Philipp Jesse ist in die Rolle des kompromisslos-dogmatischen Königs Kreon geschlüpft.	FOTO: PM
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Philipp Jesse ist in die Rolle des kompromisslos-dogmatischen Königs Kreon geschlüpft. FOTO: PM

Mit »Antigone« gepunktet

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Friedberg (pm). Die »Fliegenfänger«, die Theatergruppe der Friedberger Adolf-Reichwein-Schule (ARS), haben mit einer modernen Adaption der Sophokles-Tragödie »Antigone« beim Hessischen Schultheatertreffen 2020 »Ins Licht - Lichtblick« einen mit 1500 Euro dotierten Preis gewonnen.

Ein Theaterfestival ohne Publikum auf den Plätzen, ohne Schauspieler auf der Bühne und ohne Jury im Hintergrund - die Kultur ist von den derzeitigen Verhältnissen wohl mitunter am stärksten betroffen. Während beispielsweise die Bad Hersfelder Festspiele für dieses Jahr zum Bedauern vieler abgesagt werden mussten, haben sich die Schirmherren für das Hessische Schultheatertreffen 2020 »Ins Licht - Lichtblick« etwas anderes einfallen lassen. Die Veranstaltung wurde kurzerhand ins Internet verlegt.

Widerstand gegen den König

Dies war zunächst eine Enttäuschung für die »Fliegenfänger. Sie hatten sich im Wahlpflichtfach »Darstellendes Spiel« lange auf ihr Stück »Antigone« von Sophokles vorbereitet. »Unser Name ist eine Metapher«, sagt Theaterpädagoge und Lehrer Jorgi Slimistinos. »Die Fliegen sind die Darsteller, und genauso wie die Fliegen am Fliegenfänger haften, sollen die Darsteller am Publikum haften und ihnen im Gedächtnis bleiben.«

Nachwuchsschauspieler und Schüler Philipp Jesse ergänzt: »Wir haben sehr lange an dem Stück gearbeitet. Es ist sehr schade, dass Corona uns einen Strich durch die Rechnung macht. Trotzdem haben wir das Beste daraus gemacht. Mir macht es großen Spaß, vor Publikum aufzutreten und ein schönes Stück auf die Bühne zu bringen.« Ein Engagement, das, wie sich zeigen sollte, trotz der widrigen Umstände von Erfolg gekrönt war.

Im besagten Drama aus der »Thebanischen Trilogie« von Sophokles geht es vor allem um die weibliche Hauptperson Antigone, die sich gegen die Entscheidung ihres Onkels und Königs Kreon wehrt, der ihren gefallenen Bruder Polyneikes aus politischen Gründen nicht pietätvoll bestatten lassen will. Die fromme Antigone und weitere Mitglieder aus dem engen Familienkreis lehnen sich dagegen auf. Der Konflikt spitzt sich zu und fordert einen hohen Menschenzoll. »In unserer Version jedoch gibt es ein kleines Happy End, das mit moderner und klassischer Musik untermalt wird«, bemerkt Jorgi Slimistinos.

Bezüge zu modernen Filmen

Es gibt viele Bezüge zu modernen Filmen mit Familiendramen, wie zum Beispiel Star Wars. Manche haben solche Familiendramen auch schon selbst erlebt, wenn es eine Person gibt, die die anderen ins Verderben stürzt. Somit wirkt das Stück sehr realitätsnah. Laut Philipp Jesse stehen für Publikum Spannung und Aufregung im Mittelpunkt. Das Publikum wolle wissen, wie die Geschichte weitergehe. Das Stück zeige sehr gut, dass man sich nicht in alle Dinge derart hineinsteigern sollte, wenn man keinen größeren Schaden anrichten wolle.

Bei der digitalen Preisverleihung unter der Schirmherrschaft von Matthias Haupt, dem Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Prof. R. Alexander Lorz, dem hessischen Kultusminister, und der Vorsitzenden des Landesverbandes Schultheater in Hessen, Ruth Kockelmann, kam das Stück offenkundig gut an. Die Gruppe erhält als Anerkennung den Schultheater-Förderpreis der Sparkassen-Kulturstiftung in Höhe von 1500 Euro zur Förderung ihrer Theaterarbeit. Der noch größere Preis dürfte die Freude am Theater sein, zu der viele der Jungschauspieler gefunden haben, die vorher eher wenig Kontakt zur Welt des Theaters gehabt hatten.

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