Der Integrationsfachdienst des Diakonischen Werkes hat ein Service-Telefon für Menschen mit Behinderungen rund um das Thema Arbeit und Behinderung eingerichtet.	FOTO: PM
+
Der Integrationsfachdienst des Diakonischen Werkes hat ein Service-Telefon für Menschen mit Behinderungen rund um das Thema Arbeit und Behinderung eingerichtet. FOTO: PM

Beratung auch in Zeiten von Corona

  • vonRedaktion
    schließen

Wetteraukreis (pm). Die Arbeit des Integrationsfachdienstes (IFD) hat sich durch die Corona-Krise verändert. Die Aufgabe, schwerbehinderte Menschen und deren Arbeitgeber zu beraten und zu unterstützen, ist geblieben, doch Wege haben sich verändert, heißt in einer Pressemitteilung. Viele Kontakte würden telefonisch oder per E-Mail gehalten, doch gebe es Menschen und Situationen, in denen der persönliche Kontakt nicht ersetzt werden könne.

Persönliche Kontakte wichtig

Ein Beispiel sei Sabine Müller (Name geändert, d. Red.). Die Frau hat eine geistige Behinderung und kann weder lesen noch schreiben. Sie arbeitet als Küchenhilfe in einem Krankenhaus. Die geltenden Hygieneanforderungen einzuhalten, habe sie gelernt. Doch verstehe sie oft nicht, was Kollegen von ihr wollen, und vermute schnell, dass man sie ärgern wolle. Sie reagiere ungehalten und teilweise aggressiv. Dies habe bereits dazu geführt, dass manche Kollegen es ablehnten, mit ihr zusammenzuarbeiten. Einige hätten sich schon zusammengetan und ein Schreiben an die Küchenleitung verfasst. Müller lebe mit ihrer alten Mutter zusammen und habe sonst nur Kontakte zu Bekannten der Mutter, die in diesen Zeiten auch nicht zu Besuch kämen.

Für Menschen mit Schwerbehinderungen sei die Corona-Krise oft eine besondere Herausforderung: Sei es weil sie wegen chronischer Erkrankungen zur Gruppe der besonders gefährdeten Menschen gehörten, sie wegen einer Hörschädigung der Vielzahl an täglich neuen Infos kaum folgen könnten, sie im Beruf auf Hilfestellungen von Kollegen angewiesen seien oder, wie im Beispiel von Müller, die ohnehin schon reduzierten Kontakte nun auch nicht mehr stattfinden könnten.

Müller benötige persönliche Kontakte. Daher finden laut IFD Gespräche während Spaziergängen mit Abstand statt. Dabei könne die Frau über ihre Ängste sprechen, sich mit dem neuen Virus anzustecken, oder die Befürchtung, ihre Mutter könnte daran sterben. Im Austausch gehe es darum, was sie selbst tun könne, um eine Ansteckung zu vermeiden, und zu erklären, warum gründliches Händewaschen mit Seife helfe. Die unschönen Begegnungen mit Kollegen seien in der Krise etwas in den Hintergrund getreten.

Bei der Unterstützung von Menschen mit Hörbehinderungen sei man auf persönliche Begegnungen angewiesen. Doch nicht nur diese profitierten von persönlichen Kontakten, und nicht alles lasse sich bei einem Spaziergang besprechen. Das Diakonische Werk Wetterau habe daher Plexiglas-Abtrennungen für Beratungsräume angeschafft, sodass persönliche Gespräche in den Räumen unter Einhaltung der Hygienebestimmungen nun wieder möglich seien.

Hilfestellung auch für Unternehmen

Die Berater des IFD unterstützen Menschen mit Behinderungen und Unternehmen in außergewöhnlichen Zeiten wie diesen bei Fragen rund um das Thema Arbeit und Behinderung. Dazu hat das Diakonische Werk Wetterau nun eine Service-Telefonnummer des Integrationsfachdienstes geschaltet.

Das Fachteam bietet am Telefon psychosoziale Bewältigungsberatung zum Umgang mit den besonderen Anforderungen der gegenwärtigen Belastungen an. Themen können sein: Wie verhalte ich mich als Schwerbehindertenvertretung bei Anfragen von Mitarbeitern?, Wie kommuniziere ich meine Anliegen mit meinen Vorgesetzten oder der Geschäftsführung?, Wie schütze ich mich als Mitarbeiter mit einer chronischen Erkrankung?, Wie spreche ich als Chef/Vorgesetzter meine Mitarbeiter an?, Bewältigung von Gefühlen der Vereinsamung oder Zukunftsängste sowie telefonische Krisenintervention,

Das Service-Telefon des Integrationsfachdienstes ist montags von 14 bis 17 Uhr, dienstags, donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr unter der Rufnummer 0 60 31/7 25 21 41 besetzt. Zu jeder Zeit kann der IFD zudem per E-Mail unter ifd@ diakonie-wetterau.de erreicht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare