Ray Barracks: Ein autofreies Wohnquartier?

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Friedberg(pm). Im Beteiligungsverfahren (ISEK) hatten sich viele Friedberger für eine Planung des künftigen neuen Wohnviertels "Ray Barracks" mit weniger Autoverkehr ausgesprochen. Was möglich ist und was frühzeitig in der Planung beachtet werden muss, stellte Eric Kruzycki vom Verkehrsclub Deutschland auf Einladung der Grünen in einer öffentlichen Veranstaltung auf dem Elvis-Presley-Platz vor: Mit seinem aktuellen Projekt "Wohnen leitet Mobilität" zeigt der VCD die Vorteile einer umfassenden Zusammenarbeit von Wohnungswirtschaft, Mobilitätsdienstleistern und kommunaler Verwaltung: Gemeinsam ließen sich intelligente Formen von Mobilität am Wohnort ermöglichen und bezahlbar gestalten.

Anhand von Beispielen erläuterte Kruzycki Vorteile autofreier Quartiere: Ein durchschnittlicher Stellplatz benötige eine Fläche von 12 Quadratmetern, was in etwa der Größe eines Kinderzimmers entspreche. Riesige Flächen könnten also deutlich sinnvoller genutzt werden. Gleichzeitig würden Kosten für nicht benötigten Parkraum gespart. Verkehrslärm und Feinstaubbelastung sei in autofreien Quartieren so gut wie nicht vorhanden. Vor allem für Familien mit Kindern sei eine solche Wohnsituation sehr attraktiv.

Notwendig für die Akzeptanz dieses Konzepts sei eine gute ÖPNV-Anbindung. Mit übertragbaren Fahrkarten ("Mietertickets") zur gemeinsamen Nutzung bei Einzelfahrten oder durch Abonnements mit Kostenvorteil durch Großkundenrabatte könne man die Attraktivität dieser Art der Beförderung steigern.

Sichere Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder sollten eine Selbstverständlichkeit sein, Leihfahrräder (auch Lastenräder) seien eine gute Ergänzung und, falls man doch mal auf ein Auto angewiesen sei, sollte der nächste Carsharing-Anbieter nicht zu weit entfernt sein.

Verkehrswege - insbesondere für Einsatzfahrzeuge oder Abfallwirtschaft - müssten dennoch angelegt werden, aber mit deutlich geringerem Platzbedarf. Häufig würden autofreie Quartiere vom umliegenden Stadtgebiet zusätzlich als Naherholungsraum genutzt, was die Attraktivität Friedbergs steigern könnte.

Für ein solches Vorhaben brauche es Mut in der Politik, geeignete Rahmenbedingungen (wie flexiblere Stellplatzsatzungen) zu schaffen, und die Bereitschaft, auch mal etwas Neues zu wagen.

"Wir Grüne wären sofort bereit, diesen Weg zu beschreiten, und hoffen, dass sich ein Teil der übrigen Fraktionen im künftigen Parlament einen Schritt hin zu dieser zukunftsorientierten Art des Wohnens vorstellen kann", sagte Stadtverordneter Bernd Stiller.

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