Klar war die Kasernenentwicklung ein Thema beim ISEK-Prozess, und wer von Stadtentwicklung spricht, denkt auch ans Kaufhaus Joh. Aber der Kasernen-Rahmenplan hat mit ISEK nichts zu tun, und das Joh-Gebäude ist Privateigentum. Trotzdem wird manchmal alles durcheinandergeworfen.
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Klar war die Kasernenentwicklung ein Thema beim ISEK-Prozess, und wer von Stadtentwicklung spricht, denkt auch ans Kaufhaus Joh. Aber der Kasernen-Rahmenplan hat mit ISEK nichts zu tun, und das Joh-Gebäude ist Privateigentum. Trotzdem wird manchmal alles durcheinandergeworfen.

Stadtentwicklung in Friedberg

Friedberg: ISEK-Prozess sorgt für Unstimmigkeiten - Wie geht es weiter?

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Vom Agenda-Prozess heißt es in Friedberg oft, er sei ausgegangen wie das Hornberger Schießen. Der aktuelle ISEK-Prozess sollte anders laufen. Trotzdem gibt es jetzt Kritik.

  • Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) in Friedberg verspricht das Mitwirken von Bürgern am Prozess.
  • Einige Bürger melden jedoch, der ISEK-Prozess sei bisher „unbefriedigend“ verlaufen, Bürgermeister Antkowiak spricht hingegen von einer „Kultur des Schlechtredens in Friedberg“.
  • Der laufende ISEK-Prozess soll noch in dieser Wahlperiode, also bis Mitte März 2021, abgeschlossen werden.

ISEK ist eine Abkürzung für ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept. Das »I« deutet auf zweierlei hin: Einerseits sollen neben baulichen Aspekten z. B. auch soziale Belange in die Stadtplanung einbezogen (oder »integriert«) werden. Zum anderen sollen die Bürger nicht außen vor bleiben, sondern mitreden. Integrieren heißt laut Wörterbuch »jemanden oder etwas in ein bestehendes (Sozial-)Gefüge oder System aufnehmen, einordnen«.

ISEK-Prozess: „Kultur des Schlechtredens“ in Friedberg

»Bei meiner Kandidatur als Bürgermeister habe ich die Bürgerbeteiligung groß geschrieben«, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Ihm und der Verwaltung jetzt zu unterstellen, es gebe keine echte Bürgerbeteiligung, will der Rathauschef nicht auf sich sitzen lassen. Eine Teilnehmerin des ISEK-Prozesses hatte dies im Namen einer Gruppe von Bürgern beklagt. Der ISEK-Prozess sei »unbefriedigend« verlaufen, die Ideen der Bürger verschwänden in der Schublade, und wenn eines der Projekte künftig diskutiert werde, dürften die Bürger nicht mitreden (WZ vom 5. Dezember). Nichts davon sei wahr, sagt Antkowiak.

Zusammen mit Bauamtsleiterin Dr. Christiane Pfeffer und deren Mitarbeiterinnen Christa Kleinschmidt und Ann Kathrin Magic hatte Antkowiak am Mittwoch zum Pressegespräch gebeten. Ja, sagt Antkowiak, es gebe Kritik am ISEK-Prozess. Diese komme aus einer bestimmten Gruppe von Bürgern, die auch schon im Rathaus vorstellig wurden. »Ansonsten haben wir viele positive Rückmeldungen bekommen.« Die in dem Presseartikel geäußerte Kritik am ISEK-Prozess sei ein Beispiel für die »Kultur des Schlechtredens«, die in Friedberg seit Jahren Konjunktur hat.

Friedberg: ISEK-Prozess soll noch in dieser Wahlperiode abgeschlossen werden

Nicht alle Menschen erreiche man mit einem ISEK-Prozess, sagt Antkowiak. Andere hätten negative Erfahrungen mit dem Agenda-Prozess gemacht, wieder andere kämen mit einer Erwartungshaltung, die im Prozess nicht erfüllt werden könne. Das führt zu Frust, es hagelt Kritik. »Es gab Arbeitsgruppen, die sehr effektiv gearbeitet haben. Wenn Teilnehmer das Ergebnis nun schlecht reden, wirkt das demotivierend«, sagt Antkowiak.

Am 18. Februar 2021 tagt die aktuelle Stadtverordnetenversammlung zum letzten Mal. Am 14. März sind Kommunalwahlen, danach wird es eine neue Zusammensetzung im Stadtparlament geben. »Wir wollen den Prozess in dieser Wahlperiode abschließen.« Im Januar geht der rund 300 Seiten umfassende Abschlussbericht in die politischen Gremien. Erst dann kann er veröffentlicht werden.

ISEK-Prozess: Danach geht die Stadtentwicklung richtig los

»Das ISEK selbst ist nicht der Abschluss des Projekts, danach geht die Stadtentwicklung erst richtig los«, sagt Antkowiak. Der Bürgermeister betont, dass die Mitarbeiter im Bauamt einerseits an der Belastungsgrenze arbeiteten, anderseits aber viel Herzblut und auch privates Engagement in den Prozess gesteckt hätten. So entstanden quasi nebenher eine Facebook- und eine Internetseite, die ausführlich über den ISEK-Prozess informieren.

Klickt man auf der Internetseite momentan auf den Button »Mitmachen«, erscheint die Information »Beteiligung beendet! Aktuell wird diese ausgewertet und wir teilen Ihnen bald die Ergebnisse mit!« Nach einem positiven Beschluss der Stadtverordneten sollen alle Ergebnisse auf der Internetseite einsehbar sein. Nach und nach sollen die Ideen dann umgesetzt werden. Für 2021 seien »kleine Projekte und Testphasen« geplant.

Friedberg: Bürgermeister verärgert über Vermischung von Themen

Was den Bürgermeister ärgert, ist, wenn Dinge in einen Topf geworfen werden, die nichts miteinander zu tun haben. So hatten die ISEK-Kritiker den Stadtentwicklungsprozess mit dem leerstehenden Kaufhaus Joh und der Entwurfsplanung für die Kaserne verknüpft. Den Vorwurf, am ISEK-Plan würden nur »Investoren verdienen und die Steuerzahler langfristig verlieren«, wird im Rathaus als abenteuerliche Sichtweise betrachtet. Investoren seien für Großprojekte (wie etwa in der Kaserne) oft unabdingbar, und dass neue Radwege oder andere infrastrukturelle Einrichtungen am Ende Steuergelder kosten, versteht sich von selbst.

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