Auf den Spuren des Meisters: Die Band "Dylan on the rocks" erzählt vom Leben und der Musik des größten Songschreibers aller Zeiten, untermalt von Fotografien und stimmungsvollen Bildern, die Dylans Leben illustrieren.
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Auf den Spuren des Meisters: Die Band »Dylan on the rocks« erzählt vom Leben und der Musik des größten Songschreibers aller Zeiten, untermalt von Fotografien und stimmungsvollen Bildern, die Dylans Leben illustrieren.

Vom Leben und Schaffen des Rockmusikers

»Dylan on the rocks« live in Friedberg: Bob Dylan für Anfänger und Genießer

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Im Mai feierte Bob Dylan seinen 80. Geburtstag, gerade erst hat er neue Konzerttermine bekannt gegeben. Einen Vorgeschmack bot die Volksbühne bei einem Dylan-Abend in der Stadthalle Friedberg.

Friedberg – »Good Evening, it’s great to be here«, rief Sänger und Gitarrist Winfried Klima alias »Winn Dillon« dem Publikum zu und fragte, ob denn alle Englisch sprächen. »Wir kommen aus dem tiefsten Bayern, unser Englisch ist besser als unser Deutsch.« Das war natürlich geflunkert, passte aber ins Bild. Wie oft hat Dylan nicht geflunkert, als er in jungen Jahren nach seinem Lebenslauf gefragt wurde und erzählte, er sei als Waisenkind beim Zirkus groß geworden.

»Dylan on the rocks« nennt sich die siebenköpfige Band aus Traunstein, die sich ganz der Musik Bob Dylans verschrieben hat. In der Stadthalle zeigte sie eine mehr als zweistündige Revue über Dylans Leben und seine Musik. Auf einer Großleinwand waren unzählige Fotos aus allen Schaffensperioden, aber auch Bilder und Zeichnungen zu sehen, passend zu den 21 Songs, die einen guten Querschnitt durch Dylans Schaffen gaben; der Meister hat immerhin über 600 Songs geschrieben.

Volksbühne Friedberg: »Ich habe sehr viel über Dylan erfahren und die Musik war auch klasse.«

Die Volksbühne Friedberg hat nicht nur Theaterstücke im Programm, auch musikalische Shows werden angeboten. Die 145 Zuschauer waren allesamt Abonnenten und wohl bis auf wenige Ausnahmen keine Dylanisten oder gar Dylanologen.

Aber sie kannten viele Songs. »Blowin in the wind«, »The Times they are a-changin« oder »Mr. Tambourine Man« sind Klassiker. Das gilt auch für »I shall be released«, »Like a Rolling Stone« oder »To make you feel my love«, ein Song, mit dem die britische Sängerin Adele auf Youtube eine viertel Million Klicks erreichte.

Als die Band »Mighty Quinn« anstimmte, waren wohl nicht wenige verblüfft, dass auch dieser Song, bekannt geworden durch Manfred Mann’s Earth Band, von Dylan stammt. »Ich habe sehr viel über Dylan erfahren«, meinte eine Besucherin am Ende. »Und die Musik war auch klasse.«

Zwischen den Songs erzählte Klima vom Leben und Schaffen des Rockmusikers. Eine Art Proseminar, und tatsächlich gibt es in den USA Unis, an denen man sich wissenschaftlich mit Dylans Musik beschäftigen kann. Irgendwo müssen die Dylanologen ja herkommen.

Wer Dylan bislang nur vom Hörensagen kannte, erfuhr etwa, dass er mit Joan Baez das Traumpaar des US-amerikanischen Folkmovements bildete. Die öffentliche Wirkung ist wohl nur vergleichbar mit der von Helene Fischer und Florian Silbereisen, die sich ebenfalls irgendwann trennten.

Sänger und Gitarrist Winfried Klima erzählt den Friedbergern: Dylans Motorradunfall sei nur ein Bluff

Klima berichtete von kompletten Tourneen unter Alkohol- und Drogeneinfluss, von Schreibblockaden, Auszeichnungen (Oscar, Nobelpreis etc.), von der Konversion zum Christentum samt folgenden Predigtkonzerten oder vom mysteriösen Motorradunfall 1966, der in der Dylan-Literatur immer noch heiß diskutiert wird.

Laut Klima war der Unfall nur eine Finte. Ein Manager von Dylan habe ihm verraten, der Musiker sei in der Einfahrt seines Hofes mit dem Motorrad gestürzt. Mehr war da wohl nicht. Aber Dylan hatte einen Grund, dem Show-Trubel den Rücken zu kehren und zog mit der Familie ins beschauliche Woodstock. Bis die Hippies kamen und Dylan Reißaus nahm.

Für die Musik gab es viel Applaus und am Ende Standing Ovations. »Dylan on the rocks« lehnt sich bei ihren Interpretationen stark ans Original an, das passt zum dokumentarischen, erzählenden Charakter der Revue.

Sänger von »Dylan on the rocks« so nasal-krächzend wie der Meister Bob Dylan

Klima hat eine ähnlich nasale, krächzende Stimme wie der Meister, aber er imitiert ihn nicht. Beim Sound der Lieder kam das originale Patina zum Vorschein.

So hörte sich der »Mercury-Sound« von 1965 an, so klang Dylan in der Gospelphase und so bei der Zusammenarbeit mit dem kongenialen Produzenten Damiel Lanois Ende der 1980er Jahre auf dem sensationellen Album »Oh Mery«. Das machte großen Spaß, die 145 Zuhörer wippten mit den Füßen und sangen die Refrains mit.

Die Songauswahl reichte von den ersten Gehversuche Dylans bis zur ersten Single seiner Karriere, mit der er Platz 1 in den Charts belegte: »Murder Most Foul« von 2020. Darauf hatte er fast 60 Jahre warten müssen. Aber Bob Dylans Karriere ist ja noch lange nicht vorbei, und so lange es Bands wie »Dylan on the rocks« gibt, werden seine unsterblichen Lieder wohl kaum in Vergessenheit geraten.

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