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Daniel Breutmann zeigt interaktiv und humorvoll, wie man die Gedanken auf die positive Seite lenken kann.

Diplom-Psychologe rät:

Auch in der Krise positive Gedanken machen

  • vonHanna von Prosch
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Die Corona-Krise zehrt vielen an den Nerven. Zukunftsängste nehmen zu. Dennoch rät Diplom-Psychologe Daniel Breutmann zu mehr Gelassenheit. Getreu dem Motto: Die Gedanken sind frei.

Es gibt kaum noch jemanden, dem der Lockdown und die ganze Pandemie nicht auf den Geist gehen. Aber alles Schimpfen und mies machen nützt nichts.

Im Gegenteil: Negative Gedanken ziehen einen nach unten, positive stärken den Geist. Das vermittelt am morgigen Mittwoch, 17. Februar, ein Online-Workshop der Evangelischen Familienbildung Wetterau mit dem Diplom-Psychologen Daniel Breutmann aus Karben.

Negatives darf nicht die Oberhand gewinnen

Durch Homeoffice und Homeschooling doppelt belastete Familien, gefährdete Existenzen durch Geschäftsschließungen, kein Sport, keine Konzerte, keine Besuche, nicht enden wollende Warnungen und Verbote: Das ist Realität, über die man jammern kann. Man kann aber auch versuchen, dem allen eine positive Seite abzugewinnen, zumindest, seine Gedanken positiv zu steuern.

Daniel Breutmann kennt aus seiner Praxis als psychologischer Berater die unterschiedlichsten Krisensituationen. Er will nicht zulassen, dass negative Gedanken die Oberhand gewinnen. Stattdessen sucht er nach individuellen Lösungen durch mentale Stärkung.

Gedanken sind nicht wegzuschieben

»Man kann nicht nicht denken und die Gedanken einfach wegschieben«, erklärt er. »Wenn ich mich mit Problemen beschäftige, sehe ich auch Probleme, und schon bin ich in ihnen gefangen. Wenn ich im Gehirn positive Gedanken aktiviere, habe ich die Chance, auch positive Erfahrungen zu machen.«

Um destruktive Gedanken zum Beispiel nicht mit in den Schlaf zu nehmen, rät er, an eine schöne Vergangenheitserfahrung zu denken: den Strandurlaub, die Radtour in den Bergen, eine Begegnung, ein Erfolgserlebnis. Träume man sich in die Zukunft, werde schon wieder ein Erwartungsdruck aufgebaut.

Eigene Ansprüche überprüfen

Wer jetzt im Familienstress steckt, dem rät er, erst einmal die eigenen Ansprüche zu überprüfen: Sind sie vielleicht zu hoch an sich selbst, an die Familie, die Kinder? »Tempo rausnehmen, runterfahren, sich und die anderen nicht überfordern. Es muss jetzt nicht alles perfekt sein«, meint er.

Man könne neue Rituale entwickeln. Vor allem solle man klären, was man denn voneinander erwarte. Das habe sehr viel mit Selbstfürsorge zu tun, denn das Umfeld leide, wenn es einem selbst schlecht gehe. Gehe es einem gut, profitierten alle davon. Zusammensein hat auch seine schönen Seiten.

Gelassenheit in die Zukunft mitnehmen

»Jede Krise ist Chaos«, sagt Breutmann, »aber wir haben jetzt die Chance, Gesetzmäßigkeiten so zusammenzubauen, dass sie für uns passen.« So gesehen könne man dieser Pandemiezeit durchaus etwas Positives abgewinnen. Das seien sowohl die vielen digitalen Möglichkeiten, die man plötzlich zu nutzen und zu schätzen lerne, als auch Fähigkeiten, die man an sich selbst entdecke.

»Das Positivste ist für mich die Entschleunigung. Wir haben gelernt, in der Schlange beim Bäcker zu warten. Warum sollten wir diese Gelassenheit nicht in die Zukunft mitnehmen?«, ermutigt er, wohl wissend, dass Veränderung wegen des beliebten Verharrens in der Komfortzone immer anstrengend ist.

Dazu hat er den Tipp, sich Marker im Handy zu setzen oder von Zeit zu Zeit mit Freunden die positive Erfahrung zu reflektieren.

Neugier für Neuland wecken

In dem Workshop wird er auch die Selbstverantwortung thematisieren: »Wir waren vor der Pandemie schon Beschränkungen unterlegen. Also sollten wir jetzt nicht jammern über das, was nicht geht, sondern die lange Liste dessen aufmachen, was geht - und zwar eine ganz persönliche.

Es geht darum, das Leben aktiv in die Hand zu nehmen. Viele Dinge können wir nämlich in unserer eigenen Verantwortung gestalten. Damit gewinnen wir auch eine positive Sicht auf das äußere Drumherum.«

Und noch etwas liegt Breutmann am Herzen: Neugier wecken in dem Neuland, das die Menschen in der Krise betreten. Viele Geschäftsleute, Vereine, Trainer machen es vor mit kreativen Ideen: Lieferservice, Homepage, Online-Sporteinheiten und -Schulungen. Wer das zu nutzen weiß, kommt voran. Wie heißt doch das Thema des Workshops: »Die Gedanken sind frei!«.

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