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Blues-Brüder und Soul-Schwestern auf der Bühne

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Ria Hamilton, Stargast des Abends, heizt dem Publikum im Central Studio ein.
Ria Hamilton, Stargast des Abends, heizt dem Publikum im Central Studio ein. © Harald Schuchardt

Friedberg (har). Nein, es war nicht Tina Turner, die da bei geschätzten 50 Grad am Montagabend über die Bühne des Central-Studios wirbelte und den Klassiker »Proud Mary« nicht minder dynamisch und sexy sang wie das Original. Es war Ria Hamilton, die mit der Marvin Dorfler Big Band im Central auftrat.

Schon zum Auftakt des Pfingstmusikfestivals der Marvin Dorfler Big Band hatte die gebürtige Jamaikanerin mit »Sweet Soul Music« temperamentvoll das Thema des Abends vorgegeben. Drei Stunden lang präsentierte die Friedberger Big Band »The History of Soul« von den Anfängen in den frühen 1950er-Jahren bis hin zu Funk und Popballaden. »Soul ist die Seele der Popmusik«, stellte Dr. Peter Kirsten fest. Der Mitarbeiter für Kirchensendungen beim HR erläuterte die Geschichte und den Inhalt des Soul, dessen Wurzel im Gospel liegt.

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Der Soul wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den in die USA zurückgekehrten und über die sozialen Missstände enttäuschten schwarzen GIs kreiert. Vielfältig wie das Leben sind die Themen der »schwarzen Seelenmusik«: soziale Gerechtigkeit, Rassendiskriminierung, Gleichstellung von Mann und Frau »und natürlich die Liebe in all ihren unterschiedlichen Formen«, sagte Kirsten.

Diese Bandbreite spiegelte sich in den 26 Songs wieder, die Bandleader Hans Eckhardt zusammengestellt hatte. Mit dem 1952 geschriebenen »God bless the child« (Billie Holiday) begann die musikalische Reise. Hier waren die Gospeleinflüsse deutlich zu erkennen. Das änderte sich schnell dank Künstlern wie Ray Charles, Sam and Dave, Aretha Franklin, Wilson Pickett oder The Temptations. Am Mikrofon waren gleich sechs Sängerinnen und Sänger zu erleben. Sandra Ivicak überzeugte mit ihrer warmen Reibeisenstimme bei »Son of the Preacherman«, während Stefan Spielberger kaum zu bremsen war.

Der früherer Sänger der Bundeswehr-Big-Band wirbelte im weißen Anzug wie ein Kugelblitz über die Bühne und brachte die Zuhörer im völlig überfüllten Central beim »Blues-Brother-Medley« zusammen mit Ivicak auf Höchsttemperatur.

Erik Borner wurde zum »Soulman«, überzeugte stimmgewaltig mit dem ruhigen Ray-Charles-Klassiker »Georgia«. Und dann war da noch Elif Özcelik. Die Schülerin des Burggymnasiums hat kürzlich den ersten regionalen Vorentscheid für die nächste Staffel von »The Voice of Germany« in Frankfurt überstanden und fährt in Kürze nach Berlin zur zweiten Runde. Sie sorgte mit dem durch Whitney Houston bekannt gewordenen Klassiker »I will always love you« für Gänsehaut. Dafür sorgten auch der Chor mit den drei »Soul-Sisters« Laura Beranek, Saskia Olesch und Carlotta Mertins, ehemalige Burgschülerinnen, die im letzten Jahr ihr Abitur gemacht haben. Die Big Band selbst absolvierte vielleicht einen ihrer besten Auftritte überhaupt. Es passte einfach alles, nach den virtuosen Soli der Saxofonisten Uli Harbach und Heinz Lang tobte der Saal. Das Friedberger Publikum darf sich glücklich schätzen über solch ein erstklassiges Ensemble.

Im Zugabenblock zauberte Hans Eckhardt mit der jungen Kimberley James eine sechste Sängerin aus dem Hut. Sie sang Adeles »Skyfall«, Titelsong des letzten James-Bond-Films, und überzeugte als stimmgewaltige Sängerin. Danach folgte der gemeinsame Abschluss mit »That’s what friends are for«.

Damit endete zwar die »History of Soul«, doch im Central ging es mit den Stubenrockern kurz vor Mitternacht weiter. Passend zur schwül-heißen Atmosphäre war der Auftaktsong: Peter Maffays »Sonne in der Nacht«. Bis lange nach Mitternacht wurde getanzt und gefeiert. Trotz oder vielleicht gerade wegen der Musikveranstaltung auf dem Stadtkirchenplatz, »die uns aufs Auge gedrückt wurde« (Eckhardt), war das Pfingstmusikfestival ein voller Erfolg mit so vielen Besuchern wie noch nie. Sicher auch, weil Eckardt angesichts der musikalischen Konkurrenz auf Eintritt verzichtet hatte.

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