Matthias Pollmeier (l.) und Uwe Gerhardt freuen sich über die Auszeichnung ihrer Naturschutzprojekte im "Wald der Baumriesen und Wildkatzen" mit dem symbolischen "Baum der Vielfalt". FOTOS: ANNETTE HAUSMANNS
+
Matthias Pollmeier (l.) und Uwe Gerhardt freuen sich über die Auszeichnung ihrer Naturschutzprojekte im "Wald der Baumriesen und Wildkatzen" mit dem symbolischen "Baum der Vielfalt". FOTOS: ANNETTE HAUSMANNS

Artenvielfalt

Auszeichnung für den Wald der Baumriesen und Wildkatzen

  • vonAnnette Hausmanns
    schließen

Das Waldgebiet Buchenborn bietet beste Voraussetzungen für biologische Vielfalt. Naturschutz hat Vorrang vor der Ökonomie. Gleichwohl ist der Wald bei Ockstadt nicht vor dem Klimawandel gefeit.

Ein nebliger Morgen am Hang über Ockstadt. Bei besserem Wetter hätte man vom "Köhlerschlag" aus einen wunderbaren Ausblick über Friedberg und die halbe Wetterau. "Vor drei Jahren hätte man hier vor lauter Fichten gar nichts gesehen", merkt Uwe Gerhardt an. Nach 30 Jahren im Buchenborn-Wald kennt der Revierleiter die 550 Hektar große Fläche wie seine Westentasche. Zusammen mit Matthias Pollmeier, dem stellvertretenden Betriebsleiter und Naturschutzexperten vom Bundesforstbetrieb Schwarzenborn, steht Gerhardt mitten auf diesem Kahlschlag, um Schritte gegen das Waldsterben zu erläutern.

Über hundert Jahre hatte der Fichtenbestand Wind und Wetter getrotzt. Menschen hatten ihn damals aus wirtschaftlichen Gründen angepflanzt. Bei der trockenen Wärme der letzten drei Jahre habe der Borkenkäfer mit den gestressten Bäumen aber ein leichtes Spiel. Natürliche Baumart in dieser Lage wäre die Buche, den fürs Gedeihen nötigen Halbschatten würde sie auf dem leergefegten Südwesthang aber nicht finden.

Deshalb wolle man ergänzen, was die Natur bringt, erklären die Forstwirte. Sie setzen auf eine "klimaplastische" Vielfalt im Wald, auf heimische Arten, die mit den Gegebenheiten gut klarkommen. Der Plan sieht eine bunte Mischung aus Ahorn, Eiche und Esskastanie, Wildkirsche, Elsbeere, Speierling, Linde, Walnuss und Tanne vor. Auf dem "Kahlschlag" sollen mit großen Zwischenräumen kompakte, gemischte "Baum-Trupps" gepflanzt werden. Die Fläche sich selbst zu überlassen, halten die Fachleute für kontraproduktiv. Egal, ob es dann wieder einen Fichtenschlag gäbe oder die Entwicklung gar nicht mehr einschätzbar sei: Sie begreifen die Verwüstung als Chance. "Wir glauben an heimische Baumarten."

Vertrauen in heimische Arten

"In der Vergangenheit mussten wir nicht pflanzen", wissen Gerhardt und Pollmeier um die Herausforderung, Baumschulen zu finden, bei denen sie Hunderte Pflanzen ordern können. "Wir sind dankbar, dass die Landwirtschaftliche Rentenbank uns unterstützt." Das gelte auch für die zahlreichen Naturschutz-Projekte, die der Bundesforstbetrieb mithilfe der Rentenbank in den vergangenen Jahren im Buchenborn-Wald umgesetzt hat. Den ökologischen Wert der über lange Jahre militärisch genutzten Fläche als Hotspot der Biodiversität wurde früh erkannt.

Natur- und Artenschutz werden hier besonders berücksichtigt. Verantwortlich zeichnen die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit ihrer "grünen Konversionsfläche" im Forstrevier Buchenborn und die Rentenbank, die 2016 einen langfristigen Kooperationsvertrag abschlossen. Zu den jährlich bis zu drei neuen Projekten zählen die unlängst vom hessischen Umweltministerium ausgezeichneten "1000 Baumriesen" und das Wildkatzenprojekt "Auf leisen Pfoten" sowie der "Caspar-David-Friedrich-Wald".

Eine Symbiose dieser drei Projekte, die alle mit Artenvielfalt zu tun haben, ist in dem malerischen Waldstück am Winterstein zu bewundern - ein bezaubernd lichter Flecken Erde mit parkartigem Charakter unter riesigen Bäumen, der seinen Namen dem Maler der deutschen Romantik verdankt, als die Waldweide noch verbreitet war. Über 1000 der Baum-Methusalems wurden mit GPS kartiert und Schildchen markiert. "Das ist ihre Lebensversicherung", lächelt Gerhardt. Die vitalen Riesen werden aus der Verwertung herausgenommen, damit sie ihre über Jahrhunderte erprobte Widerstandskraft mittels Eicheln, Bucheckern und Co. vererben und eines "natürlichen Todes" sterben können.

"Dieses Jahr wäre ein Mastjahr", sagt Pollmeier und deutet auf Tausende Eicheln im Gras. "Wir simulieren hier durch Mahd den historischen Hutewald." Licht und Wärme erhöhten die Biodiversität drastisch. Neben weiteren seltenen Pflanzen- und Tierarten kommt hier die Wildkatze ins Spiel. Ihr Vorkommen sei der Indikator schlechthin für ein intaktes Biotop, erläutern die Forstleute. Die streng geschützte "Zeigerart" liebe Licht im Wald und gute Verstecke.

Totholz bietet viele Verstecke

Beides sei im Caspar-David-Friedrich-Wald mit den Baumriesen und viel Totholz gegeben. "Der Buchenborn war eine der letzten ›Kinderstuben‹ der Wildkatze", sagt Pollmeier. Mit Baldrian besprühte Lockstäbe könnten helfen, Verbreitung und Bewegung der scheuen Tiere zu dokumentieren: Sie reiben sich an den mit Drahtbürsten versehenen Stäben, um ihr Revier zu markieren. Feinste Härchen bleiben hängen und werden im Senckenberg-Forschungsinstitut genetisch untersucht. Als UN-Dekade-Projekt wurden die Projektpartner BImA und Rentenbank jetzt für ihren "Wald der Baumriesen und Wildkatzen" mit dem "Baum der Vielfalt" vom hessischen Umweltministerium ausgezeichnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare