Urteil gefallen

Bewährung nach Dreifach-Vergewaltigung in Friedberg

  • vonConstantin Hoppe
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Im Prozess am Gießener Landgericht ist das Urteil gefallen. Ein heute 23-Jähriger soll in Friedberg wiederholt seine damalige Freundin vergewaltigt haben.

Ein heute 23-Jähriger soll vor fünf Jahren in Friedberg seine damals 16 Jahre alte Freundin mehrfach während ihrer Beziehung vergewaltigt haben - dafür wurde der junge Mann am Freitag vor der 1. großen Strafkammer des Gießener Landgerichts zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Der 23-Jährige wurde damit schuldig gesprochen, die heute 21-Jährige, die als Nebenklägerin auftrat, in drei Fällen vergewaltigt zu haben, bei einem Vorfall in Tateinheit mit einer Körperverletzung. Zudem stellte das Gericht die Schwere der Schuld fest, da sich die damals 16-Jährige aufgrund des kurz zuvor erfolgten Todes ihres Pferdes in einer emotionalen Krise befand und in zwei der Fälle schlafend in ihrem Bett lag, als sich der Angeklagte an ihr verging (die WZ berichtete).

Verteidiger Dr. Christoph Kolb hatte Freispruch gefordert: »Es gibt erhebliche Zweifel daran, ob sich die Vorwürfe so zugetragen haben«, erklärte Kolb. »Und im Zweifelsfall muss auch für den Angeklagten entschieden werden.«

Gericht sieht bei Nebenklägerin keinerlei Belastungseifer

Insbesondere die Unterschiede in den Berichten der Zeugen und einige Abweichungen zwischen Aussagen bei der polizeilichen Vernehmung und vor Gericht sprachen für seine Sichtweise.

Die Kammer sah es dagegen als gesichert an, dass die Aussagen der jungen Frau der Wahrheit entsprechen: »Dass sich die Vorfälle so ereignet haben, davon ist das Gericht überzeugt«, erklärte der Vorsitzende Richter Andreas Wellenkötter. »Wir haben uns genau angeschaut, warum die Nebenklägerin eine solche Aussage machen sollte. Die einzige Erklärung war, dass es sich so abgespielt hat.« Dazu hat nach Auffassung des Gerichts die Nebenklägerin keinerlei Belastungseifer an den Tag gelegt: »Ganz im Gegenteil: Sie hat hier davon berichtet, dass sie keine Schmerzen erlitten hat, und hat auch ihre Erinnerungen immer wieder in Zweifel gezogen«, berichtete Wellenkötter.

Zwar gebe es einige Inkonsistenzen betreffend der Aussagen der Nebenklägerin und der Zeugen, aber diese sprächen nicht gegen den Wahrheitsgehalt der Kernvorwürfe: »Alle Zeugen haben von den Geschehnissen durch die Nebenklägerin erfahren, und diese ist dabei verständlicherweise nicht ins Detail gegangen«, fasste Richter Wellenkötter zusammen. »Da ist es verständlich, wenn die Zeugen die Vorgänge für sich selbst erschließen - zudem liegt die Tatzeit schon über fünf Jahre zurück. Eine lange Zeit, in der Erinnerungen auch verwischen.« Deshalb ging die Strafkammer davon aus, dass die Kernvorwürfe gegen den Angeklagten der Wahrheit entsprechen.

Erzieherischer Effekt der Strafe

Bei der Strafzumessung gab es vieles zu beachten: Die vorgeworfenen Taten liegen fünf Jahre zurück, und der Angeklagte war damals erst 18 Jahre alt - deshalb kam das Jugendstrafrecht zum Tragen. Zudem kann dem mittlerweile 23-Jährigen eine positive Sozialprognose ausgestellt werden, wie es hieß: Zwar liegen gegen ihn Vorstrafen wegen Betrugs und wegen Schwarzfahrens vor, und er befindet sich noch in der Bewährungszeit, jedoch hat sich der junge Mann seit seiner letzten Verurteilung nichts mehr zuschulden kommen lassen, und er hat alle Geldstrafen bezahlt.

Außerdem hat er ein zweijähriges Kind, für das er sich das Sorgerecht mit der Kindsmutter teilt, und einen festen Arbeitsplatz. »Die Kammer sieht es deshalb als gegeben an, dass hier der erzieherische Effekt einer Bewährungsstrafe Erfolg zeigen wird«, erklärte der Vorsitzende Richter. Deshalb wird die zweijährige Jugendstrafe für eine dreijährige Bewährungszeit ausgesetzt. Neben den Bewährungsauflagen muss der 23-Jährige auch eine Geldstrafe über 800 Euro an den Verein »Wildwasser« in Gießen zahlen, der Opfer sexuellen Missbrauchs unterstützt und berät.

Bis zuletzt bestritt der Angeklagte die Vorwürfe - in einer vorangegangenen Sitzung hatte er bereits erklärt, er wisse nicht, wie diese Vorwürfe entstehen könnten.

Mit dem Urteil folgte die Kammer den Forderungen der Staatsanwaltschaft und der Vertreterin der Nebenklage, Dr. Maike Koch: »Es ist nicht das Interesse der Nebenklägerin, den Angeklagten im Gefängnis zu sehen«, erklärte Koch das Anliegen ihrer Mandantin. »Sie wollte die Tat zur Sprache bringen - und ihr hätte eine Entschuldigung des Angeklagten viel bedeutet.«

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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