Zwei Bilder, die die Situation gut beschreiben: Markierungen weisen darauf hin, wie die Möbel stehen müssen, um den Abstand zu gewährleisten. Und ein Gruß aus Kreide spiegelt die Sehnsucht nach dem Kita-Alltag wider.	FOTOS: PM
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Zwei Bilder, die die Situation gut beschreiben: Markierungen weisen darauf hin, wie die Möbel stehen müssen, um den Abstand zu gewährleisten. Und ein Gruß aus Kreide spiegelt die Sehnsucht nach dem Kita-Alltag wider. FOTOS: PM

Beim Windelwechseln ist es schwierig mit dem Abstand

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Friedberg (pm). Kaum genutzte Spielecken und nur vereinzelte Kinderstimmen - im Kinderhaus Wetterau ist es in der Corona-Krise ruhig geworden, denn seit dem 16. März ist es - wie alle Kindertageseinrichtungen - auf Anordnung des Landes Hessen für die meisten Kinder geschlossen. Leben in die Räume des Kinderhauses kommt allerdings durch die Notbetreuung.

»Die ersten Wochen war unser Sohn allein im Kinderhaus. Aber jetzt kommen immer mehr Kinder dazu«, berichtet die Mutter von Fabian, die im Gesundheitswesen tätig ist und die Notbetreuung von Beginn an nutzen konnte. »Wir finden es gut, dass unser Sohn in seinen gewohnten Kindergarten gehen kann und sich nicht umgewöhnen muss.«

Zehn der sonst 35 Kinder nutzen derzeit die Notbetreuung im Kinderhaus Wetterau. Die Kinder kommen allerdings zeitversetzt und stundenweise. Sicherheitsmaßnahmen prägen das Bild: Die pädagogischen Fachkräfte tragen einen selbst genähten Mund-Nasen-Schutz, die Kinder, wenn sie das möchten, auch. Sicherheitsabstände mussten abgemessen werden. Auf dem Weg zur Toilette gibt es etwa markierte Warteplätze, die für den gebotenen Abstand sorgen. Plakate erinnern an die Hygieneregeln. »Die Kinder haben die Schutzmaßnahmen erstaunlich gut verinnerlicht«, berichtet Leiterin Petra Ben Abdelmalek. »Da bekomme ich schon auch mal von den Kindern zu hören: Petra, du musst Abstand halten!«

Bei manchen Dingen ist Abstand halten aber gar nicht möglich - etwa wenn bei den ganz Kleinen eine Windel gewechselt werden muss. »Es ist eine ständige Gratwanderung: Wie schützen wir die Kinder, wie uns selbst und wie gestalten wir trotzdem einen schönen Kinderhaustag?«, sagt Petra Ben Abdelmalek. Hinzu kommt: »Bei vielen Kindern spürt man Ängste - ganz abstrakte Angst oder konkret zum Beispiel die Angst um Oma und Opa, die gesund bleiben sollen.«

Für die pädagogischen Fachkräfte ist die Notbetreuung oft eine organisatorische und psychische Herausforderung. »Die Erzieherinnen und Erzieher leisten im Moment wirklich viel. Die Notbetreuung ist kräftezehrend und anstrengend«, erzählt die Leiterin. »Gleichzeitig war ich selbst in den letzten Wochen auch froh, nicht daheim bleiben zu müssen, sondern arbeiten zu können und damit diejenigen durch unsere Betreuung zu unterstützen, die im Gesundheitsbereich arbeiten.«

Auch die Personalplanung ist schwierig. Die Hälfte der pädagogischen Fachkräfte soll zu Hause bleiben, damit im Fall einer Infektion die andere Hälfte einspringen kann. »Zum Glück ist niemand von uns Teil einer Risikogruppe, sodass wir dadurch keine Ausfälle haben«, erklärt Petra Ben Abdelmalek.

Allerdings sind finanzielle Herausforderungen zu meistern, da die Eltern derzeit keine Gebühren und kein Essensgeld zahlen müssen. Das erleichtert viele Eltern sehr. Für das Kinderhaus heißt das aber: Kreative Lösungen finden, denn Essen für die Kinder der Notbetreuung muss trotzdem besorgt werden.

Familien ohne Anrecht auf Notbetreuung haben nun acht Wochen ohne Kinderhaus hinter sich. Viele, gerade berufstätige Eltern sind angesichts dieser Situation zwiegespalten: Sie genießen die intensive Zeit mit dem Nachwuchs, haben aber auch mit der Doppelbelastung durch den Beruf zu kämpfen. »Als es zu dem Lockdown kam, begrüßten wir sehr, dass wir mehr Zeit mit unserem Kind verbringen konnten. Auch wenn wir keine Horde Vorschulkinder ersetzen können, konnten wir uns mit der Situation sehr schnell arrangieren. Aber uns fehlen das Kinderhaus, unsere Freunde und die Kontakte sehr!«, berichtet die Mutter von Dagobert. Hinzu kommt, dass beide Eltern arbeiten und das Arbeitspensum zunächst nur schwer zurückschrauben konnten. »Eine schwierige Lage, denn unser Dreijähriger kann sich nicht eben mal zwei Stunden allein beschäftigen. Das scheinen viele in der Politik derzeit zu vergessen. Es bräuchte in der Corona-Krise dringend andere Arbeitszeitregelungen für Eltern.«

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