeit später eine Bombe nieder!" Jetzt wurde es eng auf dem Weg zum "Röhrbrunnen". Rainer Hoffmann informierte, dass der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahre 1989 zum Bau einer Umgehungsstraße noch nicht umgesetzt werden konnte. Am "Röhrbrunnen" stellte er das Holocaust-Denkmal vor. Zurück ging es zum Hof der Grundschule aus dem Jahre 1952. Die Bismarckeiche wurde 1895 anlässlich des 80. Geburtstags von Reichskanzler Otto von Bismarck gepflanzt.

Durch das Kirchgässchen war bald die evangelische Kirche mit der Ersterwähnung aus dem Jahr 734 und der Gestaltung in der heutigen Form aus dem Jahre 1608 erreicht. Klavierspieler Volker, der in dieser Kirche lange Jahre die Orgel im Wechsel mit Christiane Seekatz und Ortwin Musch spielte, unterhielt die Gäste musikalisch.

"Lettkippel" als Abraumhalde

Der Weg führte nun parallel zur Wetter zum ehemaligen Badeplatz. Bald war die Hütte auf dem "Lettkippel" erreicht. Beim Würstchenbraten erfuhren die Besucher, dass der Hügel als Abraumhalde tonhaltiger Erde beim ersten Braunkohleabbau in der Wetterau oberhalb des Haalwegs (1804 bis 1811) zur Weiterverarbeitung in der gräflichen Ziegelei aufgeschüttet worden war. 1965 bauten, unter Zustimmung des Gemeinderats, Joachim Marquart, Volker und Rainer Hoffmann die Hütte aus Abrissmaterial des Tanzbodens vom Jagdhaus.

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