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Gemustert oder doch lieber unifarben? Das ist Geschmackssache. Wichtiger ist, dass der Stoff von guter Qualität ist, sagen Ulrike Löwe (l.) und Katharina Wolz.

Do it yourself

Bloß nichts von der Stange: Warum zwei Wetterauerinnen ihre Kleidung selbst nähen

  • vonEdelgard Halaczinsky
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Mode muss nicht teuer sein - kann dafür aber umso individueller ausfallen. Davon sind zwei Wetterauerinnen überzeugt. Sie nähen ihre Kleidung nämlich selbst.

Langeweile gibt es bei Ulrike Löwe nicht, denn die Ober-Mörlerin hat ein Hobby, dem sie auch in Corona-Zeiten treu geblieben ist: Sie näht sich ihre Kleidung selbst.

Schon als Teenie hat sie gern zu Nadel und Faden gegriffen und Modisches kreiert. »Ich hatte nie viel Taschengeld, deshalb habe ich eben selbst geschneidert«, sagt sie. Auch wenn es zwischendurch Jahre gab, in denen die Erziehung ihrer vier Kinder wenig Zeit zum Nähen ließ, ist die Freude daran nicht gewichen. »Es macht einfach Spaß, mit den eigenen Händen etwas Kreatives zu schaffen.« Selbstgenähtes trage man zudem ganz anders als Konfektionsware, und außerdem sitze es perfekter als ein Kleid von der Stange.

Seit einiger Zeit hat sie sich im Keller ihres Hauses ein eigenes Nähzimmer eingerichtet. Hier sucht und findet sie Entspannung nach einem anstrengenden Arbeitstag am PC: »Das ist mein kreativer Ausgleich zum Beruf«, sagt sie.

Cocktailkleid im 1960er-Jahre-Stil

Per Zufall lernte sie vor einigen Jahren Katharina Wolz kennen, eine gelernte Herrenschneiderin, die seit 30 Jahren in Friedberg ein kleines Nähstudio betreibt. Inzwischen treffen sich die beiden Frauen dort regelmäßig, auch in Corona-Zeiten. »Der Lockdown betrifft mich nicht, weil ich hier ja ein Handwerk betreibe und nur stundenweise öffne«, erklärt Wolz, warum ihre Ladentür nicht wegen Corona geschlossen ist. Nur die Nähkurse können bis auf weiteres nicht stattfinden, stattdessen gibt es aber weiterhin individuelle Beratung und Hilfe bei kniffligen Fragen.

Als sie vor über 30 Jahren ihre Lehre machte, war manches noch viel komplizierter als heute, erinnert sie sich. Während man damals noch viel mit Abnähern und Knopfleisten arbeitete, setzt man heute mehr auf legere Schnitte, die schon von Teenies bewältigt werden können. Flatterhosen oder Röcke mit Gummizug machen das Nähen leicht, und der Handel bietet viel Zubehör für ein modisches Kleidungsstück zum kleinen Preis, das sich auch Jugendliche leisten können.

Für ihre Freundin Ulrike Löwe ist vor allem eins wichtig: Ihre Kleidungsstücke sollen von guter Qualität und individuell sein. »Bei den Vorschlägen der Modezeitungen halte ich mich nie an die Stoffvorgaben, denn ich will etwas haben, was außer mir niemand trägt«, sagt sie. »Ich suche da mehr in der Nische.«

Ihr Highlight war ein Cocktailkleid, das sie voriges Jahr nähte, erzählt sie. Lange habe sich nach etwas Passendem umgesehen, aber nichts gefunden. Im 1960er-Jahre-Stil gehalten und ein bisschen damenhaft, dazu farbenfroh und mit Pfiff sollte das Kleid sein. So griff sie wieder zu Nähmaschine und ging selbst ans Werk.

»Um selbst etwas Schönes zu nähen, braucht man keine teure Maschine«, ist sie überzeugt. Viele Modelle böten eine Menge Schnickschnack, den man im Normalfall gar nicht brauche. »Wichtig ist ein sauberer Stich«, meint sie.

Einig sind sich die beiden Frauen, dass der Näherfolg eng mit Sorgfalt gepaart ist. »Ich bin eine, die gern fummelt und dabei sehr genau ist«, sagt Katharina Wolz. Genauigkeit beim Fadenlauf oder die richtige Stoffauswahl stehen bei ihr an oberster Stelle für ein gutes Gelingen.

Panne kurz vor Ende

Das sieht Ulrike Löwe genauso. Umso ärgerlicher sei es dann, wenn kurz vor Ende eine Panne passiert. »Ich hatte einmal wochenlang an einem Kleid gearbeitet, und am letzten Tag hatte ich einen Ziehfaden drin«, erzählt sie. Auch die Bluse, bei der beim letzten Knopfloch etwas schief ging, ist in Erinnerung geblieben.

Trotzdem setzt sie sich immer wieder aufs Neue an ihre Nähmaschine und hat immer wieder Freude am Selbstgenähten. Dass sie fürs Zubehör und bei Fragen stets die kleine Nähstube in Friedberg aufsucht, ist für sie selbstverständlich. »Ich finde es wichtig, die kleinen Läden vor Ort zu halten«, sagt sie. »Im Internet kann mir doch niemand weiterhelfen.«

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