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Aufräum-Coach verrät: Mit diesen Tricks wird alles ordentlich

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Von: Andreas Matlé

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»Die meisten Menschen trennen sich nur ungern, wenn überhaupt, von Gegenständen«, sagt Anne Naumann. Die Ockstädterin hilft beim Ordnunghalten und bei der Entscheidung, von welchen Dingen man sich dann doch trennen möchte.
»Die meisten Menschen trennen sich nur ungern, wenn überhaupt, von Gegenständen«, sagt Anne Naumann. Die Ockstädterin hilft beim Ordnunghalten und bei der Entscheidung, von welchen Dingen man sich dann doch trennen möchte. © Andreas Matlé

Ordnung halten fällt nicht jedem Menschen leicht. Wer in dieser Disziplin besser werden möchte, kann bei Anne Naumann aus Friedberg nachfragen. Die 33-Jährige ist Aufräum-Coach.

Friedberg – Ordnung in den eigenen vier Wänden schaffen - für viele Menschen ein ähnlicher Graus wie über der jährlichen Steuererklärung brüten. Nicht wenige schieben diese (Pflicht-)Aufgaben so lange hinaus, bis ein Messie-Vorstadium droht oder, im anderen Fall, die Steuerfahndung vor der Tür steht. Zumindest jenen, deren Wohnung oder Haus mal im wahrsten Sinne des Wortes durchgelüftet werden müsste, bietet Anne Naumann aus dem Friedberger Stadtteil Ockstadt ihre Hilfe an, als sogenannter Aufräum-Coach.

»Wer sich dazu durchringt, sich von Gegenständen zu trennen oder bei sich zu Hause richtig Ordnung zu schaffen, hat viel mehr Zeit für die schönen Dinge, die er in Wirklichkeit benötigt«, weiß die 33-Jährige aus eigener Erfahrung und aus den Begegnungen mit ihren Kunden. Selbst der Volksmund lehrt bekanntlich: »Ordnung ist das halbe Leben.«

Aufräum-Coach aus Friedberg hat sich aus Japan inspirieren lassen

»Ich war schon immer ein ordentlicher und organisierter Mensch«, erzählt Anne Naumann. »Das mag daran liegen, dass meine Eltern, die im Büro arbeiten, immer ordentlich waren. Was jedoch nie ins Penible abdriftete.« Sie selbst ist im Freundes- und Bekanntenkreis für ein wohlgeordnetes und zugleich anschauliches Zuhause bekannt. »Wiederholt fragten mich Freunde, ob ich bei Gelegenheit bei ihnen, beispielsweise bei einem Umzug, nach dem Rechten sehen könnte.« Das tat sie gerne, allein schon deshalb, weil sie merkte, dass ihr diese Beschäftigung schlichtweg Freude bereitete.

Dann las sie vom Erfolg der Japanerin Marie Kondo, die mit ihrem Aufräum-Bestseller »Magic Cleaning« und einer sich anschließenden Fernsehserie einen Welterfolg landete. Das Zeichen, das von Tokio ausging, dachte sich Anne Naumann, könnte auch von Ockstadt ausgehen, und sie gründete folgerichtig ein Kleinunternehmen, es heißt »organize yourself«.

Friedberg: Warum sich viele Menschen ungern von Dingen trennen

Bestandsaufnahme. Der Deutsche besitzt im Durchschnitt 10 000 Dinge, und jeder weiß oder ahnt zumindest: Das ist entschieden zu viel. »Die meisten Menschen trennen sich nur ungern, wenn überhaupt, von Gegenständen«, sagt Naumann. »Das mag einerseits in den Erfahrungen der Kriegs- oder Nachkriegsgeneration begründet sein, die aus Prinzip nichts wegwarf, allein aus der Ungewissheit, ob es morgen noch genug gäbe. Ich glaube, das hat sich tief im Verhalten auch der folgenden Generationen eingegraben.«

Bei den Jüngeren dürfte ein weiterer Grund für das unbedingte Festhalten darin liegen, dass man sich beim Wegwerfen eingestehen muss, einst Geld für etwas ohne dauerhaften Wert ausgegeben zu haben. »Natürlich«, räumt sie ein, »sind das Probleme der Konsumgesellschaft.«

Kunden von Aufräum-Coach Naumann lernen loslassen

Eigentlich, findet sie, solle man Dinge nur aus drei Gründen besitzen: Zum Benutzen (beispielsweise Besteck), weil man sie benötigt (etwa den Reisepass) oder weil man sie liebt oder mit ihnen eine besondere Erinnerung verbunden ist (zum Beispiel Schmuck). Und wenn man nach dem Abschied die Treuelosigkeit bereut? »Ich selbst habe das noch nie erlebt, und auch nicht einer meiner Kunden hat davon berichtet. In der Regel trennen sich die Kunden von gut einem Drittel ihrer Gegenstände.«

Ein Problem ist aus Naumanns Sicht, dass viele Gegenstände in den meisten Haushalten keinen festen Platz haben, also bei Bedarf nicht aufzufinden sind. »Jedes Teil, ob wichtig oder weniger wichtig, sollte einen festen Platz haben. Bestimmte Ordnungshelfer wie Schubladentrenner und -einleger, dekorative Boxen oder Aufbewahrungsbehälter helfen.«

Aufräumen: Vor jedem Kauf überlegen, ob man das wirklich braucht

Taucht der Aufräum-Coach beim Kunden auf, werden für den gewünschten Bereich, egal ob Küche oder Kellerraum, alle Schränke bis auf den letzten Gegenstand geleert. »Gemeinsam bespreche ich das mit den Besitzern. Allein dieses Gespräch kurbelt das Nachdenken an, was sie wirklich behalten wollen. Das Trennen fällt dann einfacher.« Beim Wiedereinräumen schlägt Naumann eine Struktur vor, die sich an Praktikabilität wie Ästhetik ausrichtet. Da kein Haushalt mit dem anderen vergleichbar ist, geht Naumann auch bei jedem Auftrag unterschiedlich vor. »Das ist ein Antrieb für mich: Jeweils eine individuelle Lösung zu finden.«

Aber, man ahnt es, neue Gegenstände warten nur darauf, den Haushalt zu besetzen. »Vor jedem Kauf sollte man sich überlegen, ob man das wirklich braucht - ich selbst warte mindestens drei Tage, bevor ich einen größeren Kauf tätige. Und bei den typischen Geschenktagen: Offen ansprechen, was man sich tatsächlich wünscht.« Bevor unerwünschte Gegenstände wieder die Unordnung nähren. (Andreas Matlé)

Wer sich zum Aufräumen durchringen kann, hat häufig ein Problem mit Sondermüll. Da kann das Wetterauer Schadstoffmobil helfen, dass auch in Friedberg haltmacht.

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