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Bad Nauheim: Radwege-Bau bremst Autos aus

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Von: Jürgen Wagner

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Die Frankfurter Landstraße in Bad Nauheim ist seit Dienstag stadtauswärts in Richtung Friedberg für einen Monat komplett gesperrt; die Gegenrichtung ist befahrbar. Wer in die Kreisstadt will, muss über die B 3 oder über Schwalheim fahren. Die Stadt Friedberg lässt hier einen Radweg bauen. © Nicole Merz

Die Lücke im Radweg zwischen Friedberg und Bad Nauheim wird geschlossen. Die Frankfurter Landstraße ist in einer Richtung komplett gesperrt. Nicht alle Autofahrer finden die Umleitung.

Man könnte das, was bei Straßensperrungen stets zu beobachten ist, als Pfadfinder-Syndrom bezeichnen: Auf Teufel komm raus versuchen Autofahrer, einen alternativen Weg von A nach B zu finden, verheddern sich dabei aber im Gestrüpp. Der Vergleich hinkt zugegebenermaßen. Pfadfinder gehen bei Erkundigungen behutsam und wohlüberlegt vor, das lässt sich nicht von allen Autofahrern sagen.

Die Frau in dem Wagen mit Bitburger Kennzeichen jedenfalls hatte gestern Morgen gegen 8 Uhr offensichtlich die Orientierung verloren. Sie war bestimmt nie bei den Pfadfindern gewesen. Wie viele andere Autofahrer nach ihr war sie von der Frankfurter Landstraße in die Feldbergstraße abgebogen; dort verhindert eine Absperrbake die Weiterfahrt in Richtung Friedberg.

Sie fuhr um den großen Parkplatz von Ford Kögler herum, übersah wissentlich oder auch nicht das Verbotsschild und steuerte über den schmalen Schotterweg geradewegs die Fußgänger- und Radfahrerbrücke an. Die hat, das nur nebenbei, überregionale Bedeutung, handelt es sich doch um ein technisches Pilotprojekt: Die Fahrbahnplatte der Brücke besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff. 137 Sensoren messen Temperatur, Feuchtigkeit und Dehnung der Brücke. Jede Wette: Das dürfte für die Dame aus Bitburg mit Sicherheit ohne jeglichen Belang gewesen sein. Letztlich wurde sie von einem rot-weißen Absperrpfosten gestoppt und musste umdrehen.

Eine Sperrung mit Folgen

Seit Dienstagmorgen wird die Lücke im Radweg zwischen Friedberg und Bad Nauheim geschlossen. Arbeiter haben mit Vermessungsarbeiten begonnen. Der Abschnitt, wo gebaut wird, liegt zwar von der Kreuzung aus gesehen auf Bad Nauheimer Seite, gehört aber zur Friedberger Gemarkung (während ein Teil des Friedberger Gewerbegebiets »Gießener Straße« auf Bad Nauheimer Gebiet liegt; alles recht verwirrend in dieser Ecke).

Die Sperrung blieb nicht ohne Folgen. Den ganzen Tag über bogen Autos oder auch Kleinlaster in die Feldbergstraße ein, drehten eine Sightseeingtour durch das Gewerbegebiet »Auf dem Schützenrain« und waren nachher vermutlich genauso schlau wie zuvor. Das Problem: Die Vollsperrung ist ungenügend ausgeschildert. Ein Hinweisschild in Höhe der Schwalheimer Straße weist mit einem Pfeil den Weg geradeaus Richtung »Friedberg-Ost«, von einer Umleitung erfährt man hier nichts.

Erst einige hundert Meter weiter an der Abfahrt nach Schwalheim ist das Schild, das nach Friedberg weist, mit einem roten Balken durchgestrichen. Danach folgt erst wieder vor der Feldbergstraße die Absperrbake. Das dürfte viele Autofahrer verwirrt haben und noch weiterhin verwirren.

Immerhin wurde an die Radfahrer gedacht: Am Ende der Feldbergstraße werden sie mittels eines Umleitungsschildes auf den Schotterweg hingewiesen, der - Geheimtipp unter Radfahrern - zwar hüben wie drüben teilweise recht holprig ist, aber immer noch sicherer als eine Fahrt mit dem Fahrrad über die große B 455-Kreuzung. Der neue Radweg wird am Rand der rechten Fahrbahn gebaut, nimmt auf Bad Nauheimer Seite einen bestehenden Radweg auf und führt auf Friedberger Seite in der Gießener Straße ebenfalls auf einen Radweg. Dies ist der direkte Weg, die Route über die Glasfaserbrücke ist zwar sicherer, aber auch länger und, wie gesagt, holprig.

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