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Volle Parkplätze und lange Warteschlangen? Von wegen! Als am Montagmorgen die Baumärkte in Friedberg und Bad Nauheim öffnen, hält sich der Kundenandrang in Grenzen. Beengte Verhältnisse sind bei rund 10 000 Quadratmetern Verkaufsfläche auch nicht unbedingt zu erwarten.

Baumarkt-Öffnungen ohne Massenaufläufe

Baumärkte in der Wetterau: Ansturm auf Farbe, Schrauben und Werkzeug bleibt aus

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Keine langen Einkaufswagen-Schlangen vor den Eingängen, kein ewiges Warten in der Kälte: Die Baumärkte dürfen wieder öffnen, doch der Ansturm blieb in der Wetterau aus.

Reinhard Mey hat aus dem Baumarkt einen mythischen Ort der Verlockungen gemacht: »Männer im Baumarkt, während draußen die Frau parkt.« Ein »unbändiges Verlangen« nach »Kneif-, Flach und Rohrzangen« treibt die Herren der Erschöpfung in die heiligen Hallen, wo sie mit Gartengeräten kuscheln und an der Kasse im Vorbeigehen den billigen Werkzeugsatz aus China abgreifen. Das ist pure Romantik, satirisch überspitzt.

Als am Montagmorgen auch in der Wetterau die Baumärkte öffneten, blieb der große Ansturm aus. Kurz vor Acht schoben die Mitarbeiter des Toom-Baumarktes im Gewerbegebiet West die Auslagentische mit Topfblumen nach draußen, stellten Desinfektionsmittel bereit, desinfizierten die Einkaufswagen.

Baumärkte in der Wetterau: „So nötig scheint es dann doch nicht zu sein“

Es gab genügend Parkplätze, viel Abstand statt Gedrängel, und in den wenigen Autos warteten auch keine Ehefrauen; die gingen natürlich mit zum Einkauf. »Ich habe zu Hause gesagt: Wenn da eine riesige Schlange vorm Eingang steht, fahren wir wieder heim«, meinte ein 33-jähriger Bad Nauheimer vor dem Globus-Markt in Friedberg-West. »Ich brauche dringend zwei Türen und Farbe«, sagte er. Seine Partnerin wollte Blumen kaufen: »Ich glaube, viele wissen nicht, dass die Baumärkte wieder geöffnet sind.«

»So nötig scheint es dann doch nicht zu sein«, meinte ein 66-jähriger aus Dorn-Assenheim, der sich über den ausbleibenden Ansturm ebenfalls wunderte. »Bei der momentanen Kälte kommen die meisten wohl erst am Mittag.« Einen 62-Jährigen aus Altenstadt freut das. »Da hat man selbst mehr Platz.« Er will Spachtel und Spachtelmasse kaufen und beim Tierbedarf vorbeischauen. Vorher muss er noch etwas loswerden: »Die Bundesregierung wirkt hilflos«, sagt er und schüttelt den Kopf über das »Versagen« in Berlin. Steigende Infektionszahlen, aber trotzdem Lockerungen, nachdem Monate lang alles geschlossen war - das könne kein Mensch mehr verstehen. Ein Handwerker auf der Suche nach Dübeln bekräftigt das: »Jetzt sollen Spahn und Scheuer eine Task Force bilden! Ich glaub’s nicht. Warum nicht Dick und Doof? Oder Pat und Patachon?«

Baumärkte in der Wetterau: Kundenzahl ist begrenzt

»Ich brauche Maurerschnur und Kanthölzer«, sagt ein 58-jähriger Friedberger. Online wollte er das nicht bestellen. »Im Baumarkt kann ich nach der richtigen Größe schauen.« Ein gleichaltriger Handwerker sagt, er habe einen Gewerbeschein, durfte also auch im Lockdown in Baumärkte. Dass der große Ansturm am Montagmorgen ausblieb, hänge vielleicht damit zusammen, dass die Öffnung relativ kurzfristig angekündigt worden sei. »Die Leute wissen das nicht.« Oder sie hätten sich an die geschlossenen Geschäfte gewöhnt.

Eine 67-jährige Frau, die im Baumarkt LED-Leuchten, Türbeschläge, Holzpaneelen für den Garten und einen Rauchmelder sucht, sagt, manches hätte sie auch online bekommen. »Aber das mache ich nie. Ich unterstütze lieber den heimischen Einzelhandel.«

Peer Szabo, Marktleiter des Toom-Baumarktes in Friedberg, freut das. Während des Lockdowns bot sein Markt wie alle anderen auch »Click and Reserve« an: Mit einem Klick im Internet die Ware bestellen und vor Ort abholen. Das habe funktioniert. Viele ältere Kunden aber scheuten vor dieser Art des Einkaufs zurück. Jetzt hätten die Kunden genügend Platz, sagt Szabo. »Wir haben hier 11 000 Quadratmeter Fläche, die Kundenzahl ist begrenzt.« Am Eingang steht ein Sicherheitsmann, alle Hygienemaßnahmen würden befolgt, die Kunden müssten keine Bedenken haben.

Wetterau: Buchhandlungen können aufatmen

Die Sicherheit ihrer Kunden ist auch den Buchhandlungen wichtig. »Wir können 40 Personen einlassen, pro Kunde stehen 10 Quadratmeter zur Verfügung«, sagte Buchhändlerin Astrid Duch von der »Buchhandlung am Park« in Bad Nauheim. »Wir hatten mit einem großen Ansturm gerechnet. Wenn alle die, die letzte Woche angerufen haben, heute vorbeigekommen wären, wäre es voll geworden.« Aber das blieb aus. Die Kunden hatten auch hier genügend Platz und Zeit zum Stöbern. »Ist doch was anderes, ein Buch in der Hand zu halten«, sagte eine Kundin. »Im Internet nach Leseproben zu suchen, macht keinen Spaß. Ein Besuch in der Buchhandlung schon.«

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