Drücken wir es mal so aus: Dem Spreng-Brunnen in der östlichen Altstadt von Friedberg wurde nicht die kunsthistorische Anerkennung zuteil, die er verdient hätte. Als die Technik versagte, verstopften die Wasserleitungen. Jetzt soll er abgebaut und durch einen Baum samt Rundbank ersetzt werden. Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen.
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Drücken wir es mal so aus: Dem Spreng-Brunnen in der östlichen Altstadt von Friedberg wurde nicht die kunsthistorische Anerkennung zuteil, die er verdient hätte. Als die Technik versagte, verstopften die Wasserleitungen. Jetzt soll er abgebaut und durch einen Baum samt Rundbank ersetzt werden. Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen.

Altstadt-Brunnen wird abgebaut

Baum und Bank sollen Figurenstele ersetzen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Über den Spreng-Brunnen in der Friedberger Altstadt wurde schon gestritten, da stand er noch gar nicht. Jetzt soll er abgebaut und durch einen Baum samt Bank ersetzt werden.

Er sollte »ein humanistisch geprägtes Bildungsprogramm« präsentieren: Im Oktober 1987 wurde auf dem Fünf-Finger-Platz in der östlichen Friedberger Altstadt ein Brunnen eingeweiht. Das Werk des Münchner Kunstprofessors Blasius Spreng besteht aus einer runden Brunnenschale (der Durchmesser von 3,50 Meter erinnert an die alte »Friedberger Rute«, ein Maß im Tuchhandel) und einer Figurenstele. Die Figuren sind mehr als nur Zierde. Eine Frau mit Kind und Katze symbolisiert Mütterlichkeit und Wachstum, ein Bauer mit Kindern und Hund spielt auf die ländliche Wetterau an. Die Eule steht für Weisheit, die Kröte für Fruchtbarkeit, der Fisch für den Glauben.

Die oberste Figur, ein Hahn, werde die Anwohner jeden Morgen wecken, und aus den Brunnenrohren werde an Feiertagen Wein, Apfelwein und Bier fließen, witzelten die Kritiker. Der Brunnen spuckte dann doch nur Wasser aus (bis die Technik versagte), bald musste der Hahn den Dienst quittieren. Ein Magistrats-Protokoll von 1988 vermerkt den Diebstahl der Figur. Auch ein Rabe fehlt, ein Figurenrahmen wurde abgebrochen.

Bald waren die Rohre verstopft, das Wasser wurde abgestellt, die Brunnenschale diente als Mülleimer. Vor zwei Jahren beschlossen die Stadtverordneten, den Brunnen zu sanieren. Die Brunnenschale besteht aus Beton. Auch die Zuleitungen zu den Brunnenfiguren wurden 1987 einbetoniert. Das stellte sich nun als großes Manko heraus. Im September 2019 sollten die zwölf Zuleitungen frei gespült werden. Das gelang nur in drei Fällen, zwei Speier zeigten »ansatzmäßig einen minimalen, drucklosen fadenförmigen Wasserauslass«. Damit sind Springbrunnen-technisch keine großen Sprünge zu machen.

Das Amt für Stadtentwicklung schlägt daher vor, den Brunnen zu demontieren (und nicht etwa zu »sprengen«, wie sein Name nahelegt) und die Brunnensäule mit den Figuren im Rathauspark aufzustellen, samt einer Rundbank.

Grüne fordern Bürgerbeteiligung

Spannender ist die Frage, wie der Fünf-Finger-Platz künftig gestaltet wird. Der Brunnen mit dem Rand zum Draufsitzen war bis zum Lockdown ein beliebter Treffpunkt für Bewohner und Besucher der Altstadt. An seiner Stelle soll eine Rundbank aus Beton mit Holzauflage stehen, ähnlich jener im Rathauspark vor dem Standesamt. In der Mitte soll ein Gingko gepflanzt werden.

Doch es gibt ein Problem. Mit dem Künstler (der vor der Enthüllung des Brunnen verstarb) wurde seinerzeit ein Vertrag abgeschlossen, der die Urheberrechtsproblematik nicht erwähnt. Somit greift das Urheberrecht, das bei den Erben liegt. Will die Stadt eine Änderung vornehmen, benötigt sie eine Einwilligung.

Geld für den Abbau ist vorhanden. 2018 wurden für die Sanierung 115 000 Euro in den Haushalt eingestellt. 111 000 Euro sind noch übrig; damit könnten gleich mehrere Brunnen demontiert werden.

Im Ortsbeirat der Kernstadt wurde am Mittwochabend kontrovers über die Sache diskutiert. Martina Pfannmüller (CDU) lehnte eine Rundbank ab. Wie vor dem Fünf-Finger-Treff, wo eine Bank stand, werde sich ein »Feiertreff« entwickeln und für Lärm in der Nacht sorgen. Dem widersprach Rudi Mewes (Grüne): »Sollen wir dort die Lebensqualität reduzieren? Nein.« Die Anwohner sollten in die Gestaltung einbezogen werden, forderte Dr. Nicolas Hollmann (Grüne), während sein Parteikollege Carl Cellarius einen Gingko (»Das ist kein einheimischer Baum«) ablehnte.

Dr. Christiane Pfeffer, Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen, machte deutlich, dass es sich hier gewissermaßen um eine »Rettungsaktion« handelt. Die Leitungen seien irreparabel, die Brunnenschale werde abgerissen, die Stele solle als Kulturdenkmal erhalten bleiben. Deshalb wurde der ursprüngliche Vorschlag von Bernd Fleck (CDU), die Stele vor dem neuen Technischen Rathaus (Mainzer-Tor-Anlage 8) aufzustellen, abgeändert. Im Rathauspark sei die Stele eher geschützt. Andernfalls kämen noch mehr Figuren abhanden.

Das, hieß es im Ortsbeirat, sei auch dann zu befürchten, wenn die Erben den Vorschlag der Stadt ablehnen. Dann bliebe vorerst alles beim Alten. Für die Gestaltung der Altstadt wäre das kontraproduktiv. »Wir brauchen die Genehmigung«, sagte Ortsvorsteher Norbert Simmer (CDU).

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