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Ulrich Kerksieck verantwortet das Sporthörbuch des THM-Hochschulsports.

Bewegung für die Ohren

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Friedberg/Gießen (pm). »Corona-Wampe« und »Homeoffice-Rücken« - das sind Leiden, mit denen noch vor gut einem Jahr niemand etwas anfangen konnte. Die ersten Kontaktbeschränkungen wurden gerade gelockert, ein leichter Sommer stand bevor und die langen Lockdown-Monate im Winter waren nur eines der vielen möglichen Pandemie-Szenarien. Als der Lockdown dann kam, hat Ulrich Kerksieck ihn genutzt.

An der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) koordiniert er für den Hochschulsport das Inklusions-Projekt »Sport für alle und mit allen«.

Verletzungen vermeiden

Er sagt: »Leider ist ja alles recht digital geworden in der Pandemie« - und damit in sportlichen Belangen gerade für Menschen mit Seheinschränkungen recht schwierig. Sie können sich eben keines der unzähligen Vorturn-Youtube-Videos anschauen. Also entwickelte Kerksieck zunächst in Kooperation mit seiner Abteilungsleiterin Dagmar Hofmann und im Weiteren mit dem Zentrum für blinde und sehbehinderte Studierende (BLiZ) eine Alternative - ebenfalls digital. Und die ist geeignet für alle Sportinteressierten.

»In den unzähligen Zoom-Hochschulsportkursen für Mitarbeitende und Studierende ist die Frage aufgekommen, wie wir das um einen inklusiven Moment erweitern können«, berichtet Kerksieck. Unter den Behinderungen von Studierenden und Mitarbeitern gehört eine Sehbehinderung zu den häufigsten. »Die Umsetzung ist alles andere als trivial«, sagt Kerksieck. Zuerst gilt es, sich in Zuhörer hineinzuversetzen: Sind die Übungen korrekt erklärt? Besteht auch bei falscher Interpretation des Gesagten kein Verletzungsrisiko? Vermittelt das Gehörte dennoch Spaß an der Bewegung?

Auch Progressive Muskelentspannung

Dann die technische Seite: Passende Formate, passende Verbreitungswege mussten gefunden werden. »Zuerst hatten wir die Folgen auf Youtube«, sagt Ulrich Kerksieck. Aber das ist als Video-Plattform konzipiert. Jetzt stehen die Folgen auch als Hörbuch zum Download auf der THM-Homepage. »Aber dafür durften wir die bei Youtube genutzte Hintergrund-Musik nicht nutzen - und umgekehrt«, sagt Kerksieck. Schließlich musste alles noch eingesprochen und geschnitten werden.

So sind, wahlweise mit oder ohne Musik, in den vergangenen Monaten bislang drei Folgen entstanden, zum Herunterladen und Mitnehmen wie ein Podcast. »Die Abteilung Neue Medien hat hier tolle Hilfe geleistet«, sagt Kerksieck. Die Episoden mit einer Länge von jeweils knapp 25 Minuten widmen sich typischen Homeoffice-Leiden, besonders dem Rücken. Neben der sportwissenschaftlichen Beratung bei der Auswahl von passenden Übungen zeichnete Christina Paulencu aus dem Team des THM-Hochschulsports zudem eine Folge zur Progressiven Muskelentspannung auf. »Wir wollten die Hürde niedrig halten«, sagt Kerksieck - niemand solle beim Hören aufgeben wollen. Außerdem sind die Übungen so angelegt, dass sie rasch verinnerlicht sind und auch zwischendurch gut funktionieren. »Dazu setzen wir auf Bewegungen, die ihre Wirkung durch Wiederholung erzielen«, erläutert Kerksieck.

Weitergehen soll es, so sein Plan, im späten Herbst. »Derzeit, bei der guten Inzidenz, steht ganz klar Sport in Präsenz im Fokus«, sagt Kerksieck. Aber wenn die Tage dunkler und kälter werden, gibt es wieder Bedarf an Sport für die Ohren. Unabhängig von Corona.

Das Sporthörbuch des THM-Hochschulsports ist frei zugänglich unter https://www.thm.de/sport/thmsportprogramm/sporthoerbuch zu finden.

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