Als Vorzeigeobjekt bezeichnen (v. l.) Rolf Walther, Claudia Hodel und Michael Leicht die Platanen auf dem Elvis-Platz, die regelmäßig bewässert werden müssen. FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Als Vorzeigeobjekt bezeichnen (v. l.) Rolf Walther, Claudia Hodel und Michael Leicht die Platanen auf dem Elvis-Platz, die regelmäßig bewässert werden müssen. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

Trockenheit und Hitze machen zu schaffen

Auch in Friedberg: Überlebenskampf der durstigen Bäume

  • vonHarald Schuchardt
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Vielen Bäumen in den Städten geht es nicht sonderlich gut. Sie kämpfen ums Überleben. Das zeigt sich auch in Friedberg. Die WZ hat mit Experten über die Ursachen gesprochen.

Gleich fünf abgestorbene Bäume beobachtet eine Leserin dieser Zeitung im Bereich Mainzer-Tor-Weg/Am Dachspfad/Karlsbader Straße in Friedberg seit Längerem. Besonders die seit einem Jahr abgestorbene große Kastanie vor einem Mehrfamilienhaus in der Straße "Am Dachspfad" sowie eine graue Fichte ein Stück weiter in der Karlsbader Straße ärgern die Leserin, die in der Nähe wohnt. "Keiner kümmert sich drum. Was sind die Gründe für das Baumsterben? Ist es Wassermangel?", fragt die Friedbergerin.

7002 Bäume aus 30 Arten

"Die anhaltende Trockenheit ist nur ein Grund. Sie sorgt dafür, dass Bäume nicht mehr so resistent gegen Schädlinge sind", sagt Michael Leicht, Leiter der Abteilung Grünplanung im Bauamt. Claudia Hodel vom Sachverständigenbüro Zorn in Usingen nennt den Grund für den katastrophalen Zustand der Kastanie: "Der Baum ist von der Kastanien-Miniermotte befallen." Dies hatte auch Leicht schon vermutet. Kastanien können sich vom Befall dieses Schädlings erholen und im Frühjahr wieder austreiben. Dagegen ist die Fichte in der Karlsbader Straße ein Opfer der Trockenheit. Hodel: "Der Baum ist fertig, da ist nichts mehr zu holen." Warum die Bäume nicht entfernt werden, kann Leicht nicht sagen, denn beide Bäume stehen auf Privatgelände. In diesem Fall ist die Nassauische Heimstätte der Grundstückseigner, der ein Baumkataster führen muss. "Wir haben da keine Handhabe", sagt Leicht.

Natürlich führt die Stadt ein Baumkontrollbuch für alle städtischen Bäume. "Bei der letzten Zählung waren es 30 Arten mit 7002 Bäumen", sagt Gärtnermeister Rolf Walther, der seit zwei Jahren für die Unterhaltung der städtischen Grünflächen zuständig ist. Bedingt durch die Trockenheit in den letzten Jahren geht es den Bäumen schlechter.

"Totholz und Trockenholzabfall nehmen bei vielen Baumarten zu", sagt Hodel. Gleiches gelte für den Schädlingsbefall. Besonders bekannt ist der Eichenprozessionsspinner, da er auch für Menschen gefährlich ist. Doch da kann Walter zumindest für die 374 Eichen auf städtischem Gebiet Entwarnung geben. "Wir hatten in diesem Jahr nur eine Meldung." Die Raupe sei mit einem Biozid aus einer Sprühkanone bekämpft worden. "Das ist ein Bazillus, der die Raupe parazitiert", erläutert Hodel, die auf ein besonderes Phänomen bei Eichen hinweist: "Der Fruchtbehang ist in diesem Jahr extrem hoch, da die Eichen durch die Trockenheit gestresst sind und mehr Früchte produzieren, um so ihre Fortpflanzung zu sichern."

Einige Platanen, vor allem im Bereich des Wasserturms, wurden von einem Schlauchpilz befallen. Das Besondere an diesem Schädling: Er befällt die Oberseite der Blätter und ist daher von unten nicht zu erkennen. "Wir überprüfen die Platanen regelmäßig mit einem Hubsteiger von oben", erläutert Leicht, der - ebenso wie Hodel und Walther - kein generelles Baumsterben in der Stadt sieht.

Positives von den Jungbäumen

Es gibt aber auch Positives zu berichten. So geht es Leicht zufolge den gut 100 Jungbäumen in der Stadt sehr gut. Dazu zählen auch die 18 Platanen auf dem Elvis-Platz, die ebenso wie alle anderen jungen Bäume regelmäßig gewässert werden. "Ich habe gerade eine Beschwerde bekommen, wir würden sinnlos Trinkwasser verbrauchen", sagt Leicht. Dies kommentiert Walther energisch: "Das Wässern trägt dazu bei, dass es den Bäumen gut geht, der ökologische Kreislauf erhalten bleibt." Für Hodel sind die Platanen auf dem Elvis-Platz ein Vorzeigeobjekt. "Junge Bäume zu pflanzen und diese dann nicht zu bewässern, wäre sinnlos. Dann kann man es gleich ganz lassen."

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