"Friedberg lässt lesen"

Außergewöhnliche Liaison

  • VonHarald Schuchardt
    schließen

Einer der bekanntesten deutschen Schauspieler war zu Gast bei »Friedberg lässt lesen«: Walter Sittler, An seiner Seite: Schauspielkollegin Barbara Auer. Sie boten einen vergnüglichen Abend.

Friedberg (har). Einer der bekanntesten deutschen Schauspieler war am Sonntagabend zu Gast bei »Friedberg lässt lesen«: Walter Sittler, Und das bereits zum dritten Mal. Nach seiner Hommage an Dieter Hildebrandt in der Augustinerschule und der gemeinsamen Lesung mit seiner langjährigen Serienpartnerin Mariele Millowitsch in der Stadthalle war der Stuttgarter zusammen mit Schauspielkollegin Barbara Auer - bekannt unter anderem als Kommissarin Lisa Brenner in der ZDF-Serie »Nachtschicht« - in das ausverkaufte Alte Hallenbad gekommen.

Das Duo ist derzeit mit der szenischen Lesung »Unsere Seelen bei Nacht« nach dem Erfolgsroman des 2014 verstorbenen amerikanischen Schriftstellers Kent Haruf auf Lesetour. Die Lesung wird dank der beiden hervorragenden Protagonisten und einigen wenigen aber umso mehr passenden Einspielungen zu seiner höchst vergnüglichen Mixtur aus Hörspiel, Film und Lesung, obwohl beide vom Blatt ablesen.

Gemeinsam gegen die Einsamkeit

Ort des Geschehens ist Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Auer schlüpft in die Rolle der 70 Jahre alten Witwe Addie Moore, die eines Tages unvermittelt bei ihrem ebenfalls verwitweten Nachbarn Louis klingelt und diesem den ungewöhnlichen Vorschlag unterbreitet, doch hin und wieder bei ihr zu übernachten, um etwas gegen die Einsamkeit zu unternehmen.

Nach einigem Zögern lässt Louis sich darauf ein. Es beginnt ein - für den Besucher äußerst vergnügliches - nächtliches Miteinander, bei dem sich die beiden ihre Leben erzählen und das zunächst rein platonisch, ohne »das zu tun, was ohnehin alle denken, dass wir es tun«, wie es Louis einmal treffend beschreibt.

In den langen Dialogen erfahren, die Zuhörer, dass Addie ihre Tochter früh durch einen tragischen Autounfall verloren hat, was die Familie fast zerstört hätte. Louis dagegen erzählt von einer Affäre mit einer Lehrerin, an der auch seine Familie beinahe zerbrochen wäre.

Derweil nimmt der Tratsch in der Stadt zu, was beide mit einem Restaurantbesuch in grellem Outfit noch befeuern. Dank Auer und Sittler können sich die Besucher darin bestens hineinversetzen. Nun wird viel gelacht. Doch diese außergewöhnliche Liaison, bei der irgendwann beide doch noch das »Eine« machen, bekommt eine tragische Wendung.

Addie nimmt ihren Enkel Jamie auf. Das Paar wird auf eine harte Probe gestellt, aber schließlich akzeptiert Jamie die Beziehung der beiden, ganz im Gegensatz zu Addies Sohn, der seine Mutter vor die Entscheidung stellt: Jamie oder Louis. Sie entscheidet sich für ihre Familie, zieht zu ihnen. Beide sind nun wieder einsam, können jedoch nicht voneinander.

Nach einem Unfall Addies und einem spontanen Besuch von Louis in der Klinik finden sie wieder zueinander, nun jedoch am Telefon. Liebevoll telefonieren die beiden nachts stundenlang miteinander. Das Licht im Saal wird langsam dunkel, ein ruhiges Liebeslied wird eingespielt, und so endet die Lesung romantisch, entspannt und ruhig - bis der nicht enden wollende Beifall der Besucher einsetzt.

Immer wieder kommen Barbara Auer und Walter Sittler auf die Bühne, um dann bei strahlendem Sonnenschein vor dem Saal unzählige Autogramme zu schreiben und auch viele Fragen zu beantworten. Sittler: »Diese Atmosphäre in dem noch nicht mal fertigsanierten Gebäude ist einzigartig, ich komme wieder.«

Walter Sittler ist bereits zum dritten Mal bei »Friedberg lässt lesen« zu Gast. Im alten Hallenbad hat er sich Kent Harufs letzten Roman vorgenommen.

Rubriklistenbild: © Loni Schuchardt

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare