Den Blick in die Ferne schweifen lassen oder dem Alltagsgeschehen auf dem Hof zusehen: Möglich aus dem Zeltbett etwa auf dem Gut des Bauernhofcafés "Lieblingsplatz". FOTO: PM
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Den Blick in die Ferne schweifen lassen oder dem Alltagsgeschehen auf dem Hof zusehen: Möglich aus dem Zeltbett etwa auf dem Gut des Bauernhofcafés "Lieblingsplatz". FOTO: PM

Ein Bett auf der Obstwiese

  • vonKatharina Gerung
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Wetteraukreis(pm/kge). Zirpende Grillen, Vögel und das sanfte Rauschen der Blätter im Wind. Dinge, die derjenige hört, der eine Nacht im Freien verbringt. Ein Erlebnis so simpel, dass es theoretisch ohne jegliche Ausrüstung auskommt - oder zumindest nur mit den nötigsten Basics. Darauf besinnt sich auch die Tourismus-Region Wetterau. Seit diesem Sommer läuft ihr Pilotprojekt "Zeltbett auf der Obstwiese" - und der Name ist Programm.

In 2020 mehr Urlaub in der Heimat

Die Folgen der Corona-Krise verstärken den Trend zum Urlaub im eigenen Land. "2020 ist ein spezielles Urlaubsjahr", sagt Cornelia Dörr, Geschäftsführerin der Tourismus-Region Wetterau. Sie ist der Überzeugung, dass aufgrund der aktuellen Pandemie auch Hessen und die Wetterau mehr im Fokus der Menschen sind, die bereits in der Region oder der Metropolregion leben. "Gerade im ländlichen Raum der Region gibt es bisher aber nur begrenzte Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste", sagt Dörr.

Dies und die Tatsache, dass das Interesse an regionalen Produkten stetig steigt, führte dazu, dass die Tourismus-Region mit einigen Landwirten Überlegungen anstellte, unter welchen Bedingungen im ländlichen Bereich zusätzliche Übernachtungs- und Erlebnis-Möglichkeiten geschaffen werden könnten - und das am besten direkt bei Erzeuger regionaler Lebensmittel. Geboren war die Idee des "Zeltbetts auf der Obstwiese".

Gedacht ist diese Form der Übernachtung für diejenigen, die gerne ohne viel Gepäck unterwegs sind und nur für die Nacht einen Platz zum Schlafen benötigen. Menschen auf Wanderschaft, unterwegs mit dem Fahrrad oder Motorrad oder auf einem Roadtrip durch die Region. "Oder für die, die einfach eine kleine Auszeit vom Alltag wollen", fügt Dörr hinzu.

Bisher beteiligen sich vier Wetterauer Höfe an dem Pilotprojekt: der Birkenhof in Butzbach-Feuerbach, der Milchhof Gerth in Diebach am Haag, das Bauernhofcafé "Lieblingsplatz" in Stammheim und der Hof von Spargel-Hofmann in Wölfersheim.

15 bis 20 Euro für eine Nacht

"Es war uns wichtig, dass es auf den Höfen die Möglichkeit gibt, schnell und unkompliziert ein Zeltbett aufzubauen", sagt Dörr. "Außerdem mussten separate Toiletten für die Übernachtungsgäste vorhanden sein, damit diese nicht etwa die im privaten Bereich der Landwirte mitnutzen müssen." Weil die ausgewählten Lokalitäten auch ein gastronomisches Angebot hätten, sei dies kein Problem. Ein Bett auf der Wiese und nicht weit entfernt Zugang zu allem, was benötigt wird. "Wir wollten es ganz bewusst sehr einfach halten", sagt Dörr. "Das ist Teil des Erlebnisses."

Die Zeltbetten können direkt online per E-Mail oder telefonisch bei den Höfen gebucht werden. Jeder Hof hat aktuell ein Bett, in dem theoretisch bis zu zwei Personen Platz haben. Eine Nacht kostet 15 Euro, für zwei Personen werden 20 Euro fällig. Wenn das Projekt gut läuft, soll es in den nächsten Jahren ausgedehnt werden. "Wir sind ja noch in der Testphase", sagt Dörr. "Das ist der Anfang eines Angebots mit Abenteuer-Charakter. Und genauso abenteuerlich war die spontane Zusage der Landwirte. Sie haben einfach etwas Neues gewagt."

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