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Besondere Hommage an Bertolt Brecht

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Von: Harald Schuchardt

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Brecht einmal anders präsentieren Sängerin Alix Dudel und Gitarrist Sebastian Albert. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Bei den Veranstaltungen von »Friedberg lässt lesen« und anderen Lesereihen stellen meist bekannte Autoren ihre neuen Bücher vor. Das war am Montagabend im ausverkauften Theater Altes Hallenbad jedoch ganz anders.

Der Abend wurde zu einer besonderen Hommage an Bertolt Brecht, einem der bedeutendsten aber auch nicht unumstrittenen deutschen Dramatiker und Lyriker. Seit acht Jahren näheren sich Sängerin und Diseuse Alix Dudel und der geniale Gitarrist Sebastian Albert mit ihrem Programm »Die neuen Zeitalter« dem Gründer des epischen Theaters in Deutschland nicht mit einem gewöhnlichen Liederabend, in dem in der Regel die großen Werke eines Künstlers präsentiert werden.

Dichter kommt »selbst zu Wort«

Das Duo präsentiert überwiegend weniger bekannte Werke Brechts in einer Art Collage, bei der dieser - dank mehrerer Einspielungen - sogar selbst zu Wort kommt. Schon der Beginn des etwas anderen Liederabends überrascht. In einem Kurzfilm versuchen zwei junge Menschen einen Altersgenossen für das Werk Brechts zu begeistern, um dessen Image zu verbessern.

Doch dieser dreht den Spieß um, prangert das »gewinnorientierte Unternehmen« der beiden Jungs an und verspricht den Besuchern, dass sie nun Brecht erst richtig kennenlernen. Das gelingt Dudel mit ihrer leicht rauchigen Stimme - man könnte auch verrucht sagen - schon mit ihrem ersten Lied »Erinnerung an die Marie A.«, welches sie noch im Dunkeln am Seitenrand vor der Bühne singt, während Albert schon hier mit exzellentem Spiel auf der Akustikgitarre Akzente setzt.

Es folgt eine bunte Mischung aus dem umfangreichen Werk Brechts, das von gesellschaftskritischen Texten über Satire bis hin zu Moritaten, Witzen und durchaus erotischen Anspielungen reicht.

Das erfordert bei den beiden genialen Akteuren auf der Bühne ebenso viel Konzentration wie bei den Besuchern. Mehrmals wird Dudels Stimme versetzt eingespielt, sodass sie - sozusagen - zeitversetzt zweimal zu hören ist. Diese besondere Form der Performance mit der Stimme erreicht ihren Höhepunkt, als Albert als »Echo« Dudels diese Aufgabe übernimmt.

Mit ihrer schier unglaublichen Ausstrahlung und ihrer intensiven Darstellung fasziniert die Berlinerin ein ums andere Mal die Besucher, bei dramatischen, ernsten Texten ebenso wie bei Brechts Parabeln, wie »Der Pflaumenbaum« oder »Vom Kind, das sich nicht waschen wollte« in der Vertonung von Paul Dessau, der neben Kurt Weill und Hanns Eisler zu den Zeitgenossen Brechts gehörte, die dessen Texte musikalisch umsetzten.

In zwei Versionen hat Brecht »Der Schuh des Empedokles« über die Legende um den Tod des griechischen Philosophen geschrieben, Dudel und Albert fügen noch eine dritte Version hinzu.

Schwerpunkt im ersten Programmteil waren Lieder, die in Brechts Exil in den USA während der Nazi-Herrschaft entstanden sind, wozu auch das bekannte von Hanns Eisler vertonte »Lied vom Weib des Soldaten« gehört. Vorgetragen wird auch das Gedicht »Die neuen Zeitalter« das Brecht 1943 geschrieben und dem Programm den Namen gegeben hat. »Von den neuen Antennen kamen die alten Dummheiten«, heißt es in dem Gedicht, das in die Wand der Toreinfahrt in Brechts letzter Berliner Wohnstätte eingemeißelt wurde.

Immer wieder begeistern Dudel und Albert mit perfekt aufeinander abgestimmtem kongenialem Zusammenspiel. Zweimal jedoch steht der Konzertgitarrist im Mittelpunkt. Bei der »Etüde No. 11« des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos zeigt der Dozent für Gitarre sein brillantes Können ebenso wie gegen Ende des Abends bei »Vergnügen« von Mario Castelnuovo-Tedesco, bei dem Dudel »vergnügliche Worte« einstreut.

Mit dem »Lied von der Unzulänglichkeit des Lebens« beenden Dudel und Albert ihr Programm. Der lange, intensive Beifall führt zu zwei Zugaben und einem besonderen Dank des Duos an die Macher von »Friedberg lässt lesen« sowie an die Crew des »Theater Altes Hallenbad«, das Albert als »ein ganz besonderes Haus« bezeichnet, wofür es noch einmal kräftigen Applaus gab.

Zur nächsten Veranstaltung von »Friedberg lässt lesen« ist Anastasia Zampounidis eingeladen. Die Bestseller-Autorin wird ihr neues Buch »Für immer jung« am Donnerstag, 25. November, um 20 Uhr in der Aula der Augustinerschule vorstellen. Darin gibt sie Tipps zum genussvollen Zuckerverzicht und enthüllt zahlreiche weitere Geheimnisse aus ihrer Revitalisierungs-Powerkiste:

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