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Diese Fassade wird bald verschwinden: Das Joh-Gebäude wird umgebaut. AARCHIVFOTO: NIC

»Beharrlichkeit trägt Früchte«

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Friedberg (jw/pm). Den Bebauungsplan für den Umbau des früheren Kaufhauses Joh abzulehnen, sei der falsche Weg, warnte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) Ende Oktober in der Stadtverordnetenversammlung. Daran erinnert der SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus-Dieter Rack in einer Pressemitteilung. »Antkowiak hatte in der Abstimmung aber nur die CDU-Fraktion auf seiner Seite - und einen UWG-Vertreter, der der Meinung war, dass das Haus dann in zehn Jahren noch leer stehen würde.

Ähnlich vorwurfsvoll äußerten sich die CDU-Leute - aber nur außerhalb der Sitzung.«

Eine große Mehrheit aus SPD, Grünen, Linken, FDP und UWG-Mandatsträgern jedoch sah dies anders und schenkte dem bisherigen Joh-Eigentümer - der 3 V Invest aus Grünwald bei München - »nach langem Hin und Her mit angeblichen Umbau- und Neunutzungsplänen für diesen einst zentralen Kundenmagnet in der Stadtmitte schlichtweg kein Vertrauen mehr«, schreibt Rack. »Demzufolge wurden sowohl der B-Plan als auch der ein Jahr zuvor auf Verlangen von SPD, FDP und UWG vom Bauamt erstellte, aber »völlig unzureichende« Städtebauliche Vertrag gegen die CDU-Stimmen abgelehnt. Erschwerend sei hinzugekommen, dass der im Bundesanzeiger publizierte Jahresabschluss 2019 der 3 V Invest GmbH von Branchenkennern als »bilanziell überschuldet« bewertet wurde, wie Rack seinerzeit in der Debatte verkündete.

Am Nasenring durch die Arena geführt

»Wir haben den Eindruck, dass die Stadt vom Investor am Nasenring durch die Arena geführt wird«, ein »Ende mit Schrecken« sei besser als ein »Schrecken ohne Ende«, sagte Rack damals. Er organisierte eine Mehrheit gegen das Vorhaben des Bürgermeisters »und seiner in der Debatte ohne Wortbeitrag gebliebenen CDU-Fraktion«. Bereits am 10. Dezember 2020 konnte Rack vor den nach unguten Erfahrungen der Vergangenheit noch skeptischen Stadtverordneten mitteilen, dass es nach seiner Kenntnis einen neuen Investor gebe, der die Liegenschaft übernehmen möchte und der sehr reale Umnutzungspläne habe.

Durch Eigentümerwechsel ist nun Ende Juli 2021 genau das auch erfolgt (siehe WZ vom Mittwoch). Rack: »Aber hinter den Kulissen vergingen Monate der Verhandlungen der 3 V-Invest-Geschäftsführer mit der Werkmann-Gruppe aus Dietzenbach, die mit dem Friedberger Architekturbüro BLFP in der Haagstraße das ›Reußsche-Gelände‹ als Wohnquartier entwickelt hat. Die Werkmann-Gruppe konnte mit BLFP auch bereits im Februar 2021 ein nach Ansicht des Ausschusses für Stadtentwicklung und aller Anwesenden vielversprechendes Grobkonzept des Umbaus und der Umnutzung für Gewerbe und Wohnen mit einer Tiefgarage vorstellen.«

Wenn nun Bürgermeister Antkowiaks »Wunsch nach einem Dachrestaurant« real werden könne, habe er »wie viele andere Interessierte diese Wunscherfüllung nur der Ablehnung des Bebauungsplans vom Oktober 2020 der von der SPD und den anderen Fraktionen gegen ihn und die CDU organisierten Mehrheit zu verdanken«, stellt Rack nüchtern fest. Denn: »Das ›Projekt Dachrestaurant‹ war zuletzt bei 3 V Invest schon gar nicht mehr im Plan - sehr wohl nun aber beim neuen Eigentümer aus der Werkmann-Gruppe.«

Neubelebung der Innenstadt

Nach Ansicht der Friedberger SPD werde es jetzt keineswegs »zehn Jahre« bis zu einer Umnutzung des Joh dauern - im Gegenteil. Rack: »Der neue Eigentümer zeigt in der Haagstraße für alle sichtbar, dass er auch in schwieriger Zeit in Friedberg bauen kann und will. Und dass nun endlich eine für die Innenstadtentwicklung enorm wichtige Neubelebung dieser Liegenschaft im Zentrum in greifbare Nähe rückt - im Gegensatz dazu hatten die 3 V-Invest-Leute dies nie ernsthaft im Fokus. Deren Interesse galt erkennbar nur höherpreisigem Verkauf - dies sahen alle Fraktionen so, außer Friedbergs CDU und Bürgermeister Antkowiak.«

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