15 Corona-Testzentren gibt es in Hessen. Das nächste für Wetterauer ist unter anderem das an der Rivers-Sporthalle in Gießen. Noch im Oktober soll ein neues Testzentrum in Reichelsheim eröffnen.
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15 Corona-Testzentren gibt es in Hessen. Das nächste für Wetterauer ist unter anderem das an der Rivers-Sporthalle in Gießen. Noch im Oktober soll ein neues Testzentrum in Reichelsheim eröffnen.

Allgemeine Verunsicherung

Grippe oder Corona? Test-Ärger lässt Mutter aus Bad Nauheim verzweifeln

  • vonKatharina Gerung
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Ein Corona-Test hilft denen, die akut behandelt werden müssen, nicht. Eine Bad Nauheimerin wurde mit ihrem kranken Sohn mehrmals abgewiesen. Hilfe fand sie bei einer Ärztin in Butzbach.

  • Als ihr Sohn erkrankt, schrillen bei einer Frau aus Bad Nauheim (Wetterau) die Alarmglocken.
  • Ihre Angst: Der Filius könnte Corona haben. Doch an einen Test zu kommen, ist schwerer als erwartet.
  • Hilfe findet die besorgte Mutter erst bei einer Ärztin in Butzbach (Wetterau)

Bad Nauheim - Mehr als ein halbes Jahr ist seit der ersten bestätigten Corona-Infektion im Wetteraukreis vergangen. Doch noch immer sind sich viele Wetterauer nicht wirklich sicher, wie sie bei einem Verdacht auf das Virus verfahren sollen. Während der vergangenen Monate zumindest waren Husten, Fieber und allgemeine Angeschlagenheit oft eindeutige Symptome. Mit der bevorstehenden Erkältungszeit und Grippesaison jedoch werden diese häufiger auftreten.

Hat mein Sohn nur eine Erkältung, einen Grippe oder doch Corona? Diese Frage stellte sich auch Melanie Hinze aus Bad Nauheim zunächst. Nachdem sich die Symptome des 16-Jährigen nach einigen Tagen Krankenbett mit Husten und Fieber um Geschmacks- und Geruchsverlust erweiterten, schrillten bei der Mutter die Alarmglocken. Wie vielfach empfohlen, meldete sie sich zunächst telefonisch beim Hausarzt der Familie. Dieser jedoch behandelt keine Patienten mit Corona-Symptomen und verwies sie deshalb an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD). Weil das Fieber des Jugendlichen nicht sank, fuhr die mit Sorgen erfüllte Mutter direkt dort mit ihm hin - um dann wieder vertröstet zu werden.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst Wetterau: Keine Behandlung bei Corona-Symptomen

Eher gleichgültig, so beschreibt es die Bad Nauheimerin, sei ihr dort mitgeteilt worden, dass aufgrund fehlender Schutzausrüstung weder eine Untersuchung noch ein Corona-Test stattfinden könne. »Mir wurde dann ein Zettel mit Adressen von Testzentren in die Hand gedrückt«, sagt Hinze, »und das war’s.« Auch der verzweifelten Bitte, eines davon für sie zu kontaktieren, sei nicht nachgekommen worden. »Corona oder nicht. Man muss einem kranken Kind doch wenigstens versuchen, zu helfen«, sagt Hinze, die sich noch genau daran erinnert, wie hilflos sie sich in diesem Moment gefühlt hat.

Das Verhalten des diensthabenden Arztes an jenem Tag stößt bei Hinze auch deshalb auf Unverständnis und Frust, weil sie weiß, dass ein ärztlicher Bereitschaftsdienst eigentlich mit einer Schutzausrüstung ausgestattet sein müsste. Eine Tatsache, die auch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) auf Nachfrage bestätigt. So könne es zwar sein, dass diese einmal fehle, Standard sei sie trotzdem.

Wetteraukreis: Zuspitzung der Situation im Herbst und Winter möglich

Vom ÄBD Wetterau gab es bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels keine Stellungnahme. Die KVH betonte allerdings auch, dass ein ärztlicher Bereitschaftsdienst nicht per se Anlaufstelle für Corona-Tests oder Untersuchungen darauf sein sollte. Laut KVH sei es richtig, zunächst den eigenen Hausarzt oder die ÄBD-Hotline (116 117) telefonisch zu kontaktieren. Werde dann allerdings auf ein Testzentrum verwiesen, sei dem Folge zu leisten.

Hinze und ihrem Sohn ging es aber nicht nur um ein Testergebnis. Sie wollten vor allem Hilfe für die akuten Beschwerden. Das Problem: Nur mit einem Corona-Test können die Symptome eindeutig von denen einer Grippe oder eines grippalen Infekts differenziert werden. Die Symptome ähneln sich vor allem zu Beginn der Erkrankung. Eine Unterscheidung ist aber für die weitere Behandlung wichtig. Bis dahin weisen viele Ärzte Patienten mit Anzeichen eines Infektes ab. Eine Situation, die sich nun zuspitzen könnte.

Zur Einschätzung: Das RKI ging im vergangenen Jahr davon aus, dass in der Saison 2018/2019 gut 3,8 Millionen Deutsche wegen einer Grippe beim Arzt waren. Im Jahr davor seien es sogar doppelt so viele gewesen.

Wetterauer Hausärzte: Infektambulanz bei Dr. Michaeli in Butzbach

Müssen all diese Patienten nun zuerst auf ein negatives Testergebnis warten, um behandelt zu werden? Ganz so drastisch ist es nicht. Auch Hinzes Sorge, mit einem kranken Kind diverse Testzentren abklappern zu müssen, blieb unbegründet. Viele Hausärzte untersuchen nach wie vor Patienten mit Infektsymptomen. Unter ihnen Dr. Charlotte Michaeli in Butzbach - bei ihr fand auch Hinze schließlich Hilfe. Als eine der wenigen Praxen im Kreis bietet ihre schon auf der Homepage Corona-Tests und Untersuchungen für Patienten mit Infektionszeichen an. Für Verdachtsfälle wurde schon zu Beginn der Pandemie eigens eine kleine separate Infektambulanz eingerichtet.

»Ein Test hilft den Patienten, die dringend behandelt werden müssen, nicht«, erklärt Michaeli. Wer etwa einen eitrigen Hals und zudem Grippesymptome habe, müsse dennoch untersucht werden. »Diese Patienten leiden. Sie können nicht erst auf ein negatives Testergebnis warten.« Jeder Patient, der ihre Praxis nun aufsucht, wird an einem Fenster zunächst gefragt, ob er Symptome eines Infektes hat. Danach wird entschieden, ob eine Untersuchung oder lediglich ein Abstrich nötig ist. Die Tests werden dann in einem überdachten Außenbereich durchgeführt. Die Untersuchung der Verdachtsfälle erfolgt in einem abgetrennten Bereich der Praxis mit separatem Eingang - jeweils in Schutzausrüstung. »Um Corona auszuschließen, machen wir bei allen Infektpatienten einen Test«, sagt die Ärztin. Bei über 95 Prozent seien die Ergebnisse negativ - so auch bei Hinzes Sohn.

Wie sich Grippesaison und Pandemie gegenseitig bedingen werden, kann auch Michaeli nicht sagen. Sie geht davon aus, dass der Bedarf an Tests deutlich steigen wird. Um ihren Patienten weiterhin eine Behandlung garantieren zu können, erweitert sie gerade ihre Infektambulanz.

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