Die Fragen beim Einbürgerungstest sind so aufgebaut, dass es jeweils vier mögliche Antworten gibt. Doch bloßes Auswendiglernen der Fragen und Antworten ist so gut wie unmöglich, sagt Sonja Abadi, die den Orientierungskurs zur Testvorbereitung leitet. Deswegen arbeitet sie mit den Teilnehmern ein Lehrbuch durch, in dem die Hintergründe erklärt werden - zum Beispiel zur deutschen Geschichte. FOTO: SDA
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Die Fragen beim Einbürgerungstest sind so aufgebaut, dass es jeweils vier mögliche Antworten gibt. Doch bloßes Auswendiglernen der Fragen und Antworten ist so gut wie unmöglich, sagt Sonja Abadi, die den Orientierungskurs zur Testvorbereitung leitet. Deswegen arbeitet sie mit den Teilnehmern ein Lehrbuch durch, in dem die Hintergründe erklärt werden - zum Beispiel zur deutschen Geschichte. FOTO: SDA

Einbürgerung

Was man beim Einbürgerungstest wissen muss

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Wie viele Besatzungszonen gab es in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg? Wer nicht als deutscher Staatsbürger geboren worden ist, die Staatsbürgerschaft aber haben möchte, muss Fragen wie diese beantworten. Was dabei schwierig ist, erzählen Teilnehmer eines Kurses.

Das Schwierigste an der deutschen Sprache? "Ein, einer, eine, einem", sagt ein junger Mann. Ein anderer: "Die langen Wörter." Zum Beispiel? "Bundes-Verfassungs-Gericht."

Neun Frauen und Männer sitzen in dem Unterrichtsraum in der Friedberger Gemeinschaftsunterkunft des Kreises. Unter der Woche kommen sie jeden Vormittag hierher, um zu lernen. Von der deutschen Geschichte, dem politischen System und der Gesellschaft. "Modul 7" heißt ihr Kurs, der von der Volkshochschule (VHS) angeboten wird. Die sechs Module davor, die ungefähr ein Jahr dauern, waren reine Sprachkurse. Das letzte Modul ist ein sogenannter Orientierungskurs. Das Ziel: am Ende erfolgreich den Test "Leben in Deutschland" bestehen. Dieser Test ist der gleiche wie der sogenannte Einbürgerungstest, erklärt Sabine Tönges. Sie leitet bei der VHS den Fachbereich Deutsch als Zweitsprache. Dass es zwei Namen für den Test gebe, habe rein formale Gründe. Der "Leben in Deutschland"-Test ist quasi die Abschlussprüfung der Integrations-Module. Die Fragen sind aber immer gleich.

Wer den Test bestehen, also die deutsche Staatsbürgerschaft haben möchte, muss in der Prüfung 17 von 33 Fragen richtig beantworten.

Zum Beispiel:

Welches Amt gehört in Deutschland zur Gemeindeverfassung?

( ) Pfarramt

( ) Ordnungsamt

( ) Finanzamt

( ) Auswärtiges Amt

Oder:

In welchem Jahr wurde die Mauer in Berlin gebaut?

( ) 1953

( ) 1956

( ) 1959

( ) 1961

Insgesamt gibt es 310 mögliche Fragen, aus denen für einen Test 33 ausgewählt werden - drei davon zum jeweiligen Bundesland. Wer den Test in Hessen macht, muss zum Beispiel wissen, welche Farbe die Landesflagge hat oder ab wie viel Jahren man bei der Kommunalwahl wählen darf.

Sonja Abadi unterrichtet den Kurs in Friedberg. Seit einigen Wochen arbeitet sie mit den Teilnehmern das Lehrbuch "100 Stunden in Deutschland" durch. Darin werden die Test-Fragen im Zusammenhang erklärt - zum Beispiel in Form eines Abrisses der deutschen Geschichte; Stunde Null - Wirtschaftswunder - Mauerbau…

Der Kontext hinter den im Test abgefragten Begriffen ist wichtig, sagt die Lehrerin. "Ich möchte, dass die Teilnehmer die Fragen verstehen und einordnen können." Bloßes Auswendiglernen wäre bei der Masse an Fragen ohnehin so gut wie unmöglich - zumal die Begriffe (Bundeskabinett, Gemeindeverfassung…) zum Teil abstrakt sind.

Integration und Gastarbeit

In den Kursen wird ausschließlich Deutsch gesprochen. Von der ersten Stunde an, sagt VHS-Fachbereichsleiterin Tönges. Am Anfang ist das manchmal schwierig, aber es funktioniert. Mit der Zeit sowieso immer besser. Das zeigt sich im Orientierungskurs: Der Test steht bevor, es sind nur noch wenige Tage. Im Kurs geht es gerade um das Thema Gastarbeiter, die in den 60er Jahren nach Deutschland gekommen sind. Die Lehrerin schreibt ein Zitat von Max Frisch aus dem Jahr 1965 an die Tafel. "Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen." Was damit gemeint ist, fragt sie in die Runde. Eine Teilnehmerin meldet sich: "Dass Menschen gekommen sind, die Gefühle und Gedanken haben. Und die ein Leben haben."

Die Lehrerin fragt weiter: Was den Teilnehmern zum Thema Integration einfällt. "Viele Papiere", sagt eine. Ein anderer: "Wir haben einen Nachteil: Corona." Der Kurs ist deswegen unterbrochen worden, überhaupt sei es schwierig, mit Menschen in Kontakt zu kommen und dadurch auch aktiv die erlernten Sprachkenntnisse anzuwenden. Aber immerhin, sagt eine Teilnehmerin: "Bei Corona sind wir alle gleich."

In der Gruppe, die Sonja Abadi unterrichtet, haben fast alle eine andere Muttersprache. Eine Kursteilnehmerin, kommt von den Philippinen, sie ist in Deutschland verheiratet und lernt seit zehn Monaten Deutsch.

Eine andere Teilnehmerin stammt aus Syrien und lebt bereits seit fünf Jahren hier. Durch ihre Kinder sei sie oft mit anderen Müttern in Kontakt gekommen, konnte sich deswegen schon gut verständigen. Aber, sagt sie: "Dadurch habe ich die Grammatik nicht richtig gelernt." Das hat sie in den Sprachkursen nachgeholt.

Die Sache mit den Dialekten

Ein junger Mann, er kommt aus der Türkei, erzählt, er habe bereits am Goethe-Institut in Istanbul einen Deutsch-Kurs besucht. Schwierig seien die vielen Dialekte. "In Österreich reden sie ein Deutsch, in Hamburg ein anderes."

Dann ist da noch die Sache mit den Artikeln. Das macht es oft kompliziert, sagt auch eine Frau, die aus der Dominikanischen Republik stammt. Und, sagt sie: Man kann noch so viele deutsche Muttersprachler fragen, erklären kann es keiner: Warum heißt es zum Beispiel "die Sonne", aber "der Mond"?

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