Lieblingsplatz

Ausblick zwischen Kirschen in Ockstadt

Bei der Frage, ob ich einen Lieblingsplatz habe, musste ich überlegen. Doch das Grundstück der Familie meines Freundes mit n vielen Kirschbäumen in Ockstadt hat es mir angetan. Von dort habe ich einen wunderschönen Blick über Friedberg.

Die Ockstädter sind ein Völkchen für sich. Als Friedbergerin habe ich nie wirklich viel Zeit hier verbracht. Mit meinen Großeltern bin ich zwar gerne als Kind im Wald wandern gegangen, aber je älter ich wurde, desto seltener war ich hier. Bis ich meinen Freund vor einem Jahr kennengelernt habe. Er und seine Familie sind Ockschter durch und durch. Und natürlich haben sie, wie es sich für richtige Ockschter gehört, Kirschbäume.

Im Sommer war es dann so weit. Die Kirschernte stand an. Mit Eimern, Körben, Leitern und Fleischerhaken ging es hoch zu dem Grundstück seiner Familie. Irgendwo zwischen Hollerkapelle und Feldkreuz. Überall hingen dicke saftige Kirschen. Die Äste waren teilweise so schwer, dass sie abgestützt werden mussten. Auch ich, als jemand die kein Obst mag, habe die Kirschen probiert – und sie schmecken wirklich lecker!

"Skyline" von Friedberg

Allerdings bin ich nicht wirklich zum Ernten gekommen. Von da oben hat man einen wunderschönen Ausblick über Friedberg und Teile der Wetterau. Ganz links ragt der Adolfsturm in die Höhe, in der Mitte sieht man die Stadtkirche und rechts den dicken Wasserturm. Eine wirklich tolle "Skyline" mit Wiedererkennung – und mein persönlicher Lieblingsplatz.

Dank des Ausflugs im Sommer zum Kirschbaumgrundstück habe ich wieder Lust bekommen, raus in die Natur zu gehen. Als Kind bin ich immer gerne mit meinen Großeltern und ihren Freunden im Wald in Ockstadt wandern gegangen. Vorbei an der Werkstatt der Behindertenhilfe Wetterau, fuhr mein Opa auf den Parkplatz direkt am Wald. Von dort ging es dann zu Fuß weiter. Zwischenstopp wurde immer am Wintersteinturm eingelegt und an einer kleinen Hütte mitten im Wald. Überall hat man die Vögel zwitschern gehört und die Bäume rauschen. Zum Schluss sind wir dann meist ins Forsthaus Winterstein, bevor es zurück ging.

Zu allen Jahreszeiten kann man oben bei den Kirschbäumen spazieren gehen, und die Seele baumeln lassen. Schon im Frühling hat mein Freund von der Kirschblüte in Ockstadt geschwärmt. Ich wollte immer schon nach Japan und dort die Kirschblüte sehen. Aber so habe ich sie ja quasi direkt vor der Tür.

Kreuz soll die Kirschbäume schützen

Im Sommer, wenn die Blüte vorbei ist, zwitschern überall die Vögel, die Sonne scheint und alle Bäume hängen voll mit Kirschen – groß, knallrot und saftig. Aber Selbstbedienung ist nicht erlaubt. Die Ockstädter Bauern haben jedes Jahr mit Kirschdieben zu kämpfen. Stibitzt man sich mal eine Kirsche, macht das nicht so viel aus. Allerdings kommen manche Diebe mit Kisten und Eimern und stehlen die roten Früchte kiloweise. Beim Spaziergang durch die vielen Bäume rechts und links kann ich die Sonne richtig genießen und eine Auszeit vom Alltag nehmen.

Im Herbst ist der Ausblick besonders farbenfroh. Überall verfärben sich die Blätter an den Bäumen. Gerade nach dem sehr heißen Sommer ist das Lüftchen hier oben eine willkommene Abwechslung. Aber auch jetzt im Winter genieße ich den Ausblick über Friedberg. Dick angezogen geht es hoch zum Feldkreuz. Das wurde von den Ockstädter Bauern aufgestellt und soll die Kirschbäume schützen. Auf der Tafel am Sockel heißt es: "Vor Blitz und Ungewitter schütze uns o Herr". Von da aus geht es weiter zum Grundstück von meinem Freund und seiner Familie. Allerdings hoffe ich, dass es bald schneit. Dann kann ich gemütlich durch den Schnee stapfen und die verschneite Winterlandschaft genießen.

Für dieses Jahr möchte ich gerne wieder einmal im Ockschter Wald wandern gehen. Wieder den Wintersteinturm hochklettern und ins das Forsthaus Winterstein einkehren. Natürlich werde ich meinen Freund mitnehmen – und natürlich wollen wir zu meinem Lieblingsplatz und spazieren gehen.

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