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Zum Sonderimpftag werden in Büdingen über 1000 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson gespritzt. Schon bevor die Türen öffnen, hat sich eine Schlange gebildet. Selina Hochstein aus Dauernheim, die mit ihrem Lebensgefährten Nils Bender gekommen ist, möchte sich impfen lassen.

Über 1000 Impfdosen

Enormer Andrang beim Sonderimpftag im Wetterauer Impfzentrum

  • VonInge Schneider
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Schon vor 9 Uhr hat das Impfzentrum in Büdingen am Sonntag seine Türen geöffnet - für den Sonderimpftag mit über 1000 Dosen von Johnson & Johnson. Der Andrang war groß.

Büdingen – Die Schlange ist lang. Vor dem Impfzentrum in Büdingen warten rund 250 Menschen aller Generationen, die eine von den über 1000 Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnsohn erhalten möchten. Thorsten Rautenberg bewahrt Ruhe, gibt Anweisungen an die Sicherheits- und Ordnungskräfte.

Ins Bild möchte der Rettungssanitäter, der 30 Jahre im Einsatz hinter sich hat, definitiv nicht: »Unser Team ist ja viel größer, und für den heutigen Sonderimpftag haben wir technisch und personell noch einmal zusätzlich aufgestockt. Mehr Ärzte sind vor Ort, die Zahl der Impfkabinen wurde von fünf auf acht erweitert«, sagt Rautenberg. »Ein einzelner Koordinator sollte sich da nicht vom Team abheben. Wir geben alle seit Wochen unser Bestes.« Für den ruhigen jungen Mann ist es ein Unding, dass nicht längst viel mehr Impfwillige ihr Vakzin erhalten haben. »Eine der reichsten Industrienationen der Welt muss es doch schaffen, genügend Impfdosen zur Verfügung zu stellen.«

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Die Stimmung in der langen Menschenschlange vor dem Impfzentrum ist entspannt bis erwartungsvoll. Geduldig wartet man stehenden Fußes, während die Besucher, die einen regulären Impftermin wahrnehmen, im Auto auf den Parkplatz vorfahren dürfen. Die Anwesenden kommen aus Nidda und Niddatal, aus Friedberg und Rosbach, Bad Nauheim, Büdingen und Altenstadt. »Es ist schon in Ordnung, es geht zügig voran«, hört man aus der Reihe der Wartenden.

Eine Kurzumfrage ergibt, dass aktuell die wenigsten gekommen sind, um 14 Tage später unbeschwert in den Urlaub fahren zu können - reicht doch beim Impfstoff von Johnson & Johnson im Gegensatz zu den anderen Vakzinen eine einzige Dosis für den vollständigen Impfschutz aus. Eine größere Anzahl an Impfwilligen habe auf keinem anderen Weg einen Impftermin erhalten, weder im Impfzentrum noch beim Hausarzt.

»Wenn man jung und gesund ist und keiner Priorisierungsgruppe angehört, ist es wirklich nicht einfach, sich registrieren zu lassen«, sagt Selina Hochstein aus Dauernheim. Ihr Lebensgefährte Nils Bender aus Echzell nickt. Er ist bereits vollständig mit dem Impfstoff von Biontech geimpft und lediglich zur Begleitung seiner Freundin vor Ort. Selina Hochstein freut sich, bald an der Reihe zu sein, Bedenken gegen den Impfstoff hat sie keine.

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Drei Arbeitskollegen aus Nidda sowie eine Familie aus Ilbenstadt, die mit Fahrerin und Babysitterin für den Jüngsten angereist ist, sagen ebenfalls, sie hätten auf regulären Wegen keinen Impftermin erhalten. Sie möchten aber möglichst rasch ihre alten Freiheiten wiederhaben, sagen sie.

»Es führt kein Weg an der Tatsache vorbei: Hier wird ein indirekter Impfzwang ausgeübt«, sagt die junge Mutter Natascha Gerstendörfer aus Rommelhausen. »Wer wieder unbeschwert zum Einkaufen, in eine Gaststätte oder ins Kino gehen möchte, wird auf Dauer nicht an der Impfung vorbeikommen. Ich bin keine ausgesprochene Impfskeptikerin, sonst stünde ich nicht hier. Aber dem Zwang, der ausgeübt wird, stehe ich kritisch gegenüber, obwohl ich gerade dabei bin, mich ihm zu beugen.«

Für Koordinator Thorsten Rautenberg dagegen, der am Eingang des Impfzentrums in aller Ruhe seinen Job macht, ist die Entscheidung eindeutig: »Ich selbst hatte es zweimal und habe Menschen auf der Intensivstation daran sterben sehen. Covid-19 wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht - wohl aber allen Interessierten eine Impfung.« Und: »Hoffentlich reichen die hier vorhandenen 1000 Dosen bis heute Abend. Und hoffentlich gibt es bald einen zweiten solchen Sonderimpftag.«

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