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Der Äppelwoiweg zwischen der Friedberger Kernstadt und Ockstadt ist beliebt bei Radfahrern wie bei Spaziergängern. Hin und wieder wird’s eng, wenn man sich begegnet. In diesem Falle wird Radfahrern empfohlen, die Klingel zu betätigen.

Friedberg-West gut ans Radnetz angebunden

Antrag zurückgezogen: Äppelwoiweg bleibt, wie er ist

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Eine Regel in Parlamentsdebatten lautet: Selbst wenn die anderen Recht haben, bleib bei deinem Standpunkt! Im Wirtschaftsausschuss der Stadt Friedberg geschah etwas völlig Unerwartetes.

Das kennt man als Beobachter von Parlamentsdebatten: Da streiten die Fraktionen, mitunter sogar wie die berühmten Kesselflicker, die Argumente gehen hin und her und es wird immer klarer, dass eine der beiden Seiten nach allem Abwägen auf dem falschen Dampfer ist. Im besten Falle zieht die im Trüben schippernde Fraktion ihren Antrag zähneknirschend zurück. Oder sie riskiert eine Abstimmungsniederlage, bleibt aber trotzig bei ihrem Standpunkt, mögen die Gegenargumente auch noch so einleuchtend sein.

Am Mittwochabend im Ausschuss für Energie, Wirtschaft und Verkehr der Friedberger Stadtverordnetenversammlung war dies anders. Die Linke hatte gefordert, die Stadt solle den Äppelwoiweg ausbauen, solle mehr Platz für Rad- und Fußverkehr schaffen. Der »Promilleweg« zwischen Ockstadt und Friedberg sei stark frequentiert, aber teils in schlechtem Zustand. Die enge Fahrbahnbreite sorge für Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern.

Den Äppelwoiweg verbreitern? Das sei nicht so einfach, machte Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) klar: Auf der einen Seite des Weges befindet sich eine Ausgleichsfläche für den Bau der B 3a, auf der anderen Seite reihen sich 67 einzelne Grundstücke aneinander. »Das wären langwierige Verkaufsverhandlungen.« Wenn die Eigentümer denn auch verkaufen.

Fahrbahnschäden bereits beseitigt

Der Äppelwoiweg sei breiter als die Linke gemessen habe, bis zu drei Meter. Eine Engstelle gebe es vor der Brücke auf Ockstädter Seite. Schäden in der Fahrbahndecke habe man erst kürzlich auf dem schnellen Dienstweg erledigt, sagte Antkowiak. So wurden an der Usa-Brücke die Bordsteine versetzt, damit die Radfahrer besser um die Kurve kommen. »Wir sind immer für den Ausbau von Radwegen«, sagte Markus Fenske (Grüne). Aber Ockstadt sei vergleichsweise gut angebunden. Und soll man der Natur noch mehr Platz wegnehmen? Achim Güssgen-Ackva (FDP) sprach Klartext: Es gebe dort keine Unfälle und auch keinen Massenverkehr. Mit ein wenig Rücksichtnahme kämen Fußgänger und Radfahrer dort gut miteinander aus. Güssgen-Ackva lehnte selbst eine Prüfung der Angelegenheit, wie abmildernd vorgeschlagen wurde, ab.

Einwände erhob auch Erste Stadträtin Marion Götz (SPD). Auch die bloße Prüfung einer Sache durch das Rathaus binde Personal. »Es gibt viel wichtigere Maßnahmen.« Was dabei unausgesprochen im Raum stand: Die Stadtkasse quillt nicht gerade über, viele andere, dringlichere Projekte müssen finanziert werden.

Für die Linken sitzt Bernd Baier im Wirtschaftsausschuss. Der Ex-Stadtrat mit der Gelassenheit eines Buddha und der Weisheit eines Schelms meldete sich am Ende der Debatte zu Wort. »Ich entscheide jetzt einfach im Namen meiner Fraktion und ziehe den Antrag zurück. Die Argumente haben mich überzeugt. Es gibt wichtigere Baustellen.« Das ist selten, das wünscht man sich parteiübergreifend öfter, und dafür gab’s dann auch spontanen Applaus von den Mitgliedern des Ausschusses.

Wer Schäden am Äppelwoiweg feststellt, kann sich nach den Worten von Bürgermeister Antkowiak ans Rathaus wenden. »Das regelt der Bauhof.« Viele Radfahrer wüssten das, das funktioniere gut.

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