Blühstreifen mit Wildblumen und Kräutern sehen - wie hier südlich von Friedberg am Radweg nach Rosbach - nicht nur sehr ansprechend aus. Sie sind auch ein Paradies für Insekten, Schmetterlinge und Vögel und daher ein Garant für biologische Artenvielfalt.
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Blühstreifen mit Wildblumen und Kräutern sehen - wie hier südlich von Friedberg am Radweg nach Rosbach - nicht nur sehr ansprechend aus. Sie sind auch ein Paradies für Insekten, Schmetterlinge und Vögel und daher ein Garant für biologische Artenvielfalt.

Für mehr Artenschutz

Blühstreifen statt Scherrasen: Friedberg soll grüner werden

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Derzeit explodiert die Natur regelrecht, Bäume und Wiesen erstrahlen in satten Grüntönen. Aber Friedberg soll noch grüner werden. Und vor allem vielfältiger.

Scherrasen soll in Blühflächen umgewandelt werden: Das forderte die CDU-Fraktion im vergangenen Jahr in einem Antrag im Stadtparlament. Die kommunalen Grünflächen an Straßen, (Sport-)Plätzen, Parks benötigten mehr biologische Vielfalt. Die Mitarbeiter im Amt für Stadtentwicklung legten nun eine Liste von Flächen vor, die in Frage kommen.

Diese in Fachkreisen auch »Vielschnittrasenflächen« genannten Bereiche in der Kernstadt und den Stadtteilen (siehe Liste am Ende des Artikels) sollen künftig nur noch dreimal im Jahr gemäht werden (ab 15. Mai; Ende Juni; Anfang August). Das Mahdgut bleibt nicht liegen, sondern wird abtransportiert. Ab dem dritten Jahr wird nur noch zweimal im Jahr gemäht. Dr. Doris Jensch von der Nabu-Umweltwerkstatt schlug in der Ausschusssitzung vor, bei der Aussaat auf Regio-Saatgut für mehrjährige Blumenwiesen zu setzen. »Die Erfahrung zeigt, dass eine Umstellung auf artenreiche Bepflanzung sehr lange dauern kann.« Das Regio-Saatgut hingegen breite sich schnell aus und sehe sehr schön aus. Das könne an der Seewiese beobachtet werden.

In der Tat gleicht die Friedberger Seewiese derzeit an manchen Stellen einem grünen Dschungel mit vielen Wildblumen, die Insekten anlocken. Jensch schlug außerdem vor, auch Blumenzwiebeln zu setzen. Dies erhöhe die Akzeptanz solcher Maßnahmen bei den Bürgern. Der Vorschlag wurde einmütig aufgenommen, der Antrag einstimmig beschlossen.

Artenschutz in Friedberg: Stadt sucht in neuem Projekt Baumpaten 

Zwei weitere Anträge, die einstimmig beschlossen wurden, sollen der Natur in der Stadt auf die Sprünge helfen. So will Friedberg - auch dies ein CDU-Antrag - ein Patenschaftskonzept zur Pflege der Straßenbäume umsetzen. Gesucht werden Bürger, die sich eigenverantwortlich um Straßenbäume kümmern. Die Baumpaten kümmern sich um die (allerorten gerne mit Zigarettenkippen verzierten) Baumscheiben, lockern die Erde, setzen Blumen oder Bodendecker, und vor allem gießen sie den Baum. »Jeder Tropfen ist ein Gewinn für den jungen Baum - gerade im Sommer«, heißt es in einem vierseitigen Info-Schreiben der Stadtverwaltung. Hier werden alle Fragen rund um Baumpatenschaften beantwortet. Auch eine »Baumpflege Plus« ist »im Angebot«: Die Stadt berät jene Paten, die »das Beet zu einem kleinen Paradies der Artenvielfalt machen« wollen. Königskerze, Malve und Ringelblumen werden empfohlen, auch Küchenkräuter wie Thymian und Salbei, die Schmetterlinge und Hummeln anziehen.

Erläutert wird auch, warum Bäume kein Streusalz mögen (es schädigt die Wurzeln, entzieht dem Baum im Sommer das Wasser) und warum man keine Autos auf Baumscheiben parken sollte: Das Gewicht des Wagens presst die Erde zusammen, nimmt den Wurzeln quasi die Luft zum Atmen; die verdichtete Erde nimmt kein oder nur wenig Wasser auf.

Wer Baumpate werden will, kann sich im Rathaus melden. Gerade die Baumscheiben auf der Kaiserstraße hätten Pflege nötig. Viele werden als Aschenbecher missbraucht, Müll liegt herum, die derzeitige »Bepflanzung«, die der Willkür zu gehorchen scheint, ist keine Zierde für die Stadt.

Artenschutz in Friedberg: Schutz für Vögel und Insekten

Ebenfalls einstimmig beschlossen wurde der Vorschlag der Grünen, dass die Stadtverwaltung ein Konzept für die städtischen Grünflächen erarbeitet. Darin solle neben dem Erholungswert für die Bevölkerung auch »die Stärkung der heimischen Vogel-, Fledermaus- und Insektenpopulation« festgeschrieben werden. Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten müssten aufgestellt werden, die Vielfalt heimischer Pflanzenarten soll auf den Grünflächen erblühen. Bei der Planung dieser Maßnahmen soll die Stadt mit Umweltverbänden zusammenarbeiten.

Dr. Nicholas Hollmann (Grüne) erinnerte daran, dass die Bestäubung von Obstbäumen in China mittlerweile per Hand erledigt werden müsse; in Ockstadt müssten Bienenvölker dazugekauft werden. In ihrem Antrag verweisen die Grünen darauf, dass viele Wiesen- und Rasenflächen durch Mulchen und häufige Pflegeschnitte »sehr arten- und blütenarm geworden« seien. Friedberg, so die Vorstellung der Grünen, solle »zu einem Vorbild bezüglich der Bewahrung der Artenvielfalt im Siedlungsraum« werden. Dazu brauche es ein »ganzes Bündel an Maßnahmen«.

Artenschutz in Friedberg: Wo die Stadt erblühen soll

Folgende Grünflächen in Friedberg sollen in artenreiche Blumenwiesen umgestaltet werden: Platz der Deutschen Einheit; Mainzer-Tor-Anlage vom Platz der Deutschen Einheit bis Bismarckstraße; Saarstraße/Einmündung Kaiserstraße; Lutheranlage; Lindenstraße; Parkplatz an der Stadthalle; Grünflächen am Städter Weg und nördlich der Blindenschule; Böschung vom Beginn der Anna-Kloos-Straße bis zum Tegut-Markt; in Dorheim zwischen Kuhweidweg (westlicher Bereich) und Wetter; in Bauernheim vor dem Friedhof und Teile des Parks; in Ossenheim am Sportplatz und am Rand des Bürgerhaus-Parkplatzes; in Bruchenbrücken am Rand des Sportplatzes; in Ockstadt am Schloss und am Weg zum Leihgraben.

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