Laubbläser oder Rechen? Das ist auch eine Frage der Personalkapazitäten. Wird das Laub nicht von Gehwegen entfernt, steht im Bauhof das Telefon nicht mehr still und es hagelt Beschwerden. (Archivfoto)
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Laubbläser oder Rechen? Das ist auch eine Frage der Personalkapazitäten. Wird das Laub nicht von Gehwegen entfernt, steht im Bauhof das Telefon nicht mehr still und es hagelt Beschwerden. (Archivfoto)

Grüne fordern Laubbläser-Verbot

Appell an Bauhof und Stadt Friedberg: Möglichst auf Laubbläser verzichten

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Herbstzeit ist Laubbläserzeit. Überall brummen und lärmen die Dinger, wirbeln Blätter und Keime auf. Das ist nicht gut, sagen die Friedberger Grünen und fordern ein Umdenken.

Friedberg – Laubbläser gelten als perfektes Symbol unserer Zeit: Die Geräte verlagern ein Problem von einem Ort zum anderen, ohne es zu lösen, benötigen dafür wertvolle Energie und machen eine Menge Lärm. Dieser im Internet kursierende Spruch ist ironisch gemeint, trifft das Problem aber auf den Punkt. Nur: Ohne Laubbläser ist die Arbeit der städtischen Gärtner in Friedberg nicht zu schaffen, sagte Bauhofleiter Udo Mogk am Mittwochabend im Ausschuss für Stadtentwicklung.

Grünen fordern »alternatives Laubmanagement« in Friedberg

Die Grünen hatten auf die gesundheitlichen Gefahren, die von Laubbläsern ausgehen, hingewiesen und ein »alternatives Laubmanagement« gefordert. Angesichts der Corona-Pandemie sollten die städtischen Mitarbeiter zwei Jahre lang auf den Einsatz von Laubbläsern verzichten. Gudrun Friedrich wies auf den Lärm und die Keimbelastung hin, die durch das Aufwirbeln des Staubs entstehe. Diese Keime belasteten die Atemwege.

Mogk sagte, Laubbläser seien im Vergleich zu Besen und Rechen rückenschonender und vor allem effizienter. Tests in Frankfurt mit Elektro-Laubbläsern seien nicht zufriedenstellend ausgefallen. Das größte Problem sei aber die Personalsituation. »Wir suchen seit Monaten eine Führungskraft und mehrere Gärtner, haben die Stellen mehrfach ausgeschrieben.« Ohne Erfolg. Ohne Laubbläser benötige man aber »eine Hundertschaft«, um das Herbstlaub bis Weihnachten zu entfernen.

Dr. Jochen Meier (FDP) äußerte starke Zweifel an den Argumenten der Grünen. Auf den Schulhöfen, wo Laubbläser den Unterricht störten, seien die Hausmeister des Wetteraukreises für die Entfernung des Laubs zuständig, nicht die städtischen Mitarbeiter. Und dass die aufgewirbelten Keime lebensgefährlich« seien, halte er für »übertrieben«.

Friedberg: Bis zu 15 Laubbläsergeräte täglich im Einsatz

Laut Mogk sind täglich zwischen 10 und 15 Laubbläser in der Stadt im Einsatz. Den Vorwurf der Grünen, die Stadtverwaltung wolle nichts an der bisherigen Arbeitsweise verändern, sperre sich gar gegen Neuerungen, wies Mogk zurück. Was die Politik beschließe, setze man um. Nur benötige man dafür auch Personal. Die Grünen hatten die Einstellung von Saisonkräften vorgeschlagen. Laut Mogk ist das nicht praktikabel.

Am Ende einer längeren Diskussion schlug Dr. Klaus-Dieter Rack (SPD) vor, den Antrag der Grünen »abzumildern«: Auf den Einsatz von Laubbläsern soll nun »nach Möglichkeit« verzichtet werden. Ein Appell also, der sich auch an die Bürger der Stadt richtet: Laubbläser sollten durch Besen und Rechen ersetzt werden. Das versprach Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU): »Auf diese Formulierung kann ich mich einlassen.« Der UWG-Stadtverordnete Mathias Kölsch, noch relativ neu im politischen Geschäft, zeigte sich nach einer längeren Diskussion »erstaunt, für was wir hier Zeit haben«. Die Argumente der Grünen sind für ihn wenig überzeugen. Kölsch: »Wir sollten das ablehnen und den Mann seine Arbeit machen lassen.«

Letztlich gab es sechs Stimmen von Grünen, SPD und CDU für den abgemilderten Antrag, bei drei Nein-Stimmen von FDP, UWG und einem CDU-Vertreter.

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