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Beispiel für Frieden und Freundschaft

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Von: Harald Schuchardt

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Erinnerungen teilen: Kuratorin Monica Brandis (M.) spricht mit den beiden Zeitzeugen der »Operation Shamrock« Friedhelm Krüll (l.) und Erika Postir. © Loni Schuchardt

Friedberg (har). Sowohl in Irland als auch in Deutschland kaum bekannt ist die »Operation Shamrock«, in der kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs um die 450 kranke, unterernährte Kinder aus Nordrhein-Westfalen nach Irland geschickt wurden.

Im Foyer des Kreishauses wird in der Ausstellung »Die Kinder der ›Operation Shamrock‹« auf das Schicksal dieser Kinder eingegangen. Gemeinsam veranstalten die Friedberger Gesellschaft zur Förderung Deutsch-Irischer Verständigung und der Wetteraukreis die Präsentation auf 20 Tafeln, die am Donnerstagabend offiziell eröffnet wurde.

Hierzu konnte Landrat Jan Weckler unter anderem die Kuratorin der Ausstellung, die deutsch-amerikanische Journalistin Monica Brandis, sowie mit Erika Postir und Friedhelm Krüll zwei Zeitzeugen begrüßen.

Zur Ausstellungseröffnung gekommen waren ferner aus Frankfurt Generalkonsulin Anne-Marie Flynn und deren Stellvertreter Patrick McDonagh sowie Friedbergs Bürgermeister Dirk Antkowiak. Weckler erläuterte kurz die lange Tradition von Ausstellungen im Kreishaus.

Die Operation Shamrock bezeichnete er als »eine schöne Geschichte, bei denen die Iren den Kindern ihres Kriegsfeindes geholfen haben«. Es sei ein gutes Beispiel für Frieden und Freundschaft, die wir gerade heute so brauchen, so Weckler.

Peter Schmidt, Vorstandsmitglied bei den Deutsch-Iren, konnte in seinem kurzen Statement Wecklers Worte nur bestätigen.

»Wir sind froh, dass wir mit dieser Ausstellung an eine Zeit erinnern können, die wir fast alle nur aus den Geschichtsbüchern kennen«, sagte Schmidt, der den beiden Vereinsmitgliedern Peter Bayer (Gitarre) und Kurt Tippmann (Bluesharp) für die musikalische Umrahmung des Abends mit bekannten irischen Folksongs dankte.

Generalkonsulin Flynn lobte die Arbeit von Monica Brandis. »Diese Ausstellung ist ein wichtiger Beitrag für die deutsch-irische Geschichte«, bekräftigte die Generalkonsulin. Vor dem Gespräch mit den beiden Zeitzeugen erläuterte Brandis, wie es zu der Ausstellung kam: Im irischen Cork, wo die Wahl-Berlinerin ein Jahr lebte, erfuhr sie zum ersten Mal von der Hilfsaktion, die direkt nach dem Krieg von der irischen Ärztin Dr. Kathleen Murphy und dem von ihr gegründeten Verein »Save the German Children Society« initiiert wurde.

Insgesamt wurden 1000 Kinder aus mehreren europäischen Ländern von irischen Familien meist für drei Jahre aufgenommen und überwiegend liebevoll betreut. Leider fand sie bei ihren Recherchen in vielen Archiven keine kompletten Listen.

Gleich neun Jahre blieb Friedhelm Krüll bei seiner Gastfamilie in Galway. Seine Mutter war vorher nicht in der Lage, ihn zurück zu holen. »Sie war alleinerziehend und hatte 16 Kinder von verschiedenen Männern,« erzählt der heute 82-Jährige, der zu seinen Gasteltern Mutter und Vater sagte. »Ich hatte immer zwei Mütter und einen Vater«, sagt Krüll, dessen »irischer Vater« sogar einen Deutschkurs belegte, um sich mit dem damals sechs Jahre alten Kind unterhalten zu können.

»Mir ging es richtig gut, wir hatten regelmäßig was zu essen, konnten spielen und fühlten uns sicher«, sagte der gebürtige Düsseldorfer, der heute in Kaarst wohnt. Er konnte bei seiner Rückkehr kein Wort Deutsch, kam in ein Kinderheim, wobei er von einem Mitarbeiter des Jugendamts Düsseldorf hervorragend betreut wurde.

Nur Positives berichten konnte auch Erika Postir, die mit ihrem ein Jahr jüngeren Bruder nach Limerick kam. »Wir bekamen von schwarzen Soldaten auf dem Schiff Schokolade, das fanden wir gut«, so die heute 82-Jährige, die in einer wohlhabenden Familie mit zwei Söhnen lebte.

»Ich war der Liebling und wurde sehr verwöhnt. Die Jungs waren neidisch auf mich«, erzählt Postir, deren im vergangenen Jahr verstorbene Schwester drei Jahre später nach Irland ging, dort blieb und heiratete. »Ich habe jetzt 30 Verwandte in Irland, das ist toll«, meinte Postir.

Anschließend gab es noch genügend Zeit für persönliche Gespräche.

Noch bis Freitag, 21. Oktober, kann die Ausstellung über »Die Kinder der ›Operation Shamrock‹« während der regulären Öffnungszeiten im Foyer und dem dahinter liegenden Flur des Kreishauses besichtigt werden.

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Gemeinsam eröffnen die Ausstellung (v. l.) Landrat Jan Weckler, Generalkonsulin Anne-Marie Flynn und Peter Schmidt von den Deutsch-Iren. © Loni Schuchardt
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Passende Musik: Peter Bayer spielt Irish Folk. © Loni Schuchardt

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