Bei den Ferienspielen war das Bibermobil immer fester Bestandteil. Jugendpfleger Jörg Pfaffenroth erklärt auf diesem Archivbild von 2017 , wie die Nager leben und aussehen. FOTOS: ARCHIV
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Bei den Ferienspielen war das Bibermobil immer fester Bestandteil. Jugendpfleger Jörg Pfaffenroth erklärt auf diesem Archivbild von 2017 , wie die Nager leben und aussehen. FOTOS: ARCHIV

Bibermobil gibt es nicht mehr

  • vonUdo Dickenberger
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Wetteraukreis(udo). Corona macht den Natur- und Kulturführern das Leben und ihre Arbeit schwer. Das merkt auch die NABU-Umweltwerkstatt. Langsam geht es zwar wieder aufwärts, aber die Auswirkungen der Pandemie sind deutlich zu spüren. Das Bibermobil gibt es nicht mehr.

Eckhardt Riescher ist Natur- und Kulturführer sowie Limes-Cicerone. Er sagt, wenn er nicht seine Rente und den Job als Gästeführer des Regionalparks Rhein-Main hätte, wäre er seit Ende März ohne Einkommen. Seit dieser Zeit gab es für ihn keine Stadtführungen in Friedberg, Bad Vilbel, Assenheim oder Frankfurt.

Seine Radtouren für die Frankfurter Stadtevents fanden ebenfalls nicht statt. Besonders der Ausfall des Hessentags habe ihn schwer getroffen. Hier wäre er jeden Tag im Einsatz gewesen.

So wie es scheint, werde es jetzt langsam besser. Seine Radtouren würden stattfinden und er werde in Friedberg Stadtführung haben. Aber er lebe nicht davon. Schlimm sei es für seine Kollegen in Frankfurt, die kein weiteres Einkommen hätten.

Bei der NABU Umweltwerkstatt Wetterau sind seit Mitte März der Großteil der Veranstaltungen abgesagt worden, wie Frank-Uwe Pfuhl mitteilte. Darunter fielen Vorträge, Führungen und Vogelstimmenwanderungen oder die Ferienspiele. Dramatisch seien die Einbrüche bei den Abrufangeboten, also Veranstaltungen, die Kindergärten, Schulen, Vereine und Familien individuell buchen können. Von den über 100 Veranstaltungstagen in diesem Sektor seien über 90 Prozent storniert worden. Um überhaupt in Kontakt mit dem Publikum zu bleiben, habe die NABU-Umweltwerkstatt sich in die Technik der Online-Seminare eingearbeitet und bislang 25 Veranstaltungen auf diesem Weg angeboten. Das sei aber kein Ersatz für unsere hautnahen Naturerlebnisse bei Präsenzveranstaltungen, sagte Pfuhl.

Aus den Einnahmen, die bei den gut 200 Veranstaltungstagen pro Jahr normalerweise erzielt werden, finanziert der gemeinnützige Verein nach eigenen Angaben neben den Honorarkräften auch die Mieten, die laufenden Bürokosten, die Fahrzeugunterhaltung für das Bibermobil oder das Umweltmobil.

Da diese Kosten weiterlaufen, habe man auf Rücklagen zugreifen müssen, die über mehrere Jahre angelegt worden seien. Derzeit werde eine Erholung aus wirtschaftlicher Sicht voraussichtlich drei Jahre brauchen.

Inwieweit man Veranstaltungen in gewohnter Form in absehbarer Zeit durchführen könne, sei noch nicht abzusehen. Auch davon werde die Erholung abhängen.

Pfuhl geht auf den "ersten sichtbaren Schaden" der Pandemie ein: Der Verlust des Bibermobils. Schweren Herzens habe der Verein sich davon trennen müssen. Alle Einsätze für 2020 seien schon im März und im April storniert worden. Damit haben die notwendigen Reparaturen nicht finanziert werden können.

Auch einige der Honorarkräfte hätten sich neue Betätigungsfelder suchen müssen, um wirtschaftlich überleben zu können. Es sei fraglich, ob man in Zukunft wieder auf diese Fachleute zurückgreifen könne. Eventuell werde man eine wieder steigende Nachfrage nach der Corona-Pandemie nicht bedienen können, sorgt sich Pfuhl.

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