Die Haftstrafe für den Angeklagten, hier mit seinem Anwalt Jürgen Häller, ist unter Auflagen auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden.	FOTO: ROHDE
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Die Haftstrafe für den Angeklagten, hier mit seinem Anwalt Jürgen Häller, ist unter Auflagen auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden. FOTO: ROHDE

Tat in Friedberg

Attacke mit dem Flaschenhals: Bewährungsstrafe für 26-Jährigen

  • vonHedwig Rohde
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Nach dem Angriff mit einem Flaschenhals gegen einen 34-jährigen Mann musste sich ein 26-Jähriger am Friedberger Amtsgericht verantworten. Die Tat hatte sich im Juni 2019 ereignet.

Mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die unter Auflagen auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden ist, hat das Schöffengericht am Amtsgericht Friedberg unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange eine Attacke mit abgebrochenem Flaschenhals geahndet.

Zum Zeitpunkt der Tat am 14. Juni 2019 waren sowohl der 26-jährige Angeklagte Marko Senes, als auch sein 34-jähriges Opfer Milan Dragovic (beide Namen von der Redaktion geändert) wohnsitz- und arbeitslos. Dragovic lebte seit zwei Jahren wieder in Friedberg, hatte hin und wieder gearbeitet. Er ist heute in Koblenz zu Hause. Senes, in Friedberg aufgewachsener Serbe, hatte sich nach dem Hauptschulabschuss treiben lassen. In seiner Clique auf dem Konrad-Adenauer-Platz wurde ab dem frühen Vormittag getrunken, zudem wurden illegale Substanzen konsumiert.

Attacke mit Flaschenhals: Wodka, Bier und Cannabis intus 

So auch am 14. Juni 2019. Senes war an diesem Tag in Begleitung seiner 24-jährigen Freundin, einer dreifachen Mutter aus Hattersheim, mit der er inzwischen dort zusammenlebt und ein gemeinsames Kind erwartet. Auf dem Konrad-Adenauer-Platz stieß man auf Dragovic.

Einzelheiten zur Intensität der Bekanntschaft beider Männer ebenso wie zur Ursache des Streits, der am Abend zu der tätlichen Auseinandersetzung führte, blieben während der Verhandlung offen. In jedem Fall ging es um Geld - sei es um 20 Euro, die Dragovic Senes aus dem Kinderwagen der Freundin gestohlen haben soll, sei es um 10 Euro, die Senes Dragovic für zehn Kurzhanteln schuldete und die er in Form von Cannabis »bezahlen« sollte. Unstrittig ist, dass, als Dragovic die Gruppe verlassen hatte, Senes ihm hinterher lief und ihn am Goetheplatz stellte. Beide Männer waren angetrunken. Senes gab seinen Konsum mit einer halben Flasche Wodka und sechs bis acht Bier an, offenbar seine damalige Tagesdosis, und räumte ein, gekifft zu haben. Dragovic will »mehrere Bier« getrunken haben. Offen blieb vor Gericht der genaue Tathergang.

Attacke mit Flaschenhals: Vier Zentimeter lange Schnittwunde

Fakt ist: Senes rastete aus, und Dragovic erlitt durch zwei Stiche mit dem abgebrochenen Flaschenhals eine vier Zentimeter lange Schnittwunde hinter dem linken Ohr sowie eine kleinere Schnittwunde auf dem Kopf. Als seine ihm folgende Freundin ihm zurief, er solle aufhören, ließ Senes von seinem Opfer ab. Dragovic konnte sich losreißen und weglaufen. Beide Wunden waren nicht lebensgefährlich, mussten aber im Krankenhaus genäht werden. Ein Narbenwulst am Hals könnte - so die Schlussfolgerung des Gerichts aus dem Arztbericht - auch darauf zurückzuführen sein, dass Dragovic nach der mehrstündigen Operation »die ärztlichen Anweisungen nicht alle befolgte«, wie Richter Dr. Bange es formulierte.

Mit seinem Urteil folgte das Schöffengericht dem Antrag von Staatsanwältin Mareen Fischer. Die Verwendung eines abgebrochenen Flaschenhalses sei grundsätzlich potenziell lebensgefährlich, weshalb es sich nicht um einen minderschweren Fall handele, hielt das Gericht Verteidiger Jürgen Häller entgegen, der auf die Verhängung einer Geldstrafe beziehungsweise einer Freiheitsstrafe »deutlich unter einem Jahr« plädiert hatte.

Attacke mit Flaschenhals: Training gegen die Aggressionen

Zugute gehalten wurde dem Angeklagten, dass er nicht vorbestraft war, auf Zuruf seiner Freundin die Attacke beendete, weniger trinke, sich vollständig aus seiner Clique gelöst und seine persönliche Situation durch das Zusammenleben mit seiner Freundin stabilisiert habe.

Die Bewährungsauflagen umfassen 120 Stunden gemeinnützige Arbeit binnen eines Jahres, ein Anti-Aggressionstraining und vierteljährliche Drogentests.

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