Bewegungsstunde: Fit im Alter und viel Spaß dabei

Friedberg (har). Jeden Donnerstagvormittag verwandelt sich das städtische Seniorenbegegnungszentrum in ein Bewegungszentrum. Die Idee dazu hatten einige ältere Friedberger, die sich seit drei Jahren von Frühling bis Herbst im Bewegungspark in der Lutheranlage treffen. Sie hatten angeregt, auch im Winter solche Übungsstunden anzubieten. Mit Erfolg, wie die WZ vergangene Woche selbst getestet hat.

Die Übungsstunden an den Geräten des Bewegungspark, die der Seniorenbeirat angeschafft hat, werden von Entspannungstherapeutin Barbara König-Guba geleitet. Die Teilnehmer bedauerten schon immer, dass ihre sportlichen Aktivitäten im Winter unterbrochen wurden. Der Seniorenbeirat ermöglichte nun die Fortsetzung der Übungsstunde im Saal. So treffen sich zum angestammten "Freilufttermin" am Donnerstag um 10 Uhr regelmäßig zwischen 12 und 16 Frauen und Männer, um sich eine Stunde lang zu bewegen und dabei viel Spaß zu haben. Die Männer sind dabei klar in der Minderheit, meist sind es nur zwei. Fritz Hiller ist mit 88 Jahren der Senior der Truppe. "Ich will was für meine Gesundheit tun und aktiv bleiben, so lange es geht", erzählt der pensionierte Eisenbahner. Seit einigen Jahren wohnt Hiller im "Betreuten Wohnen" in der Neutorgasse. "Dienstags mache ich bei uns die Sitzgymnastik mit, donnerstags laufen wir hierher, denn auch laufen hält fit", sagt Hiller; mit "wir" meint er seine Nachbarin Edith König, Mutter von Barbara König-Guba. "Es macht viel Spaß und wir lachen viel", erzählt die 85-Jährige. Zwei Euro pro Stunde kostet das Angebot, das bezahlen alle gerne.

"Das Geld fließt in die Arbeit des Seniorenbeirats", sagt die Übungsleiterin. Mit Aufwärmübungen geht es los. Dazu singen Roy Black und Anita "Schön ist es auf der Welt zu sein". Alle singen lautstark mit, auch Elfriede Hutter, der man ihre 78 Jahre nicht ansieht. "Schreib ja nicht, dass mein Spitzname Rock-Oma ist", sagt die Friedbergerin, die nicht im Seniorenbeirat aktiv ist, sondern auch ehrenamtlich bei der Friedberger Tafel mitmacht. "Und natürlich steige ich wieder in die närrische Bütt", sagt die Fastnachterin, während sie die Arme kreisen lässt.

König-Guba setzt in den Übungsstunden immer einen Schwerpunkt. Bei der letzten Übungseinheit waren es die Oberschenkel. "Was haben denn die Oberschenkel letzte Woche gemacht?", will sie wissen. Denen sei es gut gegangen, antworten die Senioren. Darauf König-Guba mit einem Grinsen: "Dann haben wir zu wenig gemacht." Alle lachen. Dann kommen zwei "Nachzüglerinnen" in den Raum.

"Ihr müsst drei Runden extra laufen", sagt die Übungsleiterin, die eine Koordinationsübung vorbereitet hat: "Ihr klatscht mit beiden Händen auf die Oberschenkel, dann geht die rechte Hand zur Nase, die linke an das rechte Ohr, dann die Hände wieder auf die Oberschenkel und dann das Ganze umgekehrt. Der Mann von der WZ macht das auch mit." Das Gelächter ist groß, doch der Reporter stellt sich der Herausforderung. Es dauert etwas, bis es klappt. "Es sieht einfacher aus, als es ist", meint Elfriede Hutter. Schließlich wird das Tempo der Übung verschärft, Roberto Blancos Hit "Ein bißchen Spaß muss sein" erklingt, dann kommen die Terra-Bänder und die Übungen für den Schultergürtel an die Reihe. Langsam wird die Luft im Raum stickig, nach einer halben Stunde ist Pause angesagt.

Fitness für den Reporter

"Essen und vor allem Trinken ist wichtig", sagt die Übungsleiterin und verteilt Wasser an diejenigen, die keine Getränke mitgebracht haben. Die Fenster werden geöffnet, es strömt frische Luft in den Raum. Der zweite Teil wird mit dem großen farbigen Schwungtuch eröffnet, auf dem ein kleiner Softball tanzt. Der wird durch die Auf- und Ab-Bewegungen durch die Luft gewirbelt und gerät manchmal auf Abwege. Schnell ist er wieder aufgehoben und es geht weiter.

Wie im Flug vergeht die Stunde. Während die Senioren ihre Straßenschuhe anziehen, freuen sie sich schon auf den nächsten Donnerstag. "Du kannst ruhig immer kommen", meint eine Teilnehmerin zum Reporter, der mit seinen 60 Jahren tatsächlich etwas für seine Fitness tun müsste. "Schaun mer mal", lautet die Antwort und beim Schreiben des Berichts wächst die Bereitschaft, als "Küken der Truppe" immer mitzumachen, wenn es die Zeit zulässt.

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