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Einen starken Rückgang der Unfallzahlen gegenüber dem Vorjahr meldet das Polizepräsidium Mittelhessen für 2020. Dennoch gebe es weiterhin viele tödliche Verkehrsunfälle auf außerörtlichen Straßen.

Unfallstatistik

2020 deutlich weniger Verkehrstote in Mittelhessen – auch eine Folge der Pandemie

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Weniger Verkehrsunfälle, Verkehrstote und Schwerverletzte: Die Polizeistatistik 2020 zeigt eine erfreuliche Entwicklung – die auch mit Corona zusammenhängt.

Gießen – 19.614 Verkehrsunfälle wurden im Polizeipräsidium Mittelhessen mit den vier Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Wetterau, Lahn-Dill und Gießen sowie auf den Bundesautobahnen im vergangenen Jahr aufgenommen.

Dies bedeutet einen Rückgang von 17,54 Prozent. Die Anzahl der Verkehrstoten sank von 49 auf 42. Gestern stellte Polizeipräsident Bernd Paul die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2020 vor. Weit mehr als die Hälfte aller Verkehrsunfälle machten demnach die Wildunfälle (5201) und die Verkehrsunfallfluchten (5204) aus. Während das Minus bei den Verkehrsunfallfluchten mit 18,25 Prozent deutlich ausfiel, sank die Zahl der Wildunfälle um 7,98 Prozent.

Unfallstatistik 2020 für Mittelhessen Rückgang um über 4000 Fälle

»Die Pandemie hatte im letzten Jahr deutliche Auswirkungen auf die Verkehrsunfallstatistik für Mittelhessen. Diese Entwicklung, die einen Rückgang von etwas über 4000 Verkehrsunfällen ausmacht, bedeutet gleichzeitig den niedrigsten Wert seit Einrichtung unseres Präsidiums vor 20 Jahren«, berichtete Paul.

Trotz dieser positiven Entwicklung müsse man aber auch weiterhin eine hohe Anzahl an Verkehrstoten auf den mittelhessischen Straßen beklagen; 42 Personen kamen bei Verkehrsunfällen im letzten Jahr in den vier Landkreisen und auf den Bundesautobahnen in Mittelhessen ums Leben.

19 Personen, also fast die Hälfte, starben, weil zu schnell gefahren wurde. »Zu hohe Geschwindigkeit ist auch weiter mit fast 20 Prozent die Hauptunfallursache, wenn Menschen verletzt oder getötet werden. Wir wollen unsere Bemühungen weiter verstärken und gegen rücksichtslose Raser konsequent vorgehen«, unterstrich Paul.

Der Verkehr 2020 in Mittelhessen aus Sicht der Polizei: Kontrollaktionen gegen Raser

Beispielsweise habe man am Karfreitag konzentrierte Kontrollaktionen gegen Raser an verschiedenen Brennpunkten in allen vier Landkreisen durchgeführt. Solche Kontrollmaßnahmen seien wichtig und trügen deutlich zur Verringerung schwerer Unfälle bei. »Wir werden in diesem Jahr neben solchen größeren Aktionen auch bei den täglichen Kontrollen die zu hohe Geschwindigkeit im Fokus behalten.«

Von den 42 im vergangenen Jahr bei den Unfällen in Mittelhessen ums Leben gekommenen Personen verstarben. 38 auf Straßen außerhalb von Ortschaften wie Bundesautobahnen und Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen. Auch bei den Personen (624), die bei Unfällen schwer verletzt wurden, verunglückten die meisten Menschen (410) auf Straßen, die sich nicht in einer Ortschaft befinden.

Unfallstatistik für den Wetteraukreis für 2020: Weniger Unfälle mit Fußgängern

Die Gesamtunfallzahlen sind im Landkreis Wetterau erstmals seit fünf Jahren deutlich unter die Grenze von 5000 gesunken. Waren es im Jahr 2019 noch 5214 Verkehrsunfälle, wurden im Jahr 2020 noch 4476 Verkehrsunfälle registriert. »Dabei ist mir sehr wichtig, dass die Unfälle mit tödlich und schwerletzten Personen deutlich gesunken sind. Im Bereich der schwächeren Verkehrsteilnehmer ist besonders erfreulich, dass die Verkehrsunfälle mit Fußgängerbeteiligung um über 50 Prozent abgenommen haben«, erklärte Paul.

Eine ähnliche Konstellation zeige sich bei den Geschwindigkeitsunfällen. Waren diese in den vergangenen Jahren immer eine der Hauptunfallursachen, seien sie 2020 um fast 60 Prozent zurückgegangen. »Das erfreuliche Gesamtergebnis ist auch ein Resultat der kontinuierlichen guten Zusammenarbeit der Polizei mit den Straßenverkehrsbehörden des Landkreises und der Kommunen.«

Polizei zieht Resümee zum Verkehrsjahr 2020 in Mittelhessen: Verkehrsprävention eingeschränkt

Leider sei im vergangenen Jahr die Verkehrspräventionsarbeit stark eingeschränkt, bzw. nicht möglich gewesen. Die Fahrradausbildung im Wetteraukreis wurde allerdings mit kleinen Unterbrechungen angeboten. Sobald es das Pandemiegeschehen zulasse, werde die Verkehrsprävention mit ihren beiden Säulen »BOB« und »MAX« wieder an den Start gehen«, so Polizeihauptkommissar Martin Frank, Leiter des Regionalen Verkehrsdienstes Wetterau.

Die Entwicklung der Gesamtunfallzahlen im Wetteraukreis im vergangenen Jahr sei sehr erfreulich. Vor allem die Unfälle mit schweren Folgen für Leib und Leben seien zurückgegangen. »Mussten wir im Jahr 2019 noch statistisch alle 23 Tage einen Toten (insgesamt 16) im Straßenverkehr beklagen, war das im Jahr 2020 ›nur noch‹ alle 73 Tage der Fall Insgesamt 5).«

Ziel der Polizei Mittelhessen: Trend unabhängig von Corona fortsetzen

Natürlich habe auch die Corona-Pandemie Auswirkungen auf den Straßenverkehr gehabt. So wie die Verkehrsprävention nur eingeschränkt möglich war, führten aber auch die bundesweiten Corona-Maßnahmen zu weniger Verkehr und damit zu weniger Unfällen, weniger schweren und schwersten Folgen.

»Es bleibt jedoch unser Ziel und unsere unermüdliche Bemühung, den positiven Trend unabhängig von Corona weiter zu stärken«, fügte die Leiterin der Polizeidirektion Wetterau, Kriminaldirektorin Anja Fuchs an. Man werde auch 2021 am Konzept festhalten. Fuchs sagt: »Das Bewusstsein für die Sicherheit im Straßenverkehr, unter anderem durch Kontrollen der Verkehrsregeltreue, weiter zu stärken. Diese Kontrollen sind aus unserer Sicht unerlässlich und ein wesentlicher Beitrag für die Verkehrssicherheit. Und sie sind gewiss keine Schikane.«

Verkehrsunfallfluchten im Kreis Wetterau, Gießen und Umgebung: Aufklärungsquote gesteigert

In Bezug auf alle aufgenommenen Verkehrsunfälle im Bereich Mittelhessens macht die Unfallflucht etwas über ein Viertel (26,53 Prozent) aus. »Erfreulich ist, dass die Aufklärungsquote nochmals von 41 auf 43 Prozent gesteigert werden konnte«, erklärte Polizeipräsident Bernd Paul. 2020 wurden 1162 weniger Verkehrsunfallfluchten als noch im vorletzten Jahr registriert. In der Wetterau (ohne Bundesautobahnen) sank die Zahl der Unfallfluchten von 1794 auf 1487.

Fährt ein Unfallverursacher davon, ohne sich um die Schadensregulierung zu kümmern, kann das empfindliche Konsequenzen bis hin zum Entzug der Fahrerlaubnis haben.

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