"Boden ist nicht der letzte Dreck"

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Wetteraukreis(pm). Am Samstag war der Welttag des Bodens. Dies nahmen die Wetterauer Grünen zum Anlass, ihre Forderung nach Boden- und Flächenschutz zu wiederholen und zu einem Thema des Kommunalwahlkampfes zu machen. Ähnlich äußerte sich auch der Landesverband der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und kritisiert, es gebe "zu viel Boden unter Asphalt".

"Wir wollen, dass der einmalige Verbrauch und damit die endgültige Zerstörung unserer wertvollen Ackerböden aufhören. Wir wollen mittelfristig bei netto null Flächenverbrauch ankommen. Das bedeutet: Wenn überhaupt noch Boden überbaut wird, hat Flächenrecycling Vorrang, oder es muss an anderer Stelle renaturiert werden", sagt Michaela Colletti, Vorstandssprecherin der Kreis-Grünen.

Co-Sprecher Thomas Zebunke ergänzt: Zugleich werde immer mehr von den landwirtschaftlichen Böden erwartet: "Alle wollen ›regionale‹ Lebensmittel, immer mehr davon biologisch, also auf eine Art erzeugt, die mehr Fläche benötigt als Intensivlandwirtschaft. In Sachen Bodenverbrauch ist dringend ein Umdenken notwendig. Das wollen wir im Kreis, in der Regionalversammlung und im Regionalverband Rhein-Main mit neuen Mehrheiten erreichen".

Bundesweit wurden in den letzten Jahren nach Angaben der Grünen 60 bis 70 Hektar Boden pro Tag zerstört, das Nachhaltigkeitsziel von 30 Hektar am Tag liege in weiter Ferne. Der hessische Landesentwicklungsplan fordere immerhin eine Reduktion auf 2,5 Hektar am Tag, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung. "In der Wetterau sind in den letzten 20 Jahren circa 2000 Hektar Böden für Hausbau, Gewerbegebiete und Umgehungsstraßen zerstört worden. Das sind pro Jahr 130 Fußballplätze", sagt Karl Moch, Vorstand des Vereines Bionales, der sich für nachhaltige Erzeugung einsetzt. "Dabei wird gerade angesichts der aktuellen Gesundheitskrise klar, wie existenziell die Sicherstellung der wohnortnahen Versorgung mit Lebensmitteln werden kann. Boden ist unsere Lebensgrundlage."

Druck auf Städte verringern

In einer Zuwanderungsregion wie Frankfurt-Rhein-Main sei in den vergangenen Jahren ein Defizit an Wohnraum entstanden, das vielen Menschen große Probleme bereite. Die Bereitstellung vor allem von Wohnraum für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen habe hohe Priorität. "Die Art und Weise, wie im Umland von Frankfurt gebaut wird, bringt wenig neuen Wohnraum, kostet aber viel Fläche. Es geht uns nicht darum, gar nicht mehr zu bauen, sondern wir wollen anders bauen", unterstreicht Zebunke abschließend. Die Grünen wollen die Aktivitäten in und um die Wetterau deutlicher als bisher auf die wirtschaftliche Entwicklung in den ländlichen Räumen und die Nutzung des dort reichlich vorhandenen Wohnraums und der Gewerbeflächen konzentrieren. Damit werde auch die Zuwanderung in die Städte und damit der Druck auf diese gemildert.

Hierzu wollen die Grünen zur Kommunalwahl einen Maßnahmenplan vorlegen mit dem Ziel, den Flächenverbrauch in der Wetterau deutlich zu reduzieren, ohne der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu schaden", schließt Zebunke.

Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft kritisiert den Flächenverbrauch. "Jeden Tag werden in Hessen 3,5 Hektar Boden zubetoniert, asphaltiert oder versiegelt. Die aktuell wohl großflächigste Versiegelung geht mit dem Ausbau der A 49 und der damit verbundenen Rodung des Dannenröder Forst einher."

Zusammen mit den Flächen im Forst würden durch diesen Ausbau rund 211 Hektar vor allem landwirtschaftlich genutzte Flächen versiegelt. "Gleichzeitig werden durch die vorgeschriebenen und notwendigen Ausgleichsmaßnahmen 700 Hektar in der Regel landwirtschaftlich genutzte Flächen aus der Produktion genommen.

Die hessische Landesregierung solle das Projekt "Ausbau A 49" weiter infrage stellen und sich für eine Verkehrswende einsetzen, die solche Projekte in Zukunft unnötig mache. Die Arbeitsgemeinschaft fordert die Landesregierung auf, den Flächenverbrauch in Hessen auf unter ein Hektar pro Tag zu reduzieren.

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