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Die Experten stehen den Haupt- und Realschülern inzwischen per Videokonferenz und Chats zur Seite. Vor den Schulschließungen durften sie mit Abstand vor Ort Sachen zeigen und erklären.

Begeisterung für Wissenschaft

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Wetteraukreis (pm). Mathe, Naturwissenschaft und Technik. Das ist nicht für jeden etwas. Besonders, wenn es um eine Ausbildung in diesem Bereich geht. Gerade Haupt- und Realschüler hätten - so die Einschätzung einiger Experten - ernsthafte Zweifel daran, dass sie im sogenannten MINT-Bereich eine Ausbildung erfolgreich absolvieren und dort beruflich Fuß fassen können.

Das Projekt »MINT.ice« des BWHW Wetterau (Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft) setzt sich seit einigen Jahren dafür ein, dass bei Schülerinnen und Schülern die Begeisterung für Naturwissenschaften und Technik geweckt und gefördert wird.

Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es ein Angebot, das davon überzeugen will, dass Haupt und Realschüler gute Chancen in dual ausgebildeten MINT-Berufen haben. Das Angebot setzt früh an: in den Jahrgangsstufen 7 und 8.

Entwickelt wurde das Konzept von der Jugendwerkstatt Felsberg und läuft seit 2019/20 auch unter dem Namen »MINT.ice« in der Wetterau.

Viele Mädchen sind mit dabei

»Erlebnisorientierung« und »Be-greifen« sind zentrale Merkmale des Angebots, das nach Angaben der Organisatoren inzwischen über 730 Schülerinnen und Schüler wahrgenommen haben; 39 Prozent davon seien Mädchen. Ein Schuljahr lang haben diese Schülerinnen jede Woche 90 Minuten ihrer Freizeit darauf verwendet, die MINT-Phänomene in ihrem Alltag zu erforschen. Sie haben unter anderem Flüssigkeiten geschichtet, Funktionsmodelle von Airbags erstellt, Radios gebaut und sich mit Automatisierungstechnik beschäftigt. Angeleitet werden sie von Berufspraktikern, die zum Teil selbst eine duale MINT-Ausbildung absolviert und Ausbildungserfahrung haben.

Sie begleiten und unterstützen die Schülerinnen und Schüler nicht nur beim Experimentieren und Erforschen, Programmieren, Löten und Bauen, sondern nehmen immer wieder Bezug zu dem berufspraktischen Alltag, um den Teilnehmenden eine erste berufliche Vorstellung zu vermitteln. Besuche bei Betrieben in Schul- bzw. Wohnortnähe, die zum jeweils bearbeiteten Thema passen und einen vertieften Einblick in die MINT-Arbeitswelt bieten, sind ebenfalls Bestandteil des Programms.

Die besuchten Betriebe nehmen, wie sie selber mitteilen, gerne ihre Chancen wahr, um Werbung für ihre Praktikums- und Ausbildungsangebote zu machen. Auch die Berufsberatung der Arbeitsagentur werde einbezogen. Belohnung für so viel Einsatz seien nicht nur die eigenen Arbeitsstücke, sondern auch ein Zertifikat, das die neu gewonnenen Kenntnisse und Fertigkeiten bestätigt und Unterstützung bei Bewerbungen um Praktika und eine Ausbildungsstelle bietet.

Mit viel Spaß bei der Sache

Auch während der Pandemie liefen die Angebote weiter. Analog zum Homeschooling bekamen die Teilnehmenden Experimentierboxen samt Anleitungen nach Hause ( die WZ berichtete ) gesandt. Helpdesks in Form von Videokonferenzen und Chats in Messengertools begleiten die Teilnehmenden auch während der Lockdown-Phasen und dem eingeschränkten Schulbetrieb.

Was nach außen wie ein spielerisches Freizeitangebot wirke, habe vor allem während der Einschränkungen eine besondere Relevanz: viele berufsorientierende Angebote liegen in diesen Zeiten brach. Die Schülerinnen und Schüler können sich aber während der ganzen Zeit orientieren und Kontakt aufnehmen zu einem zukunftsfähigen Berufsfeld, das auch nach der Pandemie gute Arbeitsmarktchancen biete. Das Feedback bestätige jedes Schuljahr aufs Neue, dass bei dem Angebot für sie mehr herauskommt als »nur« ein Zertifikat. Sie hatten ein Schuljahr lang großen Spaß am Experimentieren in den MINT-Berufen und empfehlen das Angebot weiter. Für die Schüler zahlt sich das Angebot aus: Mehr als 50 Prozent der Teilnehmer/innen können sich eine Ausbildung in einem MINT-Beruf vorstellen, sagen die Organisatoren.

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