Weiß, kantig, futuristisch und mit einem Schlitz, aus dem es blitzt: "Enforcement Trailer" wird die mobile Anlage zur Geschwindigkeitsmessung genannt. Finden sich genügend Standorte, steht einer der Anhänger bald in Friedberg.
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Weiß, kantig, futuristisch und mit einem Schlitz, aus dem es blitzt: »Enforcement Trailer« wird die mobile Anlage zur Geschwindigkeitsmessung genannt. Finden sich genügend Standorte, steht einer der Anhänger bald in Friedberg.

»Enforcement Trailer«

Friedberg: Blitzgerät im Star-Wars-Design soll Raser ausbremsen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Moderne Blitzgeräte funktionieren mit Laser. Es dauert keine Sekunde, schon ist das Foto im Kasten. Deutlich länger dauert es, bis ein Blitzgerät aufgestellt ist. In Friedberg werden Standorte gesucht.

Was zu beachten ist, wenn Städte und Gemeinden den Verkehr überwachen wollen, regelt ein eng beschriebener, mehrere Spalten füllender Erlass der Hessischen Landesregierung. Voraussetzung für die Installation einer Geschwindigkeitsmessanlage sind unter anderem Häufungen von Unfällen, schutzwürdige Örtlichkeiten und Zonen, aber auch Motorenlärm und Abgase. Ein Tempolimit im Messbereich ist ebenfalls vorgeschrieben, »eine aktive Tarnung der Messtechnik erfolgt grundsätzlich nicht«.

Die Messstellen müssen einer obergerichtlichen Überprüfung standhalten, die Hessische Polizeiakademie muss jedem Standort für mobile Messanlagen zustimmen. Zwei mögliche Messstellen im Friedberger Stadtgebiet wurden im vergangenen Jahr abgelehnt: in der Ortseinfahrt von Bruchenbrücken (wo ein Raser im April 2013 einen schweren Unfall verursachte) und vor der Evangelischen Kita in der Kaiserstraße (die auch von der rückwärtigen, ruhigeren Leonhardstraße aus erreichbar ist).

Das Land setzt hohe Anforderungen, wollen Städte und Gemeinden Messanlagen aufstellen. Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) favorisiert die Anschaffung eines Enforcement-Trailers. Bei diesem wörtlich »Durchsetzungs-Anhänger« handelt es sich um ein bewegliches Gerät zur Geschwindigkeitsüberwachung, das optisch an ein Raumfahrzeug aus der Star-Wars-Saga erinnert.

Neue Blitzer in Friedberg: Ab drei Standorten rechnet sich Kauf

Diese Geräte, die zwischen 120 000 und 150 000 Euro kosten, sind flexibel an mehreren Orten einsetzbar und ab einer Mindestzahl von drei genehmigten Einsatzorten wirtschaftlicher als herkömmliche stationäre Anlagen.

Ein Enforcement Trailer benötigt aber auch mehr Platz. Für die Ossenheimer Ortsdurchfahrt liegt nun eine Genehmigung der Polizeiakademie vor. In der Ortsmitte in Nähe der Schule und in Fahrtrichtung Friedberg soll das Gerät auf einem Privatgrundstück aufgestellt werden, die Stadt muss noch mit dem Eigentümer verhandeln. Fehlen also noch zwei Einsatzpunkte, die nun gesucht werden. Vorschläge gibt es fast so viele wie Raser, nur müssen sie auch genehmigungsfähig sein. Der Regionale Verkehrsdienst Wetterau teilte der Stadt mit, dass »in der Unfallstatistik kein Unfallschwerpunkt für die Stadt Friedberg« ausfindig gemacht werden konnte, bei dem die Geschwindigkeit eine Rolle spielt. Aus verkehrspolitischer Sicht sei auch »kein Bereich erkennbar, der das Aufstellen einer stationären Anlage rechtfertigen würde«. Die Anwohner der Görbelheimer Mühle, der Ockstädter Straße, der Dorheimer Straße in Fauerbach, der Saarstraße, der Kaiserstraße und sämtlicher Ortseingänge werden das vermutlich etwas anders sehen. Und auch die Stadtverwaltung verweist darauf, dass es neben Unfällen weitere Gründe gibt, Raser auszubremsen, etwa Fußgängerüberwege, Bushaltestellen, Krankenhäuser, Schulwege.

Neue Blitzer in Friedberg: Standorte müssen geprüft werden

Das Ordnungsamt und die Mitglieder des Verkehrsausschusses haben weitere Vorschläge für Standorte gemacht, die nun geprüft werden sollen. Mögliche Standorte für den Enforcement Trailer wären: in der Kernstadt die Ockstädter Straße (zwischen Dieffenbach-Parkplatz und »Am Seebach«), Burgfeldstraße, Fauerbacher Straße (in Höhe der Schule), Barbarastraße und Karlsbader Straße; in Ockstadt die Bachgasse (in Höhe der Behindertenhilfe/Kita); in Bruchenbrücken an der Görbelheimer Mühle. Außerdem sollen die Ortseinfahrten von Fauerbach (von Ossenheim sowie von Dorheim kommend) und Dorheim (Richtung Friedberg und Schwalheim) untersucht werden.

An diesen Orten soll nun jeweils zwei Wochen lang die Geschwindigkeit des Verkehrs gemessen werden. Sind die Daten erfasst und aufgearbeitet, werden sie mitsamt den entsprechenden Anträgen an die Polizeiakademie geschickt. Mit den Messungen soll erst nach dem Sommerferien begonnen werden, da die Verkehrsströme seit Ausbruch der Corona-Pandemie abgenommen haben. Wie Erste Stadträtin Götz in der Sitzung sagte, werden sich die einzelnen Genehmigungsverfahren absehbar über Monate hinziehen. Deshalb sei vor 2021 nicht damit zu rechnen, dass weitere Standorte für den Enforcement Trailer genehmigt sind.

Neue Blitzer in Friedberg: Enforcement Trailer

Die »Offenbach Post« sprach im August 2016 anlässlich eines Test des Enforcement Trailers auf der A3 von einem »Super-Blitzer«. Der Enforcement Trailer (wörtlich »Durchsetzungs-Anhänger«) der Wiesbadener Firma Vitronic ist ein Alleskönner, blitzt mit Lasertechnik über mehrere Fahrspuren hinweg und stellt sich selbstständig auf wechselnde Höchstgeschwindigkeiten ein. Der Anhänger kann ohne großen Aufwand mit jedem Auto mit Anhängerkupplung bewegt werden. Einmal am Einsatzort, muss sich fünf Tage lang niemand um das Gerät kümmern. Es arbeitet mit Hochleistungsbatterien. Die Daten werden per Modem übertragen. Gesichert ist der Blitzer mit einer schusssicheren Haube und mit GPS.

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