Norman Groh ist für sein stilles "Stöffche" mit dem "Cider World Award" ausgezeichnet worden. FOTOS: LONI SCHUCHARDT
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Norman Groh ist für sein stilles "Stöffche" mit dem "Cider World Award" ausgezeichnet worden. FOTOS: LONI SCHUCHARDT

"Cider World Award"

Apfelwein-Gold geht nach Ockstadt

  • vonHarald Schuchardt
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Alljährlich wird in der Apfelwein-Hochburg Frankfurt der "Cider World Award" vergeben. Erstmals hat der Ockstädter Norman Groh den Wettbewerb in der Königskategorie "Apfelwein still" gewonnen.

Norman Groh war mit seiner Frau und den vier Töchtern gerade im Urlaub, als den Ockstädter eine hocherfreuliche Nachricht erreichte. Sein Apfelwein "Boskop 2019" erreichte beim "Cider World Award 2020" mit 118 von 120 möglichen Punkten den ersten Platz. Doch das war noch nicht alles. Sein "Speierling halbtrocken" wurde hinter einem spanischen Apfelwein mit 114 Punkten Dritter.

Die drei weiteren von ihm eingereichten sortenreine Äppler landeten ebenfalls unter den besten zehn und erhielten, da sie mit mehr als 110 Punkten bewertet worden waren, alle die begehrte Goldmedaille. Der Frankfurter Stadtrat Markus Frank und die Frankfurter Apfelweinkönigin Larissa I. verliehen die Preise virtuell in der leeren Astor Film Lounge.

"Das da was gehen könnte, war mir schon klar. Aber dass ich so erfolgreich abschneide, damit habe ich nicht gerechnet", freut sich der 38-Jährige, der vor zwölf Jahren damit begonnen hat, seinen Apfelwein zu vermarkten. Vorher hatte er schon mehrere Jahre für den Privatgebrauch gekeltert.

Seine Spezialisierung auf sortenreine Apfelweine erwies sich als Glücksfall, auch wenn es hier und da Rückschläge gab. "So manche Sorte habe ich eingestampft", erzählt der Ockstädter und nennt als Beispiel die Apfelsorte "Jonagold". "Der schmeckte einfach nicht rund", sagt der Mitinhaber von "Weidmann und Groh", die vor allem durch ihre Brände bekannt sind.

Inzwischen machen die sortenreinen Apfelweine schon 40 Prozent des Umsatzes aus. Vergeben wird der Preis von "Apfelwein international", dem Ausrichter der Frankfurter Apfelweinmesse, in Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim, die alle eingereichten Proben im Labor seines getränketechnologischen Instituts analysiert.

"Wenn etwas gefunden wird, was nicht in den Apfelwein gehört, fliegt dieser aus der Wertung", weiß Groh, der selbst zwei Mal in der über 20-köpfigen Jury saß und zwei Tage die Produkte in fünf Kategorien, wie Apfelschaumwein, Apfeldessertwein oder Apfelschaumwein gemischt, blind verkostet hatte.

Groh sagt: "Natürlich dürfen Apfelweinproduzenten keine Produkte in den Wettbewerb schicken, wenn sie in dem Jahr Jurymitglied sind." Jeweils sechs Juroren sitzen an einem Tisch, um dann die Apfelweine in verschiedenen Kategorien zu bewerten. Dazu gehören Geruch, Aussehen und der "Style". Was letzteres bedeutet, erklärt Groh anhand der Kategorie "stiller Apfelwein": "Wenn da irgendwas sprudelt oder prickelt, ist er schon so gut wie draußen."

Nach der verdeckten Wertung diskutieren die Juroren noch offen über die Punktvergabe, berichtet Groh, der erst zum zweiten Mal überhaupt am Wettbewerb teilgenommen hat. Warum die Kategorie "Apfelwein still" als Königskategorie gilt, erklärt der Kelterer so: "Die größte Herausforderung ist es, einen trockenen, stillen Apfelwein zu produzieren, der viel Frucht und eine angenehme Säure hat sowie ausgewogen und harmonisch daherkommt."

Trockenheit macht Bäumen zu schaffen

Das ist Groh, der in den letzten Jahren schon bei Wettbewerben in den USA und Australien erfolgreich war, in der letzten Saison geradezu perfekt gelungen. Doch ob dies im Herbst wieder der Fall sein wird, kann der "Apfelwein-Weltmeister" noch nicht sagen. "Die Trockenheit macht den Bäumen sehr zu schaffen", sagt Groh. Dementsprechend ist der Behang je nach Sorte ganz unterschiedlich.

Vielleicht sitzt der Ockstädter dann wieder in der Jury mit vielen Apfelweinproduzenten aus der Region, aber auch aus ganz Deutschland und anderen europäischen Ländern. "Apfelwein ist längst international geworden", sagt Groh, der sich gegen fast 40 Konkurrenten unter anderem aus Italien, Frankreich, England oder Litauen durchgesetzt hat.

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