Gedämmtes Licht, getrübte Stimmung: Den Kleinganoven Paul (Linnert Arndt) plagen Gewissensbisse, er verrät seinen Kompagnon an die Polizei. 
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Gedämmtes Licht, getrübte Stimmung: Den Kleinganoven Paul (Linnert Arndt) plagen Gewissensbisse, er verrät seinen Kompagnon an die Polizei. 

Ab Donnerstag auf YouTube

Blut am Kerzenständer: Friedberger dreht Kurzfilm

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Zwei junge Männer rauben ein Haus aus, die Nachbarn kriegen das mit, dann fließt Blut: "Leerstand" hat der Friedberger Filmemacher Benjamin Fiedler seinen neuen Kurzfilm betitelt.

Kurzfilme lassen sich mit Kurzgeschichten vergleichen. Die wollen auch kein weit ausholender und in prächtigen Farben ausschweifend erzählter Roman sein, sondern eine verdichtete, aufs Wesentliche konzentrierte Geschichte. Schlaglichtartig wird ein Problem oder eine Sachlage beleuchtet. Jedes Wort bzw. jede Kameraeinstellung muss sitzen, muss die Stimmung der Geschichte transportieren, damit sie Leser oder Kinobesucher in den Bann zieht.

Der Plot von Benjamin Fiedlers zweitem Kurzfilm ist schnell erzählt: Zwei erfolglose Kleinkriminelle geben sich als Umzugshelfer aus und räumen eine Luxusimmobilie leer. Als der Nachbar misstrauisch wird und zu viel nachfragt, wird er erschlagen. Die Räuber fliehen, doch am Ende steht die Polizei vor der Tür des Wortführers; sein Kompagnon, von Gewissensbissen geplagt, hat ihn verraten.

Diesen "Krimi in nuce" hat Benjamin Fiedler mit Theaterschauspielern und einer kleinen Filmcrew an drei Tagen in Frankfurt, Gießen und Seligenstadt gedreht. Er dauert gerade einmal 5:22 Minuten, abendfüllend ist der Streifen also nicht. Das soll er aber auch gar nicht. Fiedler will Regisseur werden. Mit seinem Kurzfilm hat er sich bei zwei Filmhochschulen beworben.

Filmemacher Benjamin Fiedler (l.) mit den Darstellern.

Der 21-jährige Friedberger hat schon einige Erfahrungen in dem Metier gesammelt. Mit 13 Jahren kaufte er sich seine erste Kamera, vom Fotografieren kam er zum Filmen. Nach dem Abitur und einem Praktikum bei einer Werbefilmproduktion in Frankfurt machte er sich zunächst als Filmproduzent selbstständig. Mittlerweile arbeitet er bei einer Online-Reisevermittlung in Dortmund, dreht Werbefilme und kümmert sich um den Video-Bereich.

Fiedler hat ein klares Ziel: Er will Regisseur werden und Spielfilme drehen. Auch Dokumentarfilme faszinierten ihn. Ideen für weitere Kurzfilme und eine längere Arbeit hat er auch schon gesammelt. Die Arbeit am jüngsten Projekt sei sehr spannend gewesen. "Man nimmt viele Erfahrungen mit, wenn man ein eigenes Projekt auf die Beine stellt." Spannend sei auch gewesen, wie die Schauspieler seine Ideen umgesetzt haben. "Ohne gute Schauspieler geht das nicht."

Diffuses Licht und Nahaufnahmen

Beim Film sei es wichtig, die Spannung aufrechtzuerhalten, sagt Fiedler. Jede Szene muss den Zuschauer packen. Das gelingt dem jungen Filmemacher in "Leerstand" durch schummrige Lichteinstellungen, Nahaufnahmen und viele kleine Details, die ins Auge des Betrachters springen. Fiedler lässt die Handlung teils im Verborgenen spielen. Von der Mordtat sieht der Zuschauer nichts, das vom Kerzenständer tropfende Blut sagt aber alles. So reimt man sich am Bildschirm die Geschichte selbst zusammen und hat gar keine Chance wegzusehen.

"Beim Filmemachen ist es wichtig, einen Konflikt darzustellen", sagt Fiedler. Filme müssten nicht gut ausgehen, sie sollen uns eine andere Seite vom Leben zeigen. Letztlich komme es in Kurzfilmen darauf an, eine konzentrierte Stimmung herzustellen. Dass der Friedberger Filmemacher ein Händchen dafür hat, zeigt er auf seinem YouTube-Kanal. Vor einem Jahr veröffentlichte er dort seinen ersten Kurzfilm "Im Keller wird es niemals Tag": ein beklemmendes Kammerspiel über eine junge Frau, die entführt wird, es in ihrem Kellerverließ aber schafft, ihren Entführer zu töten. Aber nur der kennt den Zahlencode des Türschlosses.

Die Reisebranche kränkelt derzeit, in Zeiten der Corona-Krise gehen die Buchungen zurück. Fiedler macht deshalb wie viele andere Kurzarbeit. "Da kann man viel schreiben und neue Skripte entwerfen", sagt er. Aber sobald die Beschränkungen vorbei sind, "geht's sofort raus mit der Kamera in der Hand."

Der YouTube-Kanal

Vor einem Jahr veröffentlichte Benjamin Fiedler auf seinem YouTube-Kanal den Kurzfilm "Im Keller wird es niemals Tag". Auf dem Kanal sind auch Werbefilme zu sehen, die der junge Filmemacher gedreht hat. Am heutigen Donnerstag kommt der Kurzfilm "Leerstand" hinzu. Es spielen Linnert Arndt und Nick Gündling (die Kleinganoven Paul und Silas) sowie als Nachbarn Sabrina Galindez-Nees und Markus Rueckert. Weitere Infos über die Arbeit von Benjamin Fiedler gibt es auf seiner Internetseite (https://benjaminfiedler.de/about-me/).

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