Die Akteure des Abends: Karl Buxmann (l.), Präsident der Deutsch-Iren, Dr. Volker Hoffmann und Sopranistin Kristina Schaum.		FOTO: PV
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Die Akteure des Abends: Karl Buxmann (l.), Präsident der Deutsch-Iren, Dr. Volker Hoffmann und Sopranistin Kristina Schaum. FOTO: PV

Betrübliche Fälle und Liebeserklärungen

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Friedberg (pm). In der Aula des Burggymnasiums fand - unter Beachtung aller Sicherheitsvorschriften - nunmehr die erste öffentliche Veranstaltung zu den »Dublinern« von James Joyce statt. Joyce hatte diese 15 Geschichten Anfang des 19. Jahrhunderts in Triest geschrieben, als er dort als Sprachlehrer tätig war. Im Grunde handelt es sich um eine Liebeserklärung trotz seines gespaltenen Verhältnisses zu seiner Heimat, in der er viele Reize, aber auch Schwächen des Landes literarisch bearbeitet hat.

Als erste Geschichte stand »Ein betrüblicher Fall« (»A Painful Case«) an. Der überaus korrekte Mr. James Duffy arbeitete seit vielen Jahren als Bankkassierer, der sich nur selten kleine Vergnügungen gönnt, als er eines Tages die Frau eines Kapitäns, der meistens unterwegs ist, kennenlernt. Gespräche und Vertraulichkeiten wuchsen mit der Zeit, bis die Lady eines Abends die Hand von Mr. Duffy ergriff. Mr. Duffy beendete diesen Kontakt sofort. Jahre später liest er in der Zeitung, dass die Frau des Kapitäns durch Trunksucht ums Leben kam.

Die nächste Geschichte ist Charles Stewart Parnell gewidmet, dem irischen Politiker, der über eine Scheidungsaffäre stolperte und seine politischen Ämter aufgeben musste. Bei der nächsten Wahl nach dieser Affäre büßte seine Partei erhebliche Stimmen ein. Entsprechend missmutig ist die Stimmung im Parteilokal, wo ständig Leute kommen und gehen. Man fängt die unterschiedlichsten Unterhaltungen an, zieht oberflächliche Vergleiche und bringt den Missmut über den deutschen Kaiser zum Ausdruck. So läuft der Abend dahin, bis schließlich Mr. Hynes bereit ist, eine Hymne auf Parnell vorzutragen. Die elf Strophen verherrlichen Charles Parnell (»Tot, unser ungekrönter König, tot«), während die Zuhörer geradezu ergriffen sind. Mr. Crofton stellte am Schluss fest, es sei ein ganz ausgezeichnetes Stück Literatur.

Langanhaltender Beifall zeigte, dass man mit dem Vortrag sehr zufrieden war und das Ende der Corona-Krise herbeiwünschte. Ergänzt wurden die Texte durch beziehungsreiche irische Lieder, vorgetragen durch die aus Friedberg stammende Sopranistin Kristina Schaum, am Flügel begleitet von Volker Hoffmann.

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