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Artenvielfalt auf den Wiesen schützen: Thomas Etzel und seine Schafe erfüllen eine wichtige Aufgabe in der Landschaftspflege.

Bei Wind und Wetter unterwegs

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Wetteraukreis (prw) Rund um Glauburg ist Thomas Etzel mit seinen Schafen unterwegs und verbringt einen Großteil des Tages draußen bei ihnen. Während die Tiere sich gemütlich durchs satte Gras fressen, tragen sie Samen von einem zum nächsten Standort, schaffen Lebensräume für Insekten und seltene Pflanzen. So leisten sie, ganz nebenbei, einen wertvollen Beitrag zur Pflege unserer Kulturlandschaft.

Wie in vielen Schafe haltenden Betrieben, hat die Haltung auch bei Familie Etzel eine lange Tradition. Schon der Großvater hielt Schafe, und auch der Vater von Thomas Etzel zog mit seinen Tieren durch die Region. Der Großteil der Wetterauer Schafe wird auf Koppeln gehalten und bei Bedarf auf neue Weiden umgetrieben. Im Gegensatz dazu leben die Tiere bei der Hütehaltung in offenem Gelände ohne Zaun, werden vom Schäfer und seinen Hunden betreut und nur nachts eingezäunt.

Als einer der letzten Schäfer in der Region hütet Thomas Etzel seine rund 400 Merinolandschafe und zieht gemeinsam mit ihnen durch die Landschaft. An dieser Rasse schätzt er besonders die guten Muttereigenschaften, ihr Gemüt, die Größe und somit auch das Schlachtgewicht der Tiere. Zusammen mit seinen drei Hütehunden bilden Etzel und die Schafherde ein eingespieltes Team und sind während der vegetationsreichen Zeit ständig auf den Flächen rund um Glauburg unterwegs. Die kalten Wintertage verbringen die Schafe im Stall. Dort bekommen sie ihre Lämmer, werden geschoren und dürfen, sobald die ersten grünen Halme zu sehen sind, wieder raus.

Die Lämmer laufen in der Herde mit und verbringen etwa vier bis fünf Monate draußen auf der Weide. Durch Bewegung an der frischen Luft und eine artgerechte Fütterung hat das Fleisch der Tiere eine hohe Qualität. Gemeinsam mit anderen Schäfern aus der Region vermarktet Thomas Etzel sein Lammfleisch seit einigen Jahren an den regionalen Lebensmitteleinzelhandel. Beworben mit der Wetterauer Herkunft, liegt es in der Frischetheke und erfreut sich trotz des höheren Preises im Vergleich zu importiertem Lammfleisch großer Beliebtheit. Als eines der ersten domestizierten Tiere nutzten Menschen schon früh Fleisch, Milch und Wolle der Tiere. Mit dem Aufkommen von neuen Fasern für die Bekleidungsindustrie wie Baumwolle, synthetische Fasern oder importierte Wolle, hat das Schaf seine Rolle als Wolllieferant immer weiter verloren. Inzwischen ist die Schafschur für Etzel und seine Berufskollegen ein Minusgeschäft, da Vermarktungsmöglichkeiten für heimische Wolle weitestgehend weggefallen sind. Im Vergleich zur Wolle sind sowohl Fleisch als auch Milch und Käse vom Schaf immer mehr in den Kühlregalen der hiesigen Hofläden und Lebensmittelgeschäfte zu finden. Ohne diese Einnahmequellen würde auch die Anzahl der Schafe zurückgehen.

Wichtige Rolle im Ökosystem

Das hätte weitreichende Folgen, denn als wahre Allrounder nehmen Schafe eine wichtige Rolle im Ökosystem ein. Ohne das fleißige Fressen der Tiere auf Streuobstwiesen, mageren Standorten und schwer zugänglichen Flächen gäbe es reichlich zu tun, um das Aufkommen von Gehölz und einen Rückgang der Artenvielfalt zu verhindern. Mit dem Kauf von heimischem Schaffleisch stärkten Kundinnen und Kunden die »unersetzliche Arbeit der kleinen Wiederkäuer«, betont Landrat Jan Weckler, Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau.

Seit vielen Jahren ist der Landschaftspflegeverband Naturschutzfonds Wetterau für die Schäfereien im Wetteraukreis aktiv und unterstützt ihre Arbeit durch unterschiedliche Maßnahmen . Das aktuelle Projekt »Schäfereiberatung«, gefördert vom Land Hessen, ermöglicht eine Fortführung der bisherigen Arbeit.

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