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»Ich mache mir einen schönen Abend mit netten Leuten und ohne meine Familie«, sagt Kabarettist Martin Guth. Gitarrist und Sänger Johannes Napp ist zum Auftritt nach Friedberg nicht mitgekommen.

»Alleinerziehend« auf der Bühne

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Bestens bekannt in der ganzen Wetterau ist Martin Guth, der bis 2013 20 Jahre zusammen mit Dietrich Faber als »FaberhaftGuth« unterwegs war. Solo ist der Butzbacher, der beruflich als Leiter des Kulturmanagements der Stadt Nidda tätig ist, als Kabarettist, Moderator, Kolumnist und Autor äußerst erfolgreich.

Am Samstagabend war er zu Gast beim »Sommer im Rathauspark«, der Veranstaltungsreihe der Stadt, die mit Guths »Best Off« unter dem Titel »Das Beste vom Guthen - Das Gala-Showprogramm« endete.

Leider war der Kabarettist mit seinem Mix aus Programmen und Lesungen der letzten Jahre zu seiner Premiere in diesem »tollen Ambiente« (Guth) alleine und nicht - wie angekündigt - mit, Gitarrist und Sänger Johannes Napp gekommen.

»Es kommt nur noch selten vor, aber es gab eine Termindoppelung, Johannes spielt noch in einer Band«, erklärte Guth, der versprach: »Ich mache mir trotzdem einen schönen Abend mit netten Leuten und ohne meine Familie«.

WZ-Kolumne wird gelesen

Schon war der rote Faden des Programms klar: Die Trennung von seiner Frau Heike, die ihn urplötzlich nicht nur zum Single, sondern auch zum alleinerziehenden Vater seiner beiden Töchter Hanna und Lina machte.

Derweil vergnügte sich seine Noch-Ehefrau mit ihrem Freund Joey, der eigentlich Jochen heißt, so Guth, der seine Trennung auch zum Thema seines ersten Buchs »Meine Frau, ihr Mann und ich« gemacht hatte. Der 50-Jährige, der immer wieder mit der »Dekade 40 bis 50« haderte, las aus seinem Erstlingswerk als Buchautor über den höchst amüsanten Einkaufsbummel mit seinen Töchtern beim verkaufsoffenen Sonntag auf der Frankfurter Zeil.

Es wurde viel gelacht, und sicher waren es vor allem die männlichen Besucher, die die Probleme des zweifachen Vaters nachvollziehen konnten. Im Verlauf seines zweistündigen Programms las Guth auch aus seinen beiden Büchern mit Kolumnen, die unter anderem in dieser Zeitung erschienen sind.

Diese passten bestens in sein Programm, ebenso wie die zahlreichen Songs, die Guth mit Halbplayback live sang. So beschäftigte er sich musikalisch mit Wörtern, wie Bandsalat, Binder oder Tanzboden, die kaum einer noch benutzt. »Wo seid ihr hin?« sang Guth, der behauptete, als VHS-Kursleiter unter Pseudonym für Frauen ab 50 den Kurs »Fit mit Exel in den Klimawechsel« zu geben. Mit den gesammelten »Weltansichten« von Kindern punktete Guth bei den Besuchern ebenso wie für Fehler in Zeitungen, welche die Zuschauer immer wieder zum Lachen brachte.

»Siegfried hatte seine Achillesferse auf dem Rücken«, behauptete ein Junge in einer der zahlreichen Einspielungen.

Guth beschäftigte sich aber auch mit seinem großen Trauma als unsportlicher Schüler, den Bundesjugendspielen, die er treffend besang.

Immer wieder fand er spielend den Weg zurück zu seinen Familienproblemen, die er mit einer neuen Liebe zu einer Bäckereifachverkäuferin beenden wollte. Trotz einem »süßen Lied« gelang ihm dies nicht, doch trotz diesem Rückschlag und weiterer Dating-Misserfolge blieb er seiner Devise »Immer optimistisch bleiben« treu.

Mit der gesungenen Hommage auf Hessen »Dort bin ich zu Haus« und einem genialen Drei-Minuten-Medley von 32 Songs als Zugabe beendete Guth seinen Auftritt.

Ein Appell an die Besucher

Er fügte noch einen Appell an die Besucher hinzu: »Als jemand, der auch auf der anderen Seite des Kulturbetriebs steht, bitte ich sie alle, gehen Sie auch in die Säle, wenn es möglich ist.«

Als Kulturschaffender dankte er all den Machern der Veranstaltungen in diesem Sommer, so wie Sigrid Bartsch vom Kulturservice der Stadt und deren Mitarbeiter Harry Thyssen, aber auch allen im Hintergrund.

Dazu zählte auch die exzellente Licht- und Tontechnik von Floodwave, die in der ersten Hälfte einen plötzlichen Stromausfall schnell im Griff hatte, während Guth »unplugged« und etwas lauter sprechend weitermachte.

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