Bald ein historisches Foto: Die Fußgängerunterführung im Friedberger Bahnhof kann nicht saniert werden, der Untergrund ist dafür nicht stark genug.
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Bald ein historisches Foto: Die Fußgängerunterführung im Friedberger Bahnhof kann nicht saniert werden, der Untergrund ist dafür nicht stark genug.

Umbaumaßnahmen

Bahnhof Friedberg: Umfangreiche Bauarbeiten stehen an

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Der Umbau des Friedberger Bahnhofs wurde in zwei Bauabschnitte aufgeteilt. Es muss ein neuer Fußgängertunnel geplant und gebaut werden; auch ein Durchstich nach Fauerbach wäre dann möglich.

Der Friedberger Bahnhof soll schon seit Jahren behindertengerecht umgebaut werden. Die Planungen laufen, dazu gehören auch Bodenuntersuchungen. Im Bereich der Personenunterführung sollten tiefere Bohrungen noch ausstehende Boden-Kennwerte bestätigen. Im Vorfeld habe es keinerlei Hinweise auf mögliche schlechte Werte gegeben, die Bohrungen seien das übliche Vorgehen, teilte die Bahn der Stadt mit. Es habe sich lediglich um »eine Absicherung der Werte für die finale Statik« gehandelt.

In Friedberg allerdings zeigte sich, dass die Boden-Kennwerte nicht, wie angenommen, ausreichend sind, »um bei den geplanten massiven Einschnitten in die Wände der Personenunterführung deren Standsicherheit nachzuweisen«. Die Standsicherheit der Unterführung könne sowohl für die Bauphase, als auch für den späteren Endzustand nicht nachgewiesen werden.

Bahnhof Friedberg: Wo der Tunnel gebaut werden muss, steht noch nicht fest 

Das heißt: Ein komplett neuer Personentunnel muss gebaut werden. An welcher Stelle genau, steht noch nicht fest. Ohne einen Neubau sei der Einbau von Aufzügen und der Bau der neuen Treppenöffnungen nicht möglich. Deshalb werde die Maßnahme in zwei Bauabschnitte aufgeteilt. Im ersten Bauabschnitt, der am 24. August beginnen soll, werden die Bahnsteige erneuert. Das reicht von der Bedachung über die elektrischen Anlagen bis zur Entwässerung. Ein taktiles Leitsystem wird eingebaut, neue Lautsprecher und Fahrtanzeigetafeln werden installiert, die Bike-und-Ride-Anlage soll verlegt werden, die Eilguthalle samt Rampe wird abgerissen.

Für den zweiten Bauabschnitt, der im wesentlichen den Neubau der Unterführung samt dem Einbau der Aufzüge beinhaltet, gibt es bislang weder eine Planung, noch wurde festgelegt, wo der Tunnel gegraben wird. Deshalb sind die Angaben der Bahn zum Zeitplan und zu den Kosten notgedrungen vage. Die Bahnstrecke muss zeitweise gesperrt werden, Sperrpausen wurden noch nicht beantragt. Daher rechnet die Bahn frühestens 2024 mit dem Beginn des zweiten Bauabschnitts.

Die Stadt Friedberg muss sich an den Kosten des Umbaus beteiligen. Das betrifft laut Bürgermeister Antkowiak aber noch nicht den ersten Bauabschnitt. Die Gesamtkosten steigen durch den Tunnelbau um 3,3 auf rund 5,5 Millionen Euro. Dazu könnten noch 1,3 Millionen Euro für »Anpassungsarbeiten« kommen.

Bahnhof Friedberg: Zwischenzeitlich wurde auch an eine Brücke gedacht 

Für die Stadt ergibt sich dadurch zweierlei: Der Bau des neuen Busbahnhofs verzögert sich, da der neue Standort der Unterführung noch nicht feststeht. Und: Die Unterführung kann theoretisch bis nach Fauerbach verlängert werden. Bürgermeister Antkowiak sprach von einem »möglichen dritten Bauabschnitt«. Das Bürgerbündnis WIR hatte sich für den Tunnel stark gemacht und in Fauerbach Unterschriften für das Vorhaben gesammelt.

Zwischenzeitlich war auch an eine Brücke über die Bahngleise gedacht. Als dies im Sommer 2019 in den politischen Gremien diskutiert wurde, hieß es, eine Brücke müsse einen Höhenunterschied von bis zu 17 Metern bewältigen. Soll sie barrierefrei werden, müsste eine Rampe von 350 Metern gebaut werden. Außerdem fehlt laut Bahn AG auf dem Friedberger Bahnhof der Raum für die Brückenstützen; umfangreiche Gleisumbauten und -verlegungen wären nötig. Daher wurde diese Idee nicht weiter verfolgt.

Bahnhof Friedberg: Stadt müsste den Tunnel selbst planen

Klar ist, dass die Stadt den Durchstich nach Fauerbach planen und bezahlen müsste. Die Bahn AG will aber, falls sich die Stadt hierfür entscheidet, die Voraussetzungen dafür schaffen. »Wir werden keinerlei Planung übernehmen, stehen aber jederzeit zur Koordination zur Verfügung«, teilt die Bahn AG mit, macht aber auch deutlich: Wenn die DB auf die Planung der Stadt warten müsse, werde sich der Bau noch weiter verschieben, da die Stadt ein eigenes Planrecht benötige.

Als Bürgermeister Antkowiak im Stadtparlament die Möglichkeit des Tunneldurchstichs erwähnte, gab es Applaus aus den Reihen der Grünen.

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